Gehört und Gesehen - Coral Dreams

18.07.2009Crises

Crises

Coral Dreams

7hard/ Astral Music (2009)

Eine Band die Einflüsse wie Dream Theater, Rush oder Metallica nennt, wird sicherlich besonders kritisch unter die Lupe genommen. Crises gibt es schon seit 1995 und hatte dadurch Gott sei Dank genügend Zeit sich vorzubereiten. Die erwartungsschwangere Haltung wird vom Opener für´s Erste weggepustet. Da könnte man tatsächlich meinen es läge die neue Dream Theater im Player. Die Stimmfarbe von Sänger Dominik Eckert sorgt allerdings für die nötige Differenzierung zu Vorbild James LaBrie. Hier wird weniger „gepresst“ und man siedelt sich vom Stimmumfang her deutlich tiefer an.

Gleich der erste Chorus von „Joan“ fordert meine volle Konzentration. Verdammt, was ist das für ein Takt, den die Jungs dort durch den Fleischwolf drehen? Doch noch während ich krampfig abzähle wird meine Aufmerksamkeit durch ein komplexes Rhythmusbreak, gefolgt von einem mehrstimmigen Gitarrenchor beansprucht. Fast alle zwölf Tracks sind in dieser Art und Weise komponiert, immer äußerst intelligent gemacht, mit sehr viel Idee und anscheinend auch den nötigen Eiern. Es gibt eigentlich nichts, was der Progrock/ Metal Fan auf diesem Album vermissen dürfte. „Horizon“ beginnt zum Beispiel mit einem Queensryche-typischen Gitarrenintro, um danach in einen epischen Chorus überzugehen. Ständig präsent sind ausgefeilte Rhythmus- und Tempowechsel (der arme Trommler, der das einspielen musste!), ab und zu wird die gitarrenlastige Songstruktur durch typische „Metal-Klischee-Keyboards“ etwas aufgefrischt. Bei jedem Chorus lässt sich die Faust in die Höhe strecken oder wahlweise die Luftgitarre imitieren. Manchmal wird es leider sowohl musikalisch, als auch textlich ein bisschen schwülstig, („When You Were Mine“) aber nun gut, dass darf man ja auch mal.

Crises verdienen Respekt für die musikalische und kompositorische Leistung auf diesem Album. Ein bis zwei Schamhaare sind in der musikalischen Suppe aber leider doch zu finden. Von einem eigenständigen Sound kann man leider nicht wirklich sprechen, dazu ist man zu dicht an den Vorbildern dran. Außerdem sind mir die Vocals eine Spur zu monoton. Da hätte mehr gezeigt werden dürfen. Eine positive Ausnahme bildet da zum Beispiel der Song „All Against Me“.

Mehr Mut zum Extremen, gepaart mit den herausragenden musikalischen Fähigkeiten könnte diese Kapelle in die progressive Metal Oberliga katapultieren.

P.S.: Ich glaube übrigens, es war ein 4 über 3 Takt? Ach, scheiß doch drauf…

Fazit: Mit Sicherheit besser als so manches Album von Dream Theater. Für Fans eine echte Empfehlung.

www.crises.de


Jan Hagerodt
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