Gehört und Gesehen - Vom Rand der Gezeiten

14.08.2009wettermann

wettermann

Vom Rand der Gezeiten

Eigenproduktion (2009)

In der deutschen Musikszene gibt es immer mal wieder positive Überraschungen. Die Band wettermann ist so eine Überraschung, eine faustdicke sogar. Die vier aus Hannover, Leipzig, Berlin und Miami stammenden Musiker haben mit „Vom Rand der Gezeiten“ ein Album aufgenommen, das sich für deren Besitzer als wahres Juwel entpuppen könnte und das nicht nur auf Grund der Tatsache, dass die Erstpressung lediglich 300 Exemplare umfasst.

Willkommen in der vollkommenen künstlerischen Unabhängigkeit, in der großen Kreativzone, dort, wo so ziemlich alles erlaubt ist was gefällt und unabhängig von Business-Einflüssen und „Marktdenken“ passiert. wettermann bestehen aus vier erfahrenen, äußerst versierten, kreativen Musikern, nicht Muckern, sondern –das soll hier betont werden- Künstlern mit Profil, die ihre Musik, ihre Arrangements mit sehr viel Feingefühl, originellen Ideen, ausgefuchsten Handmade-Klangbildern und Ästhetik auf Tonträger bannen.

„Musik mit deutschen Texten“ – ob man sich nun im Mainstream oder im Indie-Pop-Rock umhört, vieles klingt „eingenordet“, vorher-und absehbar, nicht so bei wettermann. Wenn auch diese Band die Musik nicht neu erfindet, wohl aber sehr individuelle Verbindungen aus Stilen wie poetischer Pop, Rock, Chanson, Soul, Rhythm´n´Blues und Sixties-Psychedelic gefärbtem Gitarren-Rock herstellt. „Melodramatischer Popsong“ gibt da eine ganz gute Umschreibung.

Aber ja, wie kann ich mir das denn nun vorstellen, das augenscheinlich so spannende Gemisch, das diese deutsche Band hier serviert? Da müssen (leider) in Beiträgen wie diesem Vergleiche her. Gut, dann mal los: Element Of Crime dürfte eine Band sein, die wettermann in Teilen beeinflusst haben könnte, manchmal sogar ziemlich entscheidend. Der locker-groovende Opener „Wettermann“ erinnert dagegen an eine fiktive Kollaboration von Wolf Maahn, Stefan Stoppok und den Rodgau Monotones. Die Strophe im letzten Song „Zug der Zeit“ hat so ein gewisses Peter-Fox-Flair, da spukt subtil der Refrain „Haus am See“ im Hinterkopf der im weiteren Verlauf erklingen könnte, was natürlich nicht der Fall ist. Mit etwas mehr Phantasie, könnten hier und da auch 20 Prozent Bernd Begemann & Die Befreiung auf der Zutatenlisten der Songwriter/Produzenten gestanden haben.

„Athen“ kommt mit wunderschön eingängigem Refrain und lateinamerikanischem Flair. Der Song hat einen guten Flow, Tanzfreudige könnten sowohl eine flotte Rumba oder einen gezügelten Cha-Cha-Cha auf´s Parkett legen. Bei „Berlin“ treffen sich Kaffeehaus-Jazz, Chanson und Psychedelic zum Plausch, „364 Tage“ hat dann wieder mehr das Sixties-Gitarren-Psychedelic Ambiente.

Oft scheiden sich bei Bands am Gesang die Geister, da muss der Hörer entscheiden, ob er das Timbre von Käptn´A.Rapp mag. Könnte nicht immer leicht fallen. In welchem Zusammenhang könnten wettermann live eine gute Figur machen? Gute Frage, nächste Spekulation: Fans von Hugo Race & The True Spirit dürften sich kaum von wettermann abwenden und natürlich ebenso wenig die von Element Of Crime.

„Musik ohne Verfallsdatum und Altersangabe“ heißt es in der Überschrift der Bandinfo. Treffend und auf den Punkt gebracht. „Ausdrucksstarke Musik, wirkliche Kunst ohne Druck und krampfhafte Anbiederung an so genannte Markgesetze und Trends“ mag man da abschließend hinzufügen. Eine Band und ein Album mit Format!

www.wettermann-singt.de
www.myspace.com/wettermann


Andreas Haug
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