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In den letzten Jahren erfreut sich die Post Hardcoreband Touché Amoré einer stetig wachsenden Fangemeinde und ist aktuell in Deutschland unterwegs. Rockszene.de führte zu diesem Anlass ein Interview mit Sänger Jeremy Bolm.

"Es ist nicht so, dass alles zu 100 % besser ist"

Touché Amoré-Frontmann Jeremy Bolm im Interview

12.05.2014, Von: Hanna Rühaak, Foto: Promo/Pressefreigabe

Der Post Hardcore befindet sich zurzeit auf dem Zenit – wohl kein anderes Genre bekommt in der Punkrock- und Hardcorewelt größere Aufmerksamkeit. Als einer der Anführer dieser Bewegung gelten Touché Amoré aus Los Angeles, die mit „Is Survived By“ vergangenes Jahr ihr drittes Album veröffentlichten, das wohl endgültig den Durchbruch brachte und sowohl von den Fans als auch von der Presse hochgelobt wurde. Am kommenden Donnerstag sind Touché Amoré im Rahmen ihrer Tour zusammen mit Birds In Row und No Omega im MusikZentrum in Hannover zu Gast. Im Vorfeld hatten wir einige Fragen an Frontmann Jeremy Bolm.

Rockszene.de: Eure Alben – vor allem euer aktuelles Release „Is Survived By“ – bekommt viel positives Feedback und Touché Amoré wird oft als „Speerspitze des Post Hardcore“ bezeichnet. Fällt es da schwer, nicht ein wenig abzuheben?

Jeremy Bolm: Es ist wichtig, sein Bestes zu tun, um sich davon nicht zu sehr beeinflussen zu lassen. Natürlich ist es nett, so etwas zu hören und positives Feedback ist besser als Negatives, aber wenn du dich zu sehr darauf konzentrierst, übst du nur großen Druck auf dich selbst aus. Und das ist bekanntlich für keinen gut. Man wird mit anderen Bands oder vergleichbaren Bewegungen verglichen, aber in Wirklichkeit ist es nur ein aktueller Hype. Wenn du dich davon zu sehr beeinflussen lässt, wirst du darunter zusammenbrechen.

Heutzutage gibt es sehr viele alte und auch neue Post Hardcorebands. Was macht Touché Amoré deiner Meinung nach so besonders, dass ihr als Speerspitze eines ganzen Genre gesehen werdet?

Jeremy Bolm: Ich weiß nicht, ob wir so besonders sind oder einfach Glück haben. Wir haben Glück, dass wir vor vielen verschiedenen Publika spielen können, da unsere Musik nicht nur aggressiv, sondern auch melodisch ist. So können wir Touren mit Bands wie Converge, aber auch Rise Against spielen. Wir haben viele Genrekollegen, mit denen wir Seite an Seite gewachsen sind und die genauso die Speerspitze dieser Bewegung sind.

Die Texte auf eurem Vorgängeralbum „Parting The Sea Between Brightness And Me“ sind sehr düster; auf „Is Survived By“ wirkt es, als hättest du die dunkle Phase deines Lebens überwunden. Natürlich ist dir das mehr als nur zu wünschen, doch wie kam es dazu?

Jeremy Bolm: In meinem Leben gab es viele Veränderungen, während das Album entstand: Die Band lief gut, mein Liebesleben auch, generell wuchs ich. Es ist nicht so, dass alles zu 100 % besser ist, aber ich musste das Gesamtbild betrachten.

Im Opener „Just Exist“ des neuen Albums beschäftigst du dich mit der Frage, wie sich Leute an dich erinnern sollen, wenn du nicht mehr auf der Welt bist. Auf dem letzten Album singst du in „Pathfinder“, dass es für alle das Beste ist, dich zu vergessen, da es zu sehr schmerzt, Jemanden zu vermissen. Von deinem jetzigen Standpunkt aus gesehen: Wie sollen sich die Leute nach deinem Tod an dich erinnern?

Jeremy Bolm: In Pathfinder geht es darum, von Zuhause wegzusein und dem Kampf, damit klarzukommen, dass dich deine geliebten Menschen vermissen. In „Just Exist“ geht es um das Gesamtbild. Auf „Is Survided By“ geht es darum, dass du keine Kontrolle darüber hast, wie andere dich sehen, also solltest du das Beste dafür tun, einen positiven, bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Es kann sein, dass du dein ganzen Leben lang nett zu Jedem bist, aber wenn du stirbst, spuckt Jemand, den du nicht magst, auf dein Grab und erzählt herum, was für ein schlechter Mensch du warst. Du bist verdammt, wenn du es tust und du bist auch verdammt, wenn du es nicht tust.

Wenn du nicht auf der Bühne stehst, wirkst du eher schüchtern und introvertiert, aber wenn du auf der Bühne stehst, verwandelst du dich in eine andere Person und das Publikum flippt aus. Fühlst du dich auch wie eine andere Person, wenn du von Menschen umgeben bist, die eure Musik lieben und wohl auch so fühlen, wie du?

Jeremy Bolm: Da passiert etwas mit dir, wenn du vor einem Publikum performst, das dir so gegenübersteht, wie es unseres tut – das ist schwer zu beschreiben. Es reicht so etwas wie ein kurzer Blick in das Gesicht einer Person aus, wenn diese einen deiner Songs mitsingt, um dich in diesen Moment zurückzubringen, in dem du den Song geschrieben hast – und somit diesen Gedanken erneut entfacht. Das ist sehr befreiend.

Deine Texte sind immer sehr persönlich – können sich die anderen Bandmitglieder auch mit ihnen identifizieren oder stellen sie „nur“ den musikalischen Rahmen dafür?

Jeremy Bolm: Wir haben da noch nie drüber gesprochen (lacht).

Ihr spielt sehr viele Shows im Sommer. Worauf freust du dich am meisten, wenn du wieder Zuhause bist? Was sind eure Pläne?

Jeremy Bolm: Die Zeit Zuhause ist immer eine besondere Zeit. Jeder von uns hat Projekte, die uns während unserer Auszeit auf Trapp halten. Ich betreibe ein Musiklabel namens „Secret Voice“, mit dem ich sehr viel zu tun habe. Ich habe außerdem einige berufliche Projekte im Kopf, an denen ich arbeite. Aber am meisten freue ich mich darauf, meine Zeit mit meinen Lieben zu verbringen und genieße es, viel zu schlafen.

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