Gehört und Gesehen - The Resistance

24.09.2009Muse

Muse

The Resistance

Warner Music (2009, CD)

Die drei Jungs von Muse haben eine lange und beschwerliche Reise hinter sich gebracht. In den ersten Jahren nach ihrer Gründung Mitte der Neunziger oft als „nervige, nölende und überflüssige Band“ belächelt, scheinen die Engländer mit diesem Album auf dem Olymp der Rockmusik angekommen zu sein. Den Erfolg hat sich das Trio hart erarbeitet, ist seinem Stil stets treu geblieben und hat irgendwie das Kunststück vollbracht, sich trotzdem von Album zu Album weiter zu entwickeln und immer noch eine Schippe drauf zu legen. „The Resistance“ stieg in Großbritannien, Deutschland und der Schweiz auf Platz 1 der Charts ein und übertraf damit alle Erwartungen. Dass kommerzieller Erfolg nicht unbedingt mit musikalischer Qualität zusammenhängen muss, weiß man jedoch besonders in Deutschland – man denke nur an Klingelton-Frösche oder die armen Sieger diverser Talentshows, die uns schon des Öfteren einen so genannten „Sommerhit“ bescherten. Wenn Ohren kotzen könnten…

“Uprising“ eröffnet diese Cd so, wie man es von Muse erwartet. Tolle Harmonien, Beats und Sounds, es groovt und wackelt an allen Ecken und Enden und vollkommen uhrzeitunabhängig verspürt man das Bedürfnis sich zu bewegen. Darüber der lang gezogene, pathetische Gesang von Matthew Bellamy, der wie so oft in seinen Texten eine imaginäre Staatsmacht anklagt und ihr den textlichen Mittelfinger präsentiert: „They will not force us. They will stop degrading us. They can not control us. We will be victorious.” Eine Warnung vorweg: Die Stimme des Briten muss man schon mögen, denn gerade unanstrengend ist sie nicht. Mit der emotionalen Ausdruckskraft eines Thom Yorke und dem Pathos eines Hardrockers ausgestattet, kann der Herr schon mal nerven.

Dieses Album ist typisch Muse und trotzdem eine Weiterentwicklung in die richtige Richtung. Man kann die Art der Veränderung vielleicht mit der von Bands wie Coldplay vergleichen. Die klingen auch auf jeder Platte eine Spur anders und trotzdem erkennt man spätestens nach fünf Sekunden, dass es sich eben um diese Band handelt. Genauso ist es auch bei Muse. Bellamy´s Stimme und Gesangslinien haben natürlich den größten Anteil am typischen „Muse-Sound“. Die Songs sind meistens pompös arrangiert und produziert, insgesamt ein bisschen elektronischer und weniger gitarrenlastig als das Vorgängeralbum. Wenn sich Queen heutzutage gründeten, dann würden sie wahrscheinlich so klingen wie unser englisches Trio hier. Der Titeltrack allein ist eine gigantische Vorstellung und für mich jetzt schon der Song des Jahres. Aufwühlend, tanzbar, cool, pathetisch und dennoch nicht platt, vollgeproppt mit geilen Ideen und doch eingängig. Als Hund würde ich mit dem Schwanzwedeln gar nicht mehr aufhören! Da kann man wirklich schon von Hörgenuss sprechen - Nutella für die Ohren.

Dass Muse auch weniger aufgeblasene Songs schreiben können, beweisen sie mit „Undisclosed Desires“ oder auch „Guiding Light“. Auf „United States Of Eurasia“ darf man sich dann dagegen wieder kräftig austoben. Fast schon eine Symphonie, die die Herren da aufführen, inklusive typischer Freddie Mercury Chöre (anscheinend mögen die Jungs den Vergleich mit Queen).

Den Abschluss dieses beeindruckenden Werkes, wer hätte das geahnt - bilden dann tatsächlich drei Symphonien mit dem Titel „Exogenesis“ und spätestens jetzt wird klar, was Herr Bellamy mal macht wenn er alt und grau ist. Er zieht nach Österreich, setzt sich so ne olle weiße Perücke auf und beerbt die großen Schöpfer der Klassik. Unglaublicher Abschluss eines unglaublichen Albums.

Fazit: Wer das nicht kauft hat sie nicht alle. Ein Blick durch ein modernes Ideen-Kaleidoskop. An Großartigkeit kaum zu überbieten.


Jan Hagerodt
(10 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.muse.mu

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