Gehört und Gesehen - Militant Mother

15.02.2007Nikki Puppet

Nikki Puppet

Militant Mother

Armageddon / Soulfood (2007)

Schon mit ihrem Debütalbum “Puppet On A String” ließ die Heavy-Rock-Band Nikki Puppet rasch den Status „talentierte Hannover-Band mit Potenzial zu mehr“ hinter sich. Obwohl die Gruppe um Sängerin Nicky, Gitarrist Christos, Bassistin Anke und Drummer Florentin, auch immer mal gern in ihrer Heimatstadt auftritt, hat sie sich doch längst in der professionellen Hard´n Heavy Szene einen guten Ruf erspielt der weit über die Grenzen Hannovers und Niedersachsens hinaus geht. Eine ausgedehnte Europa-Tour mit der Michael Schenker Group wurde im Frühjahr 2006 absolviert, auf dem Wacken Open Air war man zu Gast, verfügt mit Herman Frank über einen seit vielen Jahren international renommierten Produzenten und auch das geschäftliche Umfeld, sprich Plattenfirma, Vertrieb, Promotionagentur, ist professionell aufgestellt.

Mit ihrer neuen CD „Militant Mother“ präsentieren sich Nikki Puppet als eine Band die auch weiterhin scheinbar mühelos im „Konzert der Großen“ mitspielen kann und auch möchte. Das im Hannoveraner Arena 20 Studio abermals von Hermann Frank, u.a. bekannt von Bands wie Victory oder Accept, produzierte Album setzt ganz und gar auf die Karte deftiger Gitarrenrock. Hier wird nicht gekleckert sondern ganz schön dick aufgetragen- soundtechnisch. Ein wirklich sehr fettes Gebräu aus Bass, Gitarre (n) und Schlagzeug rollt wie eine Lawine über den Hörer, das Album knallt von vorne bis hinten durch. Natürlich ist da auch noch der Gesang von Frontfrau Nicky und zeitweise mit viel Effekten versehene Chöre, aber was sich kompromisslos in die Gehörgänge hineinbohrt und sich dort auch fest verankert sind die betonharten Gitarrenwände.

Im Zusammenhang mit dem Billy-Joel-Cover „We Didn´t Start The Fire“ ist im Infotext von einer „Dampflock-Version“ die Rede, vielmehr ist es eine bis zum Anschlag aufgetankte Rock-Dampfwalze die fast über das gesamte Album alles platt zu machen scheint. Nuancen, dynamische Feinheiten findet man wenige, hier gibt es nur einen Schalter mit zwei Stellungen: „An“ oder „Aus“.

„Entweder du kriegst deinen Hintern hoch, Alter und kommst mit rocken oder bleib zu Hause und übe Blockflöte!“, könnte eine Botschaft der Platte sein.

Wer es dick und bodenständig mag, ist bei „Militant Mother“ gut aufgehoben, wer Rock gern auch mal etwas ausgeklügelter bevorzugt, mag die Platte mit fortschreitender Spieldauer durchaus als tendenziell schlicht empfinden. Man kann im Songwriting und in der Ausarbeitung doch über weite Strecken Esprit und Originalität vermissen und irgendwann mag einen die zwar druckvolle, klanglich aber sehr komprimiert gehaltene, wenig luftige Produktion ziemlich anstrengen. Man muss schon ein ausgesprochener Fan von Achtziger basiertem Metal und traditionellem Heavy-Rock sein um sich wirklich für die Platte zu erwärmen.

Dass aber nicht alles nur gröbere und einheitliche Rock-Hausmannskost ist, was hier geboten wird, kann man an dem charmanten „Paltry“ erkennen, das allerdings erst als vorletztes Stück gereicht wird. Hier spielt die Gitarre sehr würzige und wohltuende Single-Note-Licks, das Schlagzeug kredenzt einen frischen Dancefloor-kompatiblen Beat. Ein Song, der richtig Spaß macht. „Blur goes Metal“ war der erste Gedanken des Rezensenten, der „Militant Mother“ unterm Strich okay, aber nicht berauschend toll findet.

www.nikkipuppet.de
www.armageddonmusic.de


Andreas Haug
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