Gehört und Gesehen - Band Of The Day

25.09.2009Terry Hoax

Terry Hoax

Band Of The Day

Peppermint Park (2009, CD)

Die Mitglieder von Terry Hoax sind wirklich nicht zu beneiden. Nach der Pause, die übrigens doppelt so lange andauerte wie die offizielle Schaffenszeit der Band, nun ein neues Album zu veröffentlichen – das ist mit Sicherheit ein dicker Brocken, der da auf der zarten Künstlerseele liegt. Hervorgegangen aus der gleichen „Peppermint Park/ Jens Krause-Schmiede“ wie die Furys mussten sich die Jungs in der Vergangenheit die ständigen Vergleiche mit den Schlachthausbetreibern gefallen lassen. Und das, obwohl sich Terry Hoax schon immer durch eine deutliche Portion mehr Rock und Arschtritt auszeichnete und unterschied. Vom kommerziellen Erfolg her war man zwar immer mehr der Ralle, als der Michael Schuhmacher, doch musikalisch hatte diese Combo meistens Interessanteres zu bieten als die Gebrüder Wingenfelder und Co. Und schließlich hat der Ralf ja auch die hübschere Else abgekriegt!

Ob die Reunion damit zusammenhängt, dass die Furys Ende 2008 den Markt für Musik „Made in Hannover“ wieder frei gemacht haben, kann ich nicht sagen und das ist mir auch scheißegal, denn in erster Linie will ich wissen, was mich auf diesem Album erwartet, also ab dafür! Der Titeltrack kommt schnell auf den Punkt und präsentiert sich im typischen „Terry Hoax-Leibchen“. Ohne die Synthesizer-Sprenkel hätte dieser Song auch eine Platte wie „Splinterproof“ zieren können.

Ist dies nun eine Cd ohne Experimente, auf Nummer sicher, mit Mund- und Eierschutz, eine Punktlandung mit Fallschirm? „Nicht immer“ würde ich sagen, doch über weite Strecken schon. Die Band rockt und groovt auf Songs wie „Some Kind Of Paradise“, „Don´t Talk It Over“ oder „Shake Your Head“ gewohnt lässig und wird mit diesen Nummern sicherlich keine Fans der ersten Stunde verschrecken (deutliches Aufatmen im Fanblock).

Bei anderen Kompositionen wird der Stilistik- Fächer ein bisschen weiter aufgespannt. „Good To Be Bad“ könnte z.B. auch von Truck Stop stammen. Ein Schunkel-Country Song, der zwar herrlich eingängig ist, aber irgendwie auch schon ein bisschen weh tut. Ein positives Gegenstück dazu ist „Aubrey“. Hier darf Oliver Perau beweisen, dass er ein verdammt gefühlvoller und großartiger Sänger ist. Der Song windet sich einmal komplett durch die westliche Harmonielehre und braucht deswegen ein paar Hördurchläufe mehr. Ein bisschen Bowie blitzt hier und da auch noch durch, grandioser Song – leider das einzige richtige Wagnis auf diesem Album. Wer etwas mehr Gas mag, sollte sich „Where Does All This Anger Come From?“ reinziehen. Straighter, knackiger und richtig guter Track.

Terry Hoax bereichern Hannovers Musikszene, das ist nicht die Frage. Und in Zeiten, in denen 96 sowieso immer nur im unteren Mittelfeld der Tabelle rumkickt, empfiehlt sich den Blick mal wieder auf das kulturelle Treiben der Stadt zu richten ja sowieso.

Fazit: Etwas mehr Mut wäre insgesamt wünschenswert gewesen. Doch auf jeden Fall hören wir auf „Band Of The Day“ die geglückte Reanimation einer coolen Band.


Jan Hagerodt
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.terryhoax.de

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Terry Hoax - Serious (2012)
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