Bild

Vergangenes Jahr feierten Die Abstürzenden Brieftauben ihr Comeback. 16 Jahre war es still um die hannoveraner Punkband, doch nun ist sie - in etwas geänderter Besetzung - zurück. Rockszene.de sprach mit Gründungsmitglied Mirco "Micro" Bogumil im Int

„Punk lebt!“

Micro von Die Abstürzenden Brieftauben im Interview

21.02.2014, Von: Hanna Rühaak, Foto: Promo-/Pressefreigabe

Die Punkband Die Abstürzenden Brieftauben feierten vergangenes Jahr ihr Comeback, nachdem es 16 Jahre lang ruhig um sie war. Lediglich eine Show wurde 2002 im UJZ Glocksee im Rahmen des 30. Jahresfestes gespielt. Eine Reunion war damals allerdings ausgeschlossen. Vier Jahre später verstarb Gründungsmitglied Konrad Kittner plötzlich. Nachdem Mirco „Micro“ Bogumil einige Zeit in Bands wie „Bei Narbengesicht“ und den „Smelly Caps“ spielte, entschied er sich Mitte letzten Jahres dazu, zusammen mit Schlagzeuger Olli Die Abstürzenden Brieftauben noch einmal zum Leben zu erwecken. Teilweise bekommen sie dabei Unterstützung von Bassist Tim. Auch nach 16 Jahren haben die Hannoveraner eine große Fangemeinde und werden auf den Konzerten lautstark umjubelt. Rockszene.de hat mit Micro über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Band gesprochen.

Rockszene.de: Obwohl ihr 16 Jahre als Band von der Bildfläche verschwunden ward -abgesehen von einem Auftritt 2002 - scheint ihr immer noch eine große Fangemeinde zu haben, darunter auch jüngeres Publikum. War das mit der Grund, warum du letztes Jahr gesagt hast, dass du nochmal in diesem Rahmen zusammen mit Olli und Tim zurück auf die Bühne willst?

Micro: Tja, was soll ich dazu sagen? Es ist mir selber ein Rätsel, warum sich die Band so lange gehalten hat, ohne präsent zu sein. Anscheinend haben wir doch einen guten Eindruck hinterlassen und diesen auch noch über die "Altfans" - ich sag mal lieber Freunde - weitergeben können. Das war aber nicht der Grund, um die Tauben wieder ins Leben zu rufen. Eigentlich wollte ich bei Olli ein paar eigene neue Songs aufnehmen. Der ist nämlich in der Tat Produzent, für sich selbst und seine verschiedenen Projekte wie Band Ohne Anspruch, Okli Pokli, als Olli Bockmist oder auch Die Atzen und so einiges mehr. Irgendwann haben wir dann doch angefangen, Tauben-Songs zu spielen. Leider hat das jede Menge Spaß gemacht. Also kam Tim, ein guter Kumpel von Olli, mit seinem Bass dazu und los ging`s. Dass damit ältere und auch jüngere Menschen wieder die Möglichkeit haben, die Tauben live zu erleben, ist doch astrein. Tim spielt übrigens nur mit, wenn er Zeit und Lust hat. Das ist auch gut so, denn wir und alle anderen sollten Bock auf diese Band haben. Ist halt so ein kleiner anarchischer Ansatz von mir. Ob jetzt zu zweit oder zu dritt...wir sind die Abstürzenden Brieftauben!

Du und Konrad ward mit den Abstürzenden Brieftauben eine der ersten Punkbands, die es in die Bravo "geschafft" hat. Wie war das damals für euch? Als "Punker" doch eigentlich eher ein No Go, oder wie habt ihr und eure Fans das gesehen?

Micro: Also erstens waren die Sex Pistols die erste Punk-Band die es in die Bravo geschafft haben. Konrad und ich haben eher die Möglichkeiten gesehen, wie man durch ein Mainstream-Magazin Punk so vielen Jugendlichen wie möglich nahebringen kann. Die meisten hatten ja sonst kaum Zugang zu den in der Szene kursierenden Fanzines. Schließlich ist die Bravo auf uns zugekommen und wir nicht auf sie. Wir haben es also nie in die Bravo "geschafft". Wir haben sie für unsere Zwecke genutzt und anscheinend hat das ja auch nachhaltig etwas genutzt: Punk lebt!

Wie ist es für dich, ohne Konrad weiterzumachen?

Micro: Darf ich diese Frage unbeantwortet lassen? Nur soviel: Er ist immer dabei und bestimmt sehr stolz darauf, dass es wieder weitergeht.

In einem der ersten Interviews, das ihr nach eurer Reunion gegeben habt, hast du gesagt, dass es dich Überwindung gekostet hat, überhaupt wieder eine Gitarre in die Hand zu nehmen. Woran lag das?

Micro: Uuuh...eine lange Geschichte. Ich mach es kurz: Ich wähnte mich schon in den endlosen Weiten der schnöden und ereignisarmen Arbeitswelt ohne Musik gefangen, da nahm ich nach endlosen Jahren der Trostlosigkeit mal wieder die Gitarre zu Hand und musste feststellen: Ich kann das ja gar nicht wirklich! Stimmt bis heute, doch es ist mir egal, ich mach es einfach...so wie früher.

Ihr spielt zurzeit einige Shows, was sicher sehr anstrengend ist. Kam da schonmal der Moment, in dem ihr dachtet "Das war vielleicht doch keine so gute Idee!"?

Micro: Klar ist das anstrengend und ich frage mich vor jedem Gig „Warum mache ich das eigentlich?“ Nach dem Gig sage ich immer: „DARUM!“ und es war eine gute Idee!

Ende letzten Jahres standet ihr im Vorprogramm von ZSK auf der Béi Chéz Heinz-Bühne - was denkt ihr über die heutigen Punk-/Punkrockbands? Was ist in deinen Augen anders und was vielleicht ähnlich oder sogar gleich?

Micro: Schwierige Frage...also bei einigen, aber nicht bei allen jüngeren Punks, sehe ich, dass sich das damals schon aufkommende Straight Edge-Syndrom durchgesetzt hat. Kein Alkohol, kein Fleisch, veganes Essen und kein Sex. Ich finde es gut, dass sich die jungen Leute immer noch gegen alles wehren, was auf diesem verkorksten Planeten passiert. So wie wir damals. Klingt schon irgendwie bescheuert alt, oder? Ist aber so... Ich rauche, trinke, esse Fleisch, stehe auf Sex und finde Walfang, Atomkraft, Korruption, Gewalt, Intoleranz, Nazis, Terror und so weiter und so weiter immer noch scheiße. Ergo müssen wir alle weiter für eine andere Welt da sein und leben. Und laut sein!

Was steht bei euch in nächster Zeit auf dem Plan?

Micro: Arbeiten, Musik, demonstrieren, arbeiten, Musik, demonstrieren, aufräumen, saubermachen, arbeiten Volxmusiktour mit den Mimmi`s, Musik, demonstrieren, aufräumen, Party und noch viele Gigs im Mai....

Vielen Dank für das Interview!

INFO-BOX

Links
externer Link www.abstuerzendebrieftauben.de

Tools
Drucken Artikel drucken Versenden Artikel versenden An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

, Foto(s): Christie Goodwin

Punk, Mittelalterrock, Blues und Rockmusik

Heute neue CD-Besprechungen

23.09.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Christie Goodwin

 


, Foto(s): Ralf Hansen

Punkrock um Hannover 96

Neue Musik im Stadion, Festival am Sonntag

13.08.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Ralf Hansen

 


, Foto(s): Promo-/Pressefreigabe

Wieder voll in Fahrt

Abstürzende Brieftauben mit neuer Platte auf Tour

18.07.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Promo-/Pressefreigabe

 


, Foto(s): Isabelle Hannemann

Festreden und Feierei

Politiker und Punks zu "25 Jahre Kulturzentrum Faust"

16.04.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Isabelle Hannemann

 


, Foto(s): Hannover.de

„Heinz muss bleiben“

Hannoveraner-Szene kämpft um Erhalt des Béi Chéz Heinz

02.04.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Hannover.de

 




Zur Übersicht Zur Startseite