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24.07.2008Colour Haze

Colour Haze

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Elektrohasch Schallplatten (2008)

Musik kann bestimmten Genres zugeordnet werden, jedoch selten bestimmten Ländern. Dennoch macht der Hörer genau dies manchmal ganz automatisch. Countrymusik wird zum Beispiel in der Regel erstmal in Amerika verortet. Und es gibt noch andere Beispiele. Bei der Musik von Colour Haze tippt zunächst niemand darauf, dass diese Band aus Deutschland, genauer gesagt München kommt. Ein Zeichen dafür, dass diese Band auch international bestehen kann. Die Presseinfo bezeichnet Colour Haze als die „weltweite Sperrspitze des Heavy Psychedelic Rock“. In der Musik ist es relativ einfach eine Speerspitze zu werden. Eine Band braucht einfach eine ganz neue Kategorie für ihre Musik zu finden und schon ist sie die Speerspitze. Es ist nur eine Bezeichnung, die Aufmerksamkeit schafft. Doch die Verzauberung tritt ein, wenn die Musik gehört wird.

Das siebte Album der 1994 gegründeten Band ist ein Genuss für Stoner-Psychedelic-Rock-Ohren. Der Bass von Philipp Rasthofer ist der bestimmende Faktor. Die tiefen Klänge dominieren das Klangbild, erinnern an Kyuss und ihren Wüstensound-Bumms. Sänger und Gitarrist Stefan Koglek weiß seine Gitarre jedoch geschickt einzusetzen. Die Gitarre nimmt sich zurück, ist aber auch immer da, umschmeichelt den mächtigen Bass, sticht hier und da, als wäre sie das kleinere aber intelligentere Faultier gegenüber dem mächtigen Bass-Elefanten. Auch wenn ein Vergleich mit einem computeranimierten Kinderfilm nicht so ganz passen mag. Treffender wäre es, Figuren aus den Schlachtgeschichten von Tausend und eine Nacht anzuführen, die dem Rezensenten aber leider nicht so vertraut sind.

Schlagzeuger Manfred Merwald folgt seinen beiden Mitstreitern, keinen Anspruch auf Führung erhebend, aber dennoch mächtig und bedrohlich. Ungewöhnlich: Die Stimme. Stefan singt relativ hoch, was zunächst irritiert. Aber am Ende passt es dann doch. Die Stimme ist mehr Instrument als textliches Statement und spielt auch die kleinste Rolle in dem Universum von Colour Haze. Faszinierend ist der vertrackte Aufbau der Kompositionen, die dennoch eingängig sind. Wenn der Hörer sich auf dem Ritt der Gitarrenmelodien verirrt, holt der Bass ihn sicher wieder zurück. Die zehn Songs haben Druck, werden aber niemals schnell, verharren gerne mal in düsteren Klanglandschaften. Damit erinnern sie zuweilen sogar an eine Band, die gar keinen Bassisten hatte und dennoch bedrohlich und düster klang, die Doors.

Vielleicht sind Colour Haze eine Speerspitze. Doch am Ende spielt es keine Rolle mehr. Denn die Musik steht für sich. Für Stoner-Psychedelic-Freaks ein Muss, für alle anderen eine Empfehlung!

http://www.colourhaze.de


Tobias Lehmann
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