Gehört und Gesehen - Römisch Drei

03.12.2009Die Blumen

Die Blumen

Römisch Drei

Fastball Music / Sony Music (2009, CD)

Wer Hannover bislang als leicht graue Industriestadt wahrgenommen hat, muss ab sofort sein Weltbild korrigieren, denn jetzt kommt eine geballte Ladung Farbe in die Stadt.

Mehr als nur eine musikalische Bewerbung für eine der kommenden Bundesgartenschauen liefert die in Hannover ansässige Musikkapelle Die Blumen ab. In die seitens der Presseinfo vorgeschlagene Genre- Schublade „Comedy / Deutschrock“ mag man Die Blumen nicht ohne weiteres packen, sie würden wohl unter Lichtmangel verwelken.

Mit „Römisch Drei“ untermauert die im Jahr 2008 vom Songwriter-und Produzenten-Duo Karo und Jimi gegründete Band ihre visionären Ambitionen, eine Art multikulturelles Abbild des täglichen Lebens zu liefern, mit all seinen Höhen, Tiefen, euphorischen, nüchternen und vernebelten Momenten.

Musikalisch tanzen die Blumen auf vier, fünf und manchmal auch noch mehr Hochzeiten, ob Reggae, HipHop, Rap, Punk-Pop, NDW-Pop, Polka, Disco oder Walzer. Spaß haben kann man immer, man muss es nur wollen.

Bierernste Musikanalysten und Kopfmenschen mit begrenztem Stehvermögen und mangelndem Humor dürften rasch von Kopfschmerzen, Herzrasen und Übelkeit geplagt werden, einen entsprechenden Beipackzettel über mögliche Nebenwirkungen beim Konsum dieser CD liefern Die Blumen aber nicht mit. Bei soviel Ideenreichtum, blieb für schnöde Warnhinweise wohl einfach keine Zeit.

Man muss über eine doch recht ordentliche Konstitution verfügen um klar zu kommen und auch zu bleiben. „Römisch Drei“ zu hören ist wie eine angenommene Speisefolge angefangen von Gummibärchen über Schweinshaxe mit Kraut, Spagetti mit Senf und Himbeersauce bis hin zu Schokoküssen mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum, abgerundet von einer Portion Kartoffelchips an Blattspinat und 1,5 Liter Heidelbeerbrause.

Das geht oder das geht nicht, je nachdem, wie kulturell offen der geneigte Hörer ist. Zu munterem 80er-Neue-Deutsche-Welle Pop führen die Blumen hinter das Geheimnis der Muskelkraft von Tiefbauarbeitern. Im gleichnamigen Song heißt es „(…)Tiefbauarbeiter sind nicht nur kräftig, nein sie sind ganz superstark, denn sie essen Quark von Tante Gerdie jeden Tag (…)“

Diese Energiespritze wurde noch gleich ein eigener Song gewidmet, der Up-Tempo Punk-Popper „Tante Gerdies Früchtequark“. Zu Drumcomputer und Scratches rappen Die Blumen in „Umzug“. „Wir machen dich Umzug“, so die Kernaussage dieses Tracks. Lange Erklärungen hat die Band nicht nötig: „Ich wohn´ in einer WG“ ist in 1:47 Minute abgehandelt.

Bemerkenswert ist die Kreativität bezüglich der mitunter peniblen Ausarbeitung mancher Backing-Gesänge. In „Weihnachtsmann“ lässt die Band gleich eine Mega-Rakete steigen: „Pa-Duddel-Di-Pim / Rab-Di-Duffel-Du“. Wer da an die Geräuschkulisse während eines Kopulationsversuchs zwischen dem vom Kasperle gern geprügelten Stoff-Krokodil und Sesamstraßen-Ernie´s Quietscherentchen denkt, sollte dann vielleicht doch mal vorübergehend den Tonträger wechseln und sich von Acts wie Motörhead die Gehörgänge freipusten lassen. Es könnte helfen.

„Römisch Drei“ ist ein kulturell nicht hoch genug einzuschätzender Beitrag, nicht nur für Hannover, sondern für das ganze Land, für den gesamten deutschsprachigen Raum.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.myspace.com/dieblumenmusik
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