Gehört und Gesehen - The Incident

24.09.2009Porcupine Tree

Porcupine Tree

The Incident

Roadrunner Records (2009, CD)

Über Porcupine Tree - insbesondere Bandkopf Steven Wilson - noch etwas Neues zu sagen, erweist sich mittlerweile als richtig schwieriges Unterfangen. Dass dieser Mann einer der begabtesten und produktivsten Songschreiber unserer Zeit ist kann man getrost unterschreiben. Dass Porcupine Tree eine perfekt harmonierende „musikalische Ehe“ vollführen und Meister im Erzeugen von düster-melancholischen Stimmungen sind ebenfalls. Doch was kann nach dieser Vielzahl von richtungsweisenden Auskoppelungen der letzten Jahre von dieser Band noch kommen?

Unter dem Titel „The Incident“ begeben sich die Herren auf den steinigen Weg eingeschworene Fans nicht zu verschrecken und darüber hinaus viele neue Menschen mit ihrer Musik zu begeistern. Doch wie macht man so was? Wahrscheinlich am Besten indem man überhaupt nicht darüber nachdenkt, sondern einfach tut was man am Besten kann. Und genau so wirkt „The Incident“ auf mich.

Auf der ersten Cd finden wir einen 55-minütigen Konzeptsong, der in mehrere Abschnitte unterteilt ist, auf Cd Nummer zwei gibt es vier weitere Songs, die offensichtlich nicht so recht in das Konzept von Cd eins gepasst haben. Thematisch und musikalisch geschickt arrangiert und zusammengeführt, kann man „The Incident“ getrost in einem Rutsch durchhören. Diese Vorgehensweise empfiehlt sich sogar, denn sonst läuft man Gefahr etwas von der unglaublichen Vielfalt dieses Albums zu verpassen. Wenn man jedoch nicht in der passenden Stimmung ist, dümpeln einige Songs ein bisschen vor sich hin. Das hier ist also definitiv nichts für die Pinkelpause.

Wunderschöne Pianopassagen („Kneel And Disconnect“) treffen im darauf folgenden „Drawing The Line“ auf einen straighten Refrain, um sich direkt danach zurück in den Melancholie Tümpel fallen zu lassen. Einer der besten Songs dieses Silberlings. Die Combo überzeugt wieder einmal als Geburtshelfer von großartigen Sounds, allen voran Keyboarder Richard Barbieri. Insgesamt klingen die Songs eher nach der „In Absentia“ oder „Lightbulb Sun“ Zeit, als nach den letzten beiden Platten der Kapelle. Fans kniffeliger Taktverschiebungen kommen bei „Octane Twisted“ oder „Circle Of Manias“ genauso auf ihre Kosten, wie die Freunde der etwas leiseren Töne („I Drive The Hearse“). „Time Flies“ philosophiert über die Schnelllebigkeit des Lebens in „Trains-Manier“ und bildet mit fast zwölf Minuten den Kern des Albums. Unglaublich wie viele tolle Elemente alleine dieser Track besitzt.

Wie die meisten Porcupine Tree Alben braucht auch dieses so einige Hördurchläufe, bis es zu wirken beginnt. Quasi „Steter Tropfen höhlt den Stein“ und nicht die „Holzhammer-Methode“ um ein Beispiel aus dem Sprichwort Stall zu nennen. Wer sich nicht mit dieser Cd intensiv befasst, wird vermutlich über die Anerkennung der musikalischen Leistung nicht hinaus kommen. Wer jedoch Zeit investiert, der bekommt den Einsatz durch das Erleben einer musikalischen Großleistung doppelt und dreifach zurück. Die konsequente Fortführung einer Band, die viel zu sagen hat.

Fazit: Die hohen Erwartungen voll erfüllt. Wer diese Band noch nicht kennt, verpasst was.


Jan Hagerodt
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.porcupinetree.com
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