Gehört und Gesehen - Protophonic

07.08.2009Target:Blank

Target:Blank

Protophonic

ASR / Soulfood (2009)

Ziemlich exakt ein Jahr nach ihrem Sieg beim Newcomercontest FFN New Sensation hat die Braunschweiger Band Target:Blank etwas aus ihrem dort gewonnenen „Pop-Stipendium“ gemacht: Ein Rockalbum. Und was für eines!

Das Quintett werkelte im hannoverschen Horus Studio mit Unterstützung von Benny Schäfer (u.a. Celtic Frost, Subway To Sally) an Songs und Sounds und verlieh in diesem Zuge dem ohnehin schon sehr reifen, ausgefeilten Material weitere feine Nuancen und strickte ein für die Band wie angegossen passendes Gewand, das auch auf dem internationalen Rock-Laufsteg gut aussehen dürfte.

Zu Beginn dieses Jahrzehnts war harter, fetter, voluminöser, zuweilen auch hymnischer Breitwand-Rock zwischen Alternative und (Nu)-Metal mit Ausflügen in Richtung Crossover extrem angesagt, beherrschte die Playlists von Rock-Radios und Rock-Diskotheken. Wären Target:Blank anno 2001 oder 2002 mit „Protophonic“ an den Start gegangen, sie wären womöglich als deutsche Sensation der Sparte „Modern Alternative-Rock/Metal“ gehypt worden.

Im August 2009 führen Rockmagzine Bands wie Alter Bridge oder Disturbed als mögliche Vorbilder für Target:Blank ins Feld und attestieren der Band, wie etwa die Kollegen vom Rock Hard, „durchaus kommerzielles Potenzial“. National bewege man sich bei den Braunschweigern „handwerklich und songwriterisch im Spitzenfeld der Liga“, heißt es im in der Medieninformation veröffentlichten Referenzauszug aus dem Magazinartikel weiter.

Das liest sich alles ganz hübsch und werbewirksam ist aber gleichermaßen unverbindlich und dehnbar wie ein Kaugummi im XXL-Format, kann aber dennoch so unterschrieben werden. Fazit: Offen!

Letztlich werden CD-Käufer und Publikum den Daumen hoch heben oder herunterstrecken, denn Target:Blank sind als deutsche Band ein zweischneidiges Schwert. Die Musiker sind alles andere als Newcomer oder gar grün hinter den Ohren, beeindrucken schon seit Jahren, wie schon beim Vorgänger Spieltrieb, Juroren von Bandwettbewerben und Musikfachleute, überzeugen durch große Professionalität und absolut amtliche Songs und Sounds. Das Debütalbum setzt da eigentlich noch einen drauf. Wer auf grandios produzierten, fetten US-(Stadion-)Rock steht, der hier und da mal zum Metal schielt und mit Synthies und Elektronik noch einige originelle Farbtupfer erhält, ist mit „Protophonic“ sehr gut bedient.

Anderseits wirken Band und Musik aber auch schon ein Stück weit anachronistisch, Rockmusik dieser Farbe und Aufmachung wurde schon vor vielen Jahren von vielen internationalen Bands über längere Zeit unters Volk gebracht. Kennt man alles schon, Überraschungen: Fehlanzeige. Man schwimmt im vertrauten, sicheren Fahrwasser, orientiert sich an Bewährtem und bedient den Hörer großzügig, üppig, stimmig und glanzvoll.

Vorausgesetzt, der Hörer ist von dieser Art Rockmusik nicht schon länger ermüdet oder schwört auf seit Jahren etablierte US-Bands. Und beides ist aktuell eher zu befürchten. Aber wie heißt es so schön: Alles kommt irgendwann einmal wieder. Der fleißigen und sympathischen Band wäre es zu gönnen, wenn sie dann ganz vorne mit dabei ist. Wenn ihr die Platten aus den Händen gerissen werden von Hunderten, die dann vielleicht auch wieder zu Konzerten deutscher Newcomer-Acts à la Target:Blank & Co. gehen und das Ganze auch gebührend feiern. Seit geraumer Zeit ist die Resonanz in dieser Hinsicht ja doch sehr, sehr zurückhaltend.

Wo der Hase auch letztlich hinläuft: Auf dieses Album können Target:Blank in jedem Fall stolz sein.

www.targetblankmusic.com


Andreas Haug
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