Gehört und Gesehen - Monoment

29.10.2009Alejandro Jiménez

Alejandro Jiménez

Monoment

Was Zu Sagen (2009, CD)

Sie sprießen wie die Pilze aus dem Waldboden, diese Singer/ Songwriter mit leichtem Punkeinschlag. Anfangs irgendwie neu, ehrlicher und direkter, setzen zumindest bei mir so langsam die ersten Ermüdungserscheinungen ein. Jetzt liegt dieser verehrte Künstler (oder vielmehr seine aktuelle Cd) vor mir auf dem Tisch: Alejandro Jiménez. Der Schweizer ist Labelchef, Autor, Musiker und Songwriter in einer Person und auch in seiner „One Man Band“ übernimmt er alle Rollen gleichzeitig. Er ist Sänger und Gitarrist, das Schlagwerk wird kurzerhand mit den Füßen übernommen. So ein bisschen wie ein moderner Alleinunterhalter, der in der Fußgängerzone versucht den Panflöten Indios Raum abzugewinnen.

„Monoment“ heißt sein Album und kommt mit merkwürdigen Titeln, wie „Denn Gebadet Wird Daheim“ oder „Willkommen Auf Dem Abstellgleis“ daher. Niveauvolle Texte, die Gott sei Dank nicht ständig intellektuell sein müssen und immer frisch und echt und nie krampfig wirken. Musikalisch auf der Höhe macht dieses Album wirklich eine ganze Menge Spaß, unterhält und ist beizeiten auch mal nur schön. Auch wenn „nett“ bekanntermaßen die kleine Schwester von „Scheiße“ ist, so trifft diese Beschreibung auf die Musik von Herrn Jiménez zu. Die Songs sind unaufgeblasen, die Botschaft herrlich unaufdringlich. Treffende Formulierung vom Künstler dazu gibt es im Titel „Seit Wann“: „Meine Texte sind mir wichtig, ich hoffe es stört sich niemand dran. Ich versuche etwas zu sagen, von Zeit zu Zeit hört jemand hin.“ Diesen Song über unsere Entwicklung zu Allroundern, die alles ein bisschen, aber eigentlich nichts mehr richtig können, sollte man unbedingt antesten!

Manchmal denke ich, dass die Prinzen heutzutage so klingen könnten, natürlich mit mehr Chorgesängen und weniger Ranzigkeit. Das Cover zeigt den Barden höchstpersönlich in schönstem Schiesser-Feinripp/ Tennissocken Outfit. Hmm, vielleicht trägt man das in der Schweiz so? Wahrscheinlicher ist aber, dass man eine gewisse emotionale Zerrissenheit des Künstlers portraitieren wollte. Marke: Normalo mit sensiblem, künstlerischem Kern. Abgenommen hätte man ihm das allerdings auch ohne diese Aufmachung, denn seine Songs sprechen für sich.

Die fehlende Abwechslung, besonders von der Instrumentierung her, ist ein kleines Manko. Vielleicht wäre der ein oder andere Gastmucker eine gute Idee gewesen. Oder doch noch einen dritten Arm anoperieren! In der Schweiz sitzen doch die besten Chirurgen der Welt, also ran da. Ansonsten schönes Ding!

Fazit: Sensibles Album mit viel musikalischem Feingefühl.


Jan Hagerodt
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.alejandrojimenez.ch
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