Gehört und Gesehen - Chasing The Light

18.10.2007Jimmy Eat World

Jimmy Eat World

Chasing The Light

Interscope / Universal (2007)

Die Emo-Pop-Rock-Giganten Jimmy Eat World melden sich drei Jahre nach der Veröffentlichung von „Futures“ mit einem neuen Album zurück. Die weltweit zahlreichen Fans der Band werden sehnsüchtig darauf gewartet haben. Auf packende Melodien, die sich zuweilen zu Hymnen aufschwingen und auf muntere, rockige Gitarrenriffs. Oder auch auf Feuerzeugballaden. All das, soviel sei vorweggenommen, legt die Band -edel angerichtet- auf die große Servierplatte.

Gleich zu Beginn geht es mit dem rockigen Emo-Pop-Kracher „Big Casino“ kräftig zur Sache. Der Song elektrisiert, packt zu, verführt ergreifend. Der Refrain setzt sich sofort im Ohr fest. Volle Punktzahl gleich zum Start.

In der Folge agiert die Band mit feinem Songwriting, glänzt mit fein produzierten Tracks, die bei Bedarf mit rockigem Instrumentarium kräftig gewürzt und angedickt werden, dann wieder – in den balladesken Nummern- mit Zuckerguss überzogen werden. Restspuren von Indie-Sound harmonieren perfekt mit dem hohen Studio-Industrie-Standard der Produktion. Den Fan wie auch der durchschnittlich interessierte Hörer erlebt auf „Chasing The Light“ keine unvorhersehbare Überraschungen, alles bleibt im guten Pop-Rahmen, teilweise hart an der Grenze zur Beliebigkeit, manchmal darüber hinaus, aber immer in der Spur. Musik zum Träumen und sich Fallen lassen und wer fällt, fällt weich, garantiert. Ob ins Himmelbett oder in duftendes Sommergras.

Der Titel des Albums ist Programm: Die Jagd nach dem Licht erfolgt im modernen, spritzigen frisch gewaschenen Mittelklassewagen mit großer Panorama-Front/Dachscheibe. Freie Fahrt auf der gut ausgebauten Straße die an Luftschlössern vorbeiführt, deren vergoldete Türme im gleißenden Sonnenlicht weit sichtbar aufblitzen. Der freundliche, braungebrannte Fahrer mit einem entwaffnenden Zahnpasta-Lächeln schaut tief in die Augen seiner Angebeteten auf dem Beifahrersitz, die ihrerseits schüchterne Blicke zurückwirft. Subtile Romantik hier und jetzt und Jim Adkins und seine Mannen liefern den perfekten Soundtrack zu dieser Reise. Musik für Nichtraucher (also mindestens in einigen Bundesländern zeitgemäß) und auch das Sixpack bei den Freunden im Fond bleibt heute unberührt. Stattdessen gibt ein frisches Pfefferminzbonbon – mit oder ohne Zucker spielt keine Rolle- den Kick der Stunde.

Die Reise geht weiter, unfallfrei, schmerzfrei immer der Sonne entgegen, denn Dunkelheit hat die Welt für viele sicher genug. Jimmy Eat World musizieren weiter frisch, flott oder balladesk und schmeicheln dem melodieverliebten Gehör. Gut gelaunt die neue Sonnenbrille aus dem Handschuhfach gefingert und den Volumenregler ein wenig lauter gedreht. Nur ein wenig, nicht zu viel, denn das hier ist schließlich kein Rock´n Roll…

www.jimmy-eat-world.de


Andreas Haug
()

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Jimmy Eat World - Surviving (2019)
Jimmy Eat World - Integrity Blues (2016)
Jimmy Eat World - Integrity Blues (2016)
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite