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Dass organisatorisch, künstlerisch und technisch die Abläufe auf der Bühne einer Konzertproduktion reibungslos funktionieren, wie hier bei einer Show von The Musical Box 2013 in Hannover, dafür zeichnet in der Regel ein Stage-Manager verantwortlich.

Koordinator auf Konzert-und Theaterbühnen

Der Stage-Manager als professioneller Beruf

30.01.2014, Von: Andreas Haug

Aus der Sicht des Publikums oder aus der Perspektive von Bands und Einzelkünstlern, ist bei Konzerten und Festivals der Stage-Manager oft derjenige, der Auf-und Umbaumaßnahmen koordiniert und die zeitlichen Abläufe der Show überwacht. Für Künstler und deren Crews ist er der Hauptansprechpartner an der Bühne. Den Stage-Manager lernt man nicht selten als lässig und wichtig wirkende Person kennen, die mit Funkgerät, Klemmbrett mit Zeitplan und sonstigen Utensilien an und auf der Bühne herumläuft und Anweisungen gibt, was zu tun und zu lassen ist. Im professionellen Berufsumfeld ist das aber nur ein Teil seiner Aufgaben.

Bei semiprofessionell aufgestellten Konzert-und Festivalveranstaltungen, insbesondere im Amateuerbereich, ist die Situation noch heute ähnlich wie bei Theateraufführungen vor einigen hundert Jahren: Einen richtigen Stage-Manager gibt es nicht, um die Abläufe kümmern sich die auftretenden Bands und Künstler selbst, manchmal mit Hilfestellung eines Technikers oder des Veranstalters, der in vielen Fällen das Organisieren von Veranstaltungen nebenbei, gelegentlich und nicht professionell betreibt.

Vom organisatorischen Chaos zum professionellen Konzert

Mit dieser Ausgangslage erschließt sich Bands und den Besuchern dieser Veranstaltungen im Ergebnis häufig ein unrund wirkendes, eher spontan gestaltetes Konzertereignis mit allerlei Improvisationen und nur im Ansatz strukturiert wirkenden Abläufen: Sowohl beim Entladen von Instrumenten und sonstigem Equipment, als auch beim Auf-respektive Umbau auf der Bühne herrscht das, was landläufig als „Chaos“ bezeichnet wird, Auftrittszeiten sind lediglich eine grobe Orientierung und werden nicht immer eingehalten.

Ist die Show einer Band bei einem Festival für 21.00 Uhr angekündigt, findet sich diese Band in der Praxis dann schon mal erst um 21.30 Uhr oder 22.00 Uhr oder noch später auf der Bühne wieder. Auf Nachfrage nach den Gründen , erhält man dann häufig die Antwort: „Es hat sich alles ein bisschen verzögert, die erste Band kam zu spät, die zweite hat zehn Minuten überzogen und der Aufbau und Soundcheck der dritten Band hat statt 20 Minuten mehr als eine halbe Stunde gedauert, außerdem hatte der Schlagzeuger seine Becken und Beckenständer vergessen, weil er die Info hatte, dass das Equipment von der Hauptband gestellt und von allen genutzt wird.“ Jeder, der Konzerte dieser Art spielt oder gespielt hat oder im Publikum stand, hat so etwas wohl mindestens einmal im Leben erfahren müssen.

Im ungünstigsten Fall kann es auch passieren, dass der Auftritt der letzten Band des Abends statt 90 Minuten nur 15 oder 20 Minuten andauert oder ganz ausfällt, weil etwa das Konzertende behördlich auf 23.00 Uhr festgelegt wurde, was unter anderem bei Open-Air-Veranstaltungen in Hannover die Regel ist. Kommt eine Show dann stark in Zeitverzug, stellen sich Probleme, Ärger und Verdruss auf allen Seiten ein oder man hat von vornherein eine sehr exklusive Einstellung zum Konzert: „Ist doch egal, man weiß doch, wie es ist. Das ist halt Rock´n´Roll!“, tönen wahlweise Bands oder Veranstalter mit leuchtenden, stark geröteten Augen und greifen rasch nach der nächsten Flasche mit geistigem Getränk aus dem Fundus des Backstage-Caterings.

Bei nicht wirklich seriös organisierten Veranstaltungen wie diesen kann man sicher sein, dass entweder kein Stage-Manager eingesetzt wurde oder zugegen war oder die mit der Aufgabe betraute Person nicht über die Erfahrung, die Qualifikation, das nötige Organisationstalent und entsprechendes Durchsetzungsvermögen verfügte, für eine reibungslose Durchführung der Veranstaltung rund um die Bühne die Verantwortung und Sorge zu tragen.

Der Stage-Manager als Schnittstelle und Koordinator

Nicht zuletzt um Szenarien wie diese von vornherein auszuschließen, möglichen Pannen mit Alternativ-Plänen vorzubeugen und die gesamte Veranstaltung für alle Beteiligten von den Künstlern, deren Crews über das örtliche Technikpersonal, den Veranstalter bis hin zu den zahlenden Besuchern so entspannt, angenehm und letztlich so erfolgreich wie möglich zu gestalten, wird für die Koordination und Kommunikation aller Abläufe um das Geschehen auf der Bühne und um die Bühne herum ein Stage-Manager eingesetzt, der eine wichtige Schnittstelle zwischen den auftretenden Acts und deren Team und der örtlichen Produktion, sprich dem Personal vor Ort, bildet.

Die Aufgaben des Stage-Managers bei Rock-und Pop-Konzerten, wie Festivals können je nach grundsätzlicher Organisationsstruktur, Personalstärke und Größe der Show variieren. Dabei kann es auch vorkommen, dass bei kleineren und mittelgroßen Konzerten der vom Veranstalter eingesetzte Produktionsleiter, heißt der Gesamtverantwortliche, gleichzeitig auch die Aufgaben eines Stage-Managers übernimmt, manchmal sogar noch als Moderator, die auftretenden Acts ankündigt.

Die Arbeit des Stage-Managers beginnt meist einige Tage oder Wochen vor der eigentlichen Veranstaltung. Zunächst werden Ablaufpläne für den Produktionstag und den Abend mit der Show erstellt. Hierbei muss der Stage-Manager die Vorstellungen und Wünsche des Veranstalters und die technischen wie organisatorischen Anforderungen der auftretenden Bands unter Berücksichtigung der räumlichen, technischen und finanziellen Möglichkeiten in Einklang bringen. Es werden Bühnenanweisungen und Technical-Rider gesichtet und bearbeitet, Zeitpläne erstellt und die vorgesehenen Abläufe im Vorfeld an die maßgeblichen an der Produktion Beteiligten kommuniziert. In der Vorbereitungsphase arbeitet der Stage-Manager, je nach Anforderung, auch eng mit dem vom Veranstalter eingesetzten Produktionsleiter, Technikern, einem Veranstaltungsmeister oder dem Tourneeleiter der Künstler zusammen.

Für den pünktlichen und exakten Ablauf verantwortlich

Am Konzerttag weist der Stage-Manager vor Ort die Künstler, deren Techniker und Helfer auf dem Konzertgelände ein, koordiniert das An-und Abfahren der Transportfahrzeuge an die Bühne, sowie das Be-und Entladen, weist für die Instrumente und die technische Ausrüstung der Musiker Stellflächen an und hinter der Bühne zu, bringt Bands, deren Team und das örtliche Technikpersonal zusammen und ist vom Aufbau, über den Soundcheck am Tag (alternativ Line-Check während der laufenden Veranstaltung am Abend), die Umbauten im Verlauf der Veranstaltungen, die pünktliche Durchführung der Auftritte selbst bis hin zum Abbau, für die exakte Umsetzung der geplanten Abläufe verantwortlich. Je nach Veranstaltungsgröße und Aufwand hat der Stage-Manager seinerseits Helfer und Assistenten oder es gibt ein ganzes Stage-Manager-Team.

Größere Bands mit eigenen aufwändigen Show-Produktionen reisen auf Tournee mit einem zeitweise großen Team, das neben Ton-und Lichttechnikern, Backlinern und sonstigen Helfern auch aus einem technischen Produktionsleiter und einem Stage-Manager besteht, respektive bestehen kann.

Technisches Know-How und Verständnis für künstlerische Belange

Stage-Manager kamen ab dem 18.Jahrhundert bei Theateraufführungen in England zum Einsatz. Zu dieser Zeit wurden erstmals Personen abseits des eigentlichen Ensembles beauftragt, sich um die Abläufe auf der Bühne zu kümmern.

Für die Position des Stage-Managers gibt es in einigen Ländern sogar eine richtige Ausbildung oder Stage-Manager rekrutieren sich als Quereinsteiger. In einem auf dem Portal stellenanzeigen.de veröffentlichten Blog-Artikel, der über das Berufsbild des Stage-Managers einen zusammenfassenden Überblick gibt, heißt es in diesem Zusammenhang: „Im besten Fall hat der Stage- Manager technisches Know-How und Verständnis für künstlerische Belange. In Europa gibt es -außer in England- nur in den Niederlanden eine regelrechte theoretische und praktische Stage-Management-Ausbildung. Viele Stage-Manager sind aber auch Quereinsteiger, zuvor waren sie Inspizienten oder Regieassistenten bei Oper, Ballett oder Schauspiel. Oder sie kommen aus dem Bereich Bühnentechnik, Licht oder Ton ins Stage-Management.“ Den vollständigen Blog-Artikel auf stellenanzeigen.de zum Thema Stage-Manager als professioneller Beruf, findet man über einen Link unter diesem Beitrag.

Weitreichende Aufgaben an Theater, Oper und bei Musicals

Auch Künstler selbst, wie Schauspieler oder Musiker, sind im Umfeld von Theater, Oper oder Musical grundsätzlich geeignete Kandidaten für eine Aufgabe im Stage-Management, nicht zuletzt deshalb, weil das Aufgabengebiet eines Stage-Managers in diesem Bereich vor allem auch künstlerisches Verständnis erfordert. Im Gegensatz zu einfachen Pop-oder Rockkonzert-Produktion ohne an Theater erinnernden Handlungscharakter mit nur einem Act, ist der Stage-Manager bei Theater, Oper-und Musicalproduktionen schon während der Proben und auch der gesamten Aufführung hinter den Kulissen tatkräftig involviert.

Anhand eines so genannten prompt-book, einem von ihm geführten detaillierten Skript über alle Aufführungselemente wie Bühnenbildwechsel, Lichtwechsel, die minutiös festgelegte Reihenfolge von Auftritten einzelner Schauspieler, Chöre und Musikeinlagen, steuert der Stage-Manager nicht nur Abläufe bei Auf-, Um-und Abbau, sondern vor allem auch die Einsätze und Wechsel während der Aufführung selbst.

„Ein gutes musikalisches Verständnis und das Lesen von Klavierauszügen ist ebenfalls unerlässlich, wenn man eine Show betreut“, heißt es in dem Blog auf stellenanzeigen.de zu den „Persönlichen Voraussetzungen“, die ein Stage-Manager neben „Nervenstärke auch in hektischen und unvorhersehbaren Situationen und der Bereitschaft, zu ungewöhnlichen Zeiten zu arbeiten“, mitbringen sollte.

Jobs über Kontakte und Stellenausschreibungen

Stage-Manager werden im Umfeld von Rockkonzert- und Festivalproduktionen des Öfteren kurz-oder mittelfristig projektgebunden oder für einzelne Veranstaltungen eingesetzt. In der Regel rechnet sich das Honorar auf Tagessatzbasis. Es kann sich dabei um externe, auf selbstständiger Basis arbeitende Personen handeln. Ebenfalls gängig ist es, dass die rein logistischen und zeitlichen Aufgaben des Stage-Managements im Zuge der reibungslosen Durchführung der Veranstaltung an sich (nicht der Show selbst und deren interne Abläufe) von Veranstaltungstechnikern oder auch Veranstaltungskaufleuten übernommen werden, die entweder für die Spielstätte oder die beauftragte Veranstaltungstechnikfirma arbeiten. Beides sind in Deutschland Ausbildungsberufe, die ebenfalls grundsätzlich die Möglichkeit eröffnen, in einem erweiterten Bereich der Veranstaltungsbranche zu arbeiten.

An Jobs kommt man, wie in vielen anderen Bereichen der Branche auch, am besten über ein gutes Netz an Kontakten, aber es gibt für Aufgaben im Bereich Stage-Management auch öffentliche Stellenausschreibungen.

Ein großer deutscher Reiseveranstalter, der auch eigene Kreuzfahrtschiffe mit Entertainment-Programm durch die Welt schickt, hatte über ein Job-Portal zum 1.Januar die Stelle eines „Junior Stage Directing Managers“ zu besetzen.

Die Anforderungen, Voraussetzungen und Aufgaben des Bewerbers in Auszügen: „Einstudierung/Spielleitung des Showrepertoires bis zur Premierenreife“, „Regieassistenz bei Neuproduktionen“, „Erstellung, Dokumentation und Pflege der Showbücher“, „Konstante Dokumentation und Archivierung der Showmitschnitte“, „Probendisposition“, „interne und externe Kommunikation zwischen den künstlerischen, organisatorischen und technischen Abteilungen“. „Abgeschlossenes Studium als Regisseur oder Schauspieler oder eine vergleichbare Erfahrung/Ausbildung im Theaterbetrieb“, „sehr gute organisatorische Fähigkeiten“, „Berufserfahrung als Regieassistent, Spielleiter, Regisseur oder Schauspieler in den Bereichen Musiktheater oder Schauspiel“, „sicherer Umgang mit allen MS-Office-Programmen“, „Belastbarkeit, auch in Stresssituationen freundliches, sicheres und verbindliches Auftreten sowie Durchsetzungsvermögen.“

Stage-Manager ist demnach nicht immer gleich Stage-Manager. Das klischeehaft beschriebene Bild vom hinter der Bühne mit Funkgerät, Klemmbrett, Sonnenbrille, Taschenlampe, Fruchtkaugummi kauend Anweisungen gebenden Stage-Managers ist da nur ein kleiner Schnappschuss aus der großen weiten Welt des Showbusiness.

Weitere Infos:
www.stellenanzeigen.de/blog/stage-manager-faeden-ziehen-hinter-den-kulissen

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