Gehört und Gesehen - Onward

29.10.2009Magna Mortalis

Magna Mortalis

Onward

Eigenproduktion (2009, CD)

Schon mit dem ersten, selbstproduzierten Tonträger mit dem aussagekräftigen Titel „Demo 2006“ war klar, wohin die musikalische Reise der hannoverschen Death-Metal-Band Magna Mortalis geht. Mit 08/15 Death-Metal von der Stange wollte man die Hörerschaft nicht langweilen, es durfte schon etwas spezieller, ruppiger und abgedrehter sein. „Endtime Death Metal mit Power und Groove“ hat sich das Quartett auf die Fahne geschrieben, „voll von kranken Melodien und Texten über sämtliche Abgründe der menschlichen Existenz“, beschreiben die Jungs von Magna Mortalis ihren künstlerischen Output mit eigenen Worten. So destruktiv, wie sich diese Zeilen lesen, ist die Musik dann aber keinesfalls.

Das trifft auch auf den aktuellen Longplayer „Onward“ zu, eine sehr schlüssige Platte übrigens. Selten korrespondieren Cover-Artwork und musikalischer Inhalt so gut wie bei diesem Album. Mutierte Riesenheuschrecken mit Kampfpanzer-Köpfen sind im Begriff, ein kleines Häufchen mutiger, aber im Ergebnis hilfloser Infantrie-Soldaten niederzumähen. Das alles in einer Kraterwüste unter bedrohlich düsterem Himmel.

Wenn man das Stehvermögen besitzt, die zwölf Tracks von „Onward“ mit voller Wucht auf sich wirken zu lassen, dann wird man reif genug sein, der Phantasie freien Lauf zu lassen und gleichzeitig Songs wie „Radiative Benediction“, „Flaming Rain“ oder „Anthithesis Of Creaton“ zu verstehen, zu fühlen und unter der dicken Schicht von brachialen Soundwänden, irrsinnig schnell getretener Bass-Drum und mitunter Höchstgeschwindigkeits-Gitarrensoli nachvollziehbare und schicke Melodien zu entdecken. Irgendwas muss ja vielleicht doch noch nach, respektive während der Apokalypse übrig geblieben sein.

Magna Mortalis gehen auf diesem Album eindrucksvoll zu Werke und lassen für Death-Metal-Fans wenig bis gar keine Wünsche mehr offen. Diese Platte ist wie einziger Rausch, der etwas über 40 Minuten andauert, ein Rausch der Spaß machen kann und zuweilen in einen Alptraum mündet. Die Band ackert und brettert wie der Teufel bei Blitz, Donner, Hagel und sonstigen nur vorstellbaren Niederschlägen und Emissionen gleichzeitig.

So muss sich das wohl anhören, wenn ein Hubschrauber mit überdrehtem Propeller langsam und zielgerichtet unter Dauerbeschuss abstürzt, gen Erde trudelt und sich in ein Matschfeld fräst, wo schemenhafte Gestalten noch die letzten Früchte des Zorns ernten, sie aber nicht mehr retten können. Eine Windhose wirbelt zwischen den Kampfpanzer-Heuschrecken hindurch und erfasst alles, was nicht niet-und nagelfest ist, zieht einen wie ein Mega- Staubsauger durch die dunklen Wolken direkt in den Himmel und anschließend in die Hölle.

Ein leises Zischen nach einer knappen Dreiviertelstunde: „Onward“ hat ausgespielt. Selten zuvor war ein Alptraum so bittersüß…


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.magnamortalis.de
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