Gehört und Gesehen - Epochenjaeger

08.10.2009La Confianza

La Confianza

Epochenjaeger

Jump Start Music (2009, CD)

Vier Franken machen sich auf den Crossover neu zu erfinden. Das Ergebnis heißt La Confianza, das Debütalbum „Epochenjaeger“. Das mitgelieferte Bandfoto lässt schon Rückschritt erahnen. Vier absolut auf Mucker gestylte junge Typen stehen vor einer mit Graffiti übersäten Wand. Ohje! Das ist so abgelutscht, das nicht mal mehr der Stiel übrig geblieben ist.

Schlimmer wäre eigentlich nur noch ein Foto im Steinbruch oder auf Bahnschienen, aber das ist ja eher der Metal Fraktion zuzuschreiben. Gut, man darf nicht vergessen, dass dies ein Debütalbum von einer jungen Band ist und da macht man halt noch so einige, komische Sachen. Schmunzeln muss ich dann aber doch noch mal beim Inspizieren der T-Shirt Aufdrucke. Das eine ziert „No Animal Testing“, das andere „Free Tibet“, gedruckt auf 100% Baumwolle, die höchstwahrscheinlich indische Kinder für eine Schüssel Reis für Hager&Mager herstellt. Da scheint mir ein neuer Bono in den Startlöchern zu stehen! Egal, hier geht’s um Musik, also hören wir mal rein.

Bei der Titelgebung waren die Jungs in jedem Fall kreativ. Tracks wie „Sozialstasi“, „Puppet Show“ oder auch „Regenbogenhäscher“ lassen erahnen, das hier sowohl englisch als auch deutsch gesungen wird. In der Presseinfo wird extra drauf hingewiesen, dass die Band kein Abklatsch von Crossover- Perlen à la Guano Apes, Limp Bizkit, RATM usw. ist, die Wahrheit sieht leider anders aus. Auf „Epochenjaeger“ wird konsequent jedes Stilmittel dieser Musikrichtung durch den Musik-Fleischwolf gedreht. Garniert mit Texten, die den Fremdscham teilweise unerträglich machen, hat man das Gefühl man wäre 15 Jahre in der Zeit zurück gereist. Innovativität gleich Null. Nervgrad ganz weit oben.

Die handwerkliche Leistung ist gut, allerdings ist besonders die bei dieser Musikrichtung so extrem wichtige Rhythmussektion oft alles andere als „tight“ (um mal das Lieblingswort eines glatzköpfigen Berliner Choreographen zu verwursteln). Im Großen und Ganzen aber eine solide Leistung, die 3 Punkte rechtfertigt.

Man sollte dennoch gerade von einer jungen Band erwarten, dass sie neue Impulse bringt und nicht nur alte Butterbrote nachschmiert. „Epochenjaeger“ ist ein Hasenbrot, das schon ordentlich die Fittchen hochstreckt. Trocken und angeschimmelt, ein trauriger Fall für die Endablage.

Fazit: Später werden sie mal sagen: „Wir waren jung und wir brauchten das Geld.“ Hoffentlich.


Jan Hagerodt
(3 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.myspace.com/laconfianca
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