Gehört und Gesehen - i am tourist

28.08.2009Odeville

Odeville

i am tourist

Merlin Sound Products (2009)

Sie wollen nicht mit Dredg, Tool oder den Deftones verglichen werden, die vier Herren von Odeville. Sie wollen auch nicht „Ottfill“ oder „Od-will“ gerufen werden. Sie wollen so genannt werden wie sie nun mal heißen: Odeville. Ist doch eigentlich auch nicht so schwer. Klingen wollen sie übrigens am liebsten nach Pink Floyd, zumindest was den Aufbau ihrer Songs angeht. Ganz schön anspruchsvoll für eine Kapelle, die eigentlich erst durch die Erfolge beim Local Heroes regional und –mit dem Bundessieg- auch überregional auf sich aufmerksam machen konnte.

Und in der Tat, was die Laufzeiten und Strukturen ihrer Songs angeht kann man einen gewissen Floyd Einfluss sicher nicht leugnen. Die „sechs-Minuten-Überschreitung“ gehört da fast zum Pflichtprogramm, der Song „Symmetry“ darf sogar die zehn Minuten Marke knacken. Das komplette Album kommt mit einer Spielzeit von über einer Stunde daher und das lässt mich schon mal das Hütchen lüften, haben sich doch aus irgendeinem Grund bei „normalen“ Veröffentlichungen Laufzeiten von 35-40 Minuten eingependelt. „i am tourist“ ist allerdings kein „normales“ Album und die Jungs von Odeville sind mit Sicherheit auch keine „Normalo-Band“, die sich einmal die Woche zum Selbst-Geil-Finden und kollektivem Bier trinken trifft und nebenbei noch ein bisschen Musik macht. Dass Musik hier noch eine Leidenschaft bedeutet, kann man aus jedem der elf Songs dieser Platte heraus hören.

Der Opener „amber“ nimmt einen sogleich mit auf eine ausgedehnte Reise durch die Welten des Alternative/ Progressive und Artrock der 70er Jahre bis heute. Die Hamburger verstehen es komplexe Songs zu schreiben, die zwar vielseitig und wandelbar sind, es einem aber trotzdem nicht schwer machen dran zu bleiben. Sänger Hauke trifft das richtige Feeling grundsätzlich auf den Punkt. Das eigentlich beeindruckende ist aber die Gabe eine instrumentale Atmosphäre zu schaffen. Und genau in diesem Punkt überraschen mich Odeville mehr als einmal derart positiv, das ich überprüfen muss, ob ich wirklich das Album einer so genannten „Nachwuchsband“ im Player habe und eben nicht das neue Porcupine Tree, Sigur Ros, Dredg oder sonst was für´n Album. Wer auch nur im Entferntesten was mit Musik zu tun hat, muss diese Band eigentlich lieben.

Einen Anspieltipp zu nennen fällt mir gleichzeitig unsagbar schwer, ist es doch die Gesamtstimmung des Albums, die es interessant und stimmig macht. Ein typischer A&R Manager würde wahrscheinlich den abgenudelten Satz bringen: „Ich höre keine Single“. „Macht auch nichts“, sag ich. Denn wer braucht schon eine Single, wenn das komplette Album geil ist?

Fazit: Kompliment an die Elbe! Darauf ein Astra oder zwei.

www.myspace.com/odeville


Jan Hagerodt
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