Gehört und Gesehen - Time To Tango

20.08.2009Kontrust

Kontrust

Time To Tango

Artist Station Records / EMI (2009)

Sechs Österreicher, weiblich und männlich besetzter Frontgesang, sowie ein extra Percussionist, das klingt nicht unbedingt nach einer typischen Bandbesetzung und lässt die Hoffnung auf ebenfalls innovative Musik sprießen. Auf den Grundfesten von rhythmischen Crossover Bratgitarren macht diese Kapelle teilweise wirklich was sie will. Man springt von Genre zu Genre und baut die unterschiedlichsten Elemente in die 13 Songs dieser Platte ein. Da wird weder vorm Hindu Kult noch vorm Metal Schrein Halt gemacht. Nach der Jäger und Sammler Methode geht es bei Kontrust anscheinend hauptsächlich darum den Sack möglichst voll zu kriegen.

Kreativ ist das ohne Frage eine absolute Glanzleistung, die Respekt verdient. Eine Sache, die leider außer Acht gelassen wurde ist der eigene Stil, der sich durch die vielen, unterschiedlichen Einflüsse so gut wie überhaupt nicht abzeichnen kann. Die Stimmen von Sängerin Agata und ihrem männlichen Gegenpart Stefan sind zwar kraftvoll und rein technisch der Hammer, doch leider schaffen es auch sie nicht dem musikalischen Patchworkhaus einen persönlichen Anstrich zu geben. Auch die perfekt dicke Produktion kann nur im ersten Moment über dieses Manko hinwegtäuschen.

Nichtsdestotrotz hat dieses Album viele gute und soundtechnisch ausgetüftelte Songperlen zu bieten. „Sin“ ist eine schöne Ballade, die ein bisschen an Schmachtfetzen von Annie Lennox erinnert, der Opener „Dancer In The Sun“ geht, garniert mit Samba Beats und ganz viel Guano Apes Einschlag deftig nach vorn.

Ohne Frage eine gute Band, die mit „Time To Tango“ ein wirklich detailverliebtes Album abliefert. Beim nächsten Mal sollte man vielleicht trotzdem mehr am Wiedererkennungswert arbeiten und nicht auf den Eintrag im Guinness Buch der Rekorde „Album mit den meisten Ideen“ schielen. Alle, die Bands wie Guano Apes, Die Happy oder Crossover im Allgemeinen mögen, sollten sich diese Cd aber zu Gemüte führen. Und live ist das Sextett mit Sicherheit eine interessante Erscheinung.

Fazit: Weniger ist manchmal mehr! Das gilt leider auch für österreichischen Crossover.

www.Kontrust.info


Jan Hagerodt
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