Gehört und Gesehen - Solipsissimus

24.10.200926

26

Solipsissimus

A tec Rec. (2009, CD)

Hah! Den kenn ich! Im Booklet von 26 wird doch tatsächlich ein Marco Minnemann als Schlagzeuger aufgeführt. Wem der Kollege jetzt nichts sagt: Deutscher Ausnahmeschlagzeuger, trommelte schon mit den ganz Großen, hat sich bei den H-Blockx eine zeitlang gelangweilt und stieg schließlich aus Unterforderung schnell wieder aus. Ich hatte vor langer Zeit (als Kippen noch fünf Mark kosteten) mal die Ehre, an einem Schlagzeug-Workshop des Musikers teilzunehmen.

Der gebürtige Hannoveraner protzte damals nicht nur mit der Größe seines Sets, sondern vor allem mit seinem Können und sorgte für anhaltend offen stehende Münder aller Teilnehmer. Witziger Gegensatz zu soviel extravagantem Spiel war damals Guano Apes Trommler Poschi, der den Workshop mit ins Leben gerufen hatte. Dieser antwortete auf die Frage wie oft er üben würde mit „Nie“ und spendierte in der Pause lieber eine Kiste Einbecker und ein paar Cheeseburger, anstatt über neuartige Taktverschiebungen, Ghostnotes und Quintolen-Übergänge zu quatschen. Mein Favorit stand damals dadurch fest. Der eine steht für Rock, der andere für Technik.

In der Band 26 haben sich wirklich drei großartige Musiker zusammengetan, die zweites auf hohem Niveau vorführen, nämlich Technik. Auf Musik muss man leider größtenteils verzichten und von Kompositionen kann man nur selten sprechen. Der Sänger klingt stimmlich nach Ozzy Osbournes Halbbruder und bleibt genauso akzentlos wie der Gitarrist und Basser. Es ist ja schön, dass die Jungs einem mal zeigen was man alles so mit seinem Instrument machen kann, aber wenn es doch zu nichts führt, tja dann führt es eben zu nichts. Unverständlich wer das hören möchte und vor allem braucht. Meine Vermutung ist übrigens dass der Bandname für die Anzahl verschiedener Takte (wohlgemerkt in einem Song!) steht. Musik für alle, denen Progrock nicht mehr genug „proggt“ oder die einfach nur geil auf die handwerkliche Leistungen der Akteure sind, ansonsten vollkommen unverträglich.

Hut ab und Respekt vor diesen Talenten, aber bitte das nächste Mal einfach ein Lehrbuch oder eine „Mucken mit... DVD“ raus bringen und kein Album. Es versteht doch eh keiner.

Fazit: Mucker-Masturbation beidhändig ausgeführt.


Jan Hagerodt
(3 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.myspace.com/kodiwein
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