Gehört und Gesehen - The Cosmos Rocks

18.09.2008Queen + Paul Rodgers

Queen + Paul Rodgers

The Cosmos Rocks

Parlophone / EMI Music (2008)

“This album is dedicated to Freddie Mercury.”

Mit diesem Satz enden die Special Thanks auf der ersten „Queen“ Studio Cd seit 13 Jahren. Pardon, „Queen + Paul Rodgers“ muss man ja jetzt politisch korrekt sagen. Ob dem exzentrischen Paradiesvogel Mercury dieses Album gefallen hätte, sei jetzt mal dahin gestellt. Die Lücke, die der Ausnahmesänger und Entertainer hinterlassen hat, ist in jedem Fall so groß wie ein schwarzes Loch im bereits erwähnten, rockenden Kosmos.

Das wissen auch die beiden übrig gebliebenen Bandmitglieder, Gitarrist Brian May und Trommler Roger Taylor, die bei jeder Gelegenheit betonen, dass es auch nie das Ziel gewesen sei, Freddie zu kompensieren, als man sich mit Paul Rodgers (bekannt aus Bands wie „Free“ oder „Bad Company“) zusammenfand, um die neue „Queen“ auf den Thron zu hieven. Aber genug des Pressetext-geplappers, hören wir mal rein in diesen lang erwarteten Silberling.

„Cosmos Rockin´“ eröffnet mit Gesangseffekten, die man schon mal bei „One Vision“ gehört hat, um dann in einem Rock´n Roll Feuerwerk inklusive Handclaps und coolen Gitarrenriffs zu explodieren. Das geht nach vorn und macht Spaß. Den Roots- Rock- Touch, den Rodgers mit seiner markanten Stimme dem Song verleiht, tut ihm gut, leider wird man genau diesen Touch im kompletten Album nur selten los. „Still´ burnin´“ oder auch „Voodoo“ klingen dadurch mehr nach frühen „Whitesnake“- oder „Deep Purple“- Bluesrock- Nummern und die aktuelle Single „C-lebrity“ schielt ein wenig in die „Led Zeppelin“ Ecke.

Die Gratwanderung zwischen Rockattitüde und Peinlichkeit können einige der Texte leider nicht wirklich bestehen. „Still burnin´, still turning, Rock´n roll will never die“ nimmt man den Jungs dann nun doch nicht mehr unbedingt ab. Das hätte man sich sparen können.

Trotzdem glänzt dieses Album mit einer Vielzahl von tollen Ideen, die einen in den meisten Fällen über die negativen Aspekte hinwegsehen lassen. So kann man die beiden - schon sehr schmalzig daher kommenden Balladen - „We believe“ oder auch die erste Single „Say it´s not true“ nicht wirklich scheiße finden, weil sie einfach gut gemacht sind. Spätestens beim Einsatz von Brian May´s grandioser Gitarre findet man sich selbst mit verträumtem Gesicht vor der eigenen Musikanlage sitzend oder auch wahlweise breitbeinig in Hard Rock Pose vor dem Flurspiegel wieder.

Auffallend positiv ist z.B. der vierten Track „Small“, eine wundervolle Akustik Perle mit grandiosen Harmonien und tollen Effekten. Das ist nicht „Queen“ wie man sie kennt, aber trotzdem großartig. „Through the night“ ist ein bombastischer, balladesker Song, der einen einfach mit sich mit schwemmt, Widerstand zwecklos. Da merkt man dann deutlich, dass hier wahrhaft gute Musiker zusammentreffen, die auch Spaß an dem haben was sie tun. Grandios!

Schön sind auch die vielen Anspielungen auf alte Queen Songs. So findet man im Mittelteil von „Still burning“ z.B. den Drumbeat von „We will rock you“ oder im Intro von „Surf´s up…School´s out!“ ein Sample à la „Flash Gordon“. Die Herren wissen wo sie herkommen und offensichtlich auch wo sie hin wollen. Rauf auf die Bühne, wo sie auch hingehören!

Fazit: Diese Platte polarisiert. Als Fan von erdiger, gut gemachter Rockmusik sollte man sie aber in jedem Fall haben.

www.queenonline.com



Jan Hagerodt
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