Gehört und Gesehen - Under The Radar

01.10.2009Gods Of Blitz

Gods Of Blitz

Under The Radar

Sound Everest/ Roughtrade (2009, CD)

Die geblitzdingsten Götter aus der Hauptstadt waren in den vergangenen drei Jahren wohl das, was man eine „Underground-Hippe“ Band nennen könnte. Nie so dicke im schmutzigen Geschäft, dass sie den besagten Underground und die Menschen, die in ihm wohnen, verschrecken würden und stets eine Alternative zu den glatt polierten Chartholzköpfen. Kantig und doch tanzbar, hitverdächtig und dennoch der Inbegriff von Indie. Eine dieser Bands bei der besonders Musiker gerne erstaunt „Was, die sind aus Deutschland?“ von sich geben. Mich ließen die Berliner bisher relativ kalt, dass muss ich den vielen Fans lieber jetzt schon mal eingestehen, bevor es hier gleich die Entrüstungsemails hagelt. Mir ist nach wie vor einfach unklar, worin die Besonderheit dieser Combo liegen soll.

Verändert hat sich jetzt allerdings so einiges: Frontmann und Bassist Sebastian Barusta Gaebel sitzt nicht mehr auf dem Trohn. Der neue am Mic heißt Nico Kozik, der Bass wird von Carsten Brocker per Synthie bedient. Das sollte neue Impulse geben!

“Under The Radar“ heißt die dritte Veröffentlichung der Jungs und soll laut Presseinfo rauer und ruppiger sein und mehr aus dem Bauch kommen. Eine Formulierung, die man häufig wählt, wenn das Geld für das High End Studio nicht gereicht hat und man in Opas Heimkeller aufnehmen muss. Diese Bedenken kann man jedoch getrost über Bord werfen. Die Platte klingt gut, ist stimmig produziert und Indie muss ja sowieso immer ein bisschen nach Besenkammer klingen. „ZigZag“ heißt der Opener und der gibt in knapp drei Minuten auch die Ansage für die folgenden zwölf Tracks. Nett, aber mir persönlich wieder mal zu unspektakulär. Da gefällt mir „The Situation“ schon deutlich besser, denn obwohl dieser Song keinen Deut spektakulärer ist, geht er derart in die fleischigen Oberschenkel, dass man automatisch anfängt rhythmisch zu zucken (und das alles ohne Fremdeinwirkung eines epileptischen Anfalls). Coole Single, die sich auch als Werbejingle für amerikanische Getränkehersteller sehr gut eignen sollte.

Absoluter Höhepunkt der Platte ist für mich allerdings „Teenage Thoughts“ mit der Rückennummer 4. Schöner Text über eine der komischsten Zeiten im Menschenleben; nette Melodien, lässiger Refrain, alles in Butter. Leider schafft es die Cd über weite Strecken nicht den Spannungsbogen weiterzuführen und mumpft zu häufig im Indie Schmutzwäschestapel rum. Zu selten wird der Moog-Synthi überzeugend und mutig eingesetzt. Wenn es dann doch mal passiert, wie z.B. im Break von „Where The Beats Have No Name“ oder bei „Gentleman Bankrobber“ schafft das eine wohltuende Abwechslung und riecht mal nicht nach alten Socken. Man sollte diesem Album also mindestens eine zweite Chance geben. Beim ersten Hördurchgang bleibt wenig hängen, gibt man den Göttern jedoch ein bisschen Zeit entwickeln sich viele Songs deutlich positiv und man bemerkt viele schöne Facetten, die vorher noch an einem vorbei gezogen sind. Mich haben die Kreuzberger durch dieses Album jedenfalls ein kleines Stückchen mehr auf ihre Seite gezogen.

Wer die Band bisher mochte wird auch dieses Album mögen, selbst wenn es eine Runde länger braucht. Live kann ich mir das Ganze sowieso noch mal ´ne Ecke besser vorstellen als auf Platte, denn tanzbar ist das alles.

Fazit: So dolle donnern tut´s zwar nicht, eine gute Indie-Platte ist „Under The Radar“ aber allemal.


Jan Hagerodt
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.godsofblitz.com

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