Gehört und Gesehen - When The Blues Come Over Me...Vol.Two

24.09.2009It´s M.E.

It´s M.E.

When The Blues Come Over Me...Vol.Two

Graswege Records (2009, CD)

Auf das seit 1991 aktive, fleißige und auch erfolgreiche “Eine-Frau-Ein-Mann-Unternehmen” It´s M.E. ist Verlass. So ziemlich jedes Jahr bringen Martina Maschke und Ecki Hüdepohl eine neue CD heraus. Das Ergebnis sind zum Teil musikalisch sehr unterschiedliche Tonträger, mal fallen die Alben künstlerisch sehr anspruchsvoll und tiefgründig aus, mal liefern It´s M.E. von der Struktur eher einfach gestrickte, runde und eingängige Songs mit hohem Unterhaltungspotenzial ab, stilistisch zwischen klassischem Blues, Soul, Jazz, Boogie, Rock´n´Roll und Singer/Songwriter. It´s M.E. sind zudem flexibel, die jährlich rund 120 Konzerte finden zu verschiedenen Anlässen in unterschiedlicher Größenordnung statt, deshalb treten It´s M.E. mal als Duo, dann als Trio oder aber in (plugged-) Bandbesetzung auf.

Seit Anfang dieses Jahres ist Schlagzeuger Werner Löhr dabei. Mit ihm realisiert man wieder dreistimmigen Satzgesang, wie er des Öfteren auf der neuesten CD „When The Blues Come Over Me…Vol.Two“ zu hören ist und was dem Bandsound auch gut zu Gesicht steht.

Wem das Genre „Blues“ nun auf den ersten Blick zu stereotyp erscheint, wer an einen alten Knochen denkt, an dem Generationen von Musikern genagt haben und an dem inzwischen auch der letzte Fetzen Fleisch abgelutscht scheint, der sollte bei dieser Platte nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, sondern mal ein paar Stücke hören. Ein reinrassiges Blues-Album ist diese CD nämlich nicht. Es steht außer Frage: mit diesem Album betreiben It´s M.E. zwar Traditionspflege im besten Sinn, agieren aber gleichzeitig abwechslungsreich, vielseitig und verlieren nicht den Blick auf kleine und feine Details. Auf einigen der 14 Eigenkompositionen ( „Hole In One´s Heart“ ist in zwei unterschiedlichen Versionen vertreten) sind Gitarrist Marc Hothan (Slow Horses u.a.) sowie Saxofonist Stehan Abel (Roger Cicero u.a.) als Gastmusiker dabei, die der Produktion dann auch zahlreiche zusätzliche Farbtupfer geben.

Ingesamt beackert die Band ein recht großes Feld, wohl mit der Absicht, ein möglichst breit gefächertes Publikum anzusprechen, das unterschiedliche Publikum, das It´s M.E. im Rahmen ihrer größeren und kleineren Live-Shows und –Auftritte unterhält. Dazu gehören sicher die Menschen, die gern zum Frühschoppen bei Bier und Bratwurst in der Gartenwirtschaft gradlinige und flotte Songs wie den Album-Opener „Meanest Man In Town“ oder auch „One Good Reason“ als nette und die Laune zusätzlich anhebende Begleiter mit wippendem Fuß nebenbei mitnehmen wollen, dazu zählt aber auch aufmerksames Konzertpublikum, das in stilvollen Etablissements zu vorgerückter Stunde Soulballaden wie „Mother Earth Keeps On Turning“ genießen oder in das tiefgründige, atmosphärische „Til The Sun Goes Down“ hinabtauchen möchten.

Fans von Bruce Springsteen und seiner E-Street-Band, die das 1978er-Album „Darkness On The Edge Of Town“ irgendwo auf dem Dachboden verlegt glauben oder nicht wissen, wo sie die mp3-File von „The Promised Land“ abgespeichert haben, können an „Hole In One´s Heart“ Freude haben, wer straighten Soul/Boogie/Rock´n´Roll mit knackigem Gitarrensolo bevorzugt, bekommt mit „Every Little Thing For Love“ seinen Stoff. Ja, und dann „Stories Like This“. Mögen wahrscheinlich die, die Rock´n´Roll im Musical-Gewand à la „Rocky Horror Picture-Show“ toll finden, gleichzeitig aber das „Permanent American-Touring“-Album „Running On Empty“ von Jackson Browne in seiner Grundstimmung lieben. Und wo wir gerade die Assoziationen abarbeiten: Bevor man in das schon genannte „Til The Sun Goes Down“ hinabtaucht, gibt es zum Einstieg ein Intro mit leichtem Steely-Dan-Flair.

Handwerklich und produktionstechnisch haben It´s M.E., alles wie gewohnt korrekt und ansprechend auf Tonträger gebracht. Dieses Album klingt organisch, ist gefällig, kratzt und beißt nicht. Sitzt und passt bei vielen Gelegenheiten. Es vermag über weite Strecken nicht in dem Maße zu berühren, wie schon andere It´s M.E.-Produktionen zuvor, dafür unterhält es umso mehr. Auf It´s M.E. ist zwar Verlass, aber berechenbar sind sie nicht.

Die CD ist auf Konzerten und im Online-Shop der Band erhältlich.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.itsme-music.de

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