Gehört und Gesehen - Lampenfieber

16.10.2009Noch Ne Band

Noch Ne Band

Lampenfieber

Cosma Records / Roughtrade (2009, CD)

Zur Erklärung: Im Folgenden lest ihr zwei Rezensionen aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln.

Betrachtungswinkel #1
Aufhören! Sofort Schluss damit!! Singt endlich wieder englisch, damit man diese pathetisch-peinlichen und pubertätsschwangeren Texte wenigstens nicht gleich auf Anhieb versteht. Diese ganzen auf „Hit“ weichgespülten Nervkapellen sorgen so langsam echt für Sodbrennen in den Ohren. Ewig die gleichen drei Akkorde Nummern, die so richtig rocken sollen. Speien muss I !

Kann man Bands wie Silbermond zumindest eine unterhaltsame Live Show attestieren, ist bei Noch Ne Band selbst der so wahnsinnig kuriose Bandname (Ich lach mich tot) zu brotblöd um ihn gut zu finden.

Die Texte aus den Poesiealben von Ori-Schülern zusammengeklaubt, die Musik so derart uneigenständig dass es schon fast eine Unverschämtheit ist. Da weiß man gar nicht, wo man mit dem Plagiatvorwurf anfangen soll. Die drei Karlsruher, deren Danksagungen im Booklet eher ein Best Of- als ein Debütalbum vermuten lassen, wissen wahrscheinlich gar nicht, was sie mit dieser Auskopplung angerichtet haben und sind hoffentlich nur die Opfer von seelenlosen PR-Beratern, Musik-Stylisten und nach Erfolg hechelnden Produzenten, das würde ihre Ehre zumindest ein bisschen retten.
Falls nicht, tja puh, dann fehlen mir echt die Worte und das kommt selten vor. Wer auch nur annähernd verstehen will was ich meine, muss nur mal die erste Minute von „Der Weg“ anspielen. Dagegen sind Texter wie DJ Ötzi oder Michael Wendler die Schillers und Goethes der Popularmusik.

“Lampenfieber“ ist ein Album dass Menschen gefällt, für die Musik kein künstlerischer Ausdruck, sondern lediglich ein anspruchsloser Zeitvertreib ist, zu dem man abspacken kann. Dies ist kein Album, sondern ein auf Erfolg gebügeltes Hochglanzprodukt. Markerschütternd peinlich, platt und egal.

Wertung: 1/10

Betrachtungswinkel #2
Fett produziert und glanzvoll auf Stadion inszeniert kommen die Karlsruher mit ihrem Debütalbum „Lampenfieber“ um die Ecke. Melodien, die schnell ins Ohr gehen und Texte, die eine komplette Teenie Generation vertonen. Hitsingles finden sich hier hinter jedem Hügel. Sängerin Vanessa wird mit Sicherheit für so manches junge Mädchen eine Vorbildfunktion einnehmen und so einige Jungen-Herzen zum Schmelzen bringen.

Songs wie „Mittendrin“ oder auch „Provokation“ kann man sich als Stimmungsgranaten bei einem Live Konzert des Trios vorstellen. „Lisa“ oder „Der „Weg“ sind eher nachdenkliche Kompositionen.

Noch Ne Band könnte im Windschatten von Silbemond zumindest national erfolgreich nach Vorne sprinten, das Zielpublikum liegt auf jeden Fall genau in dem Alter wo Jugendliche noch Geld für Musik ausgeben. Musik und Texte sind zwar nicht besonders anspruchsvoll, laden aber sowohl zum Tanzen als auch zum Träumen ein. Das Album erfüllt den Anspruch an eine moderne, druckvolle Produktion.

Wer jung ist und neue, deutsche Musik mag, für den wird Noch Ne Band eine echte Alternative zu den „Großen“ im Geschäft sein.

Wertung: 7/10


Jan Hagerodt
(4 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.nochneband.de
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