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Sölti und Sandro vom Béi Chéz Heinz erzählten uns, was hinter den Kulissen des Kellers passiert.

„Wir mögen es halt, uns ein bisschen zu battlen!“

Sölti und Sandro vom Béi Chéz Heinz im Interview

20.01.2014, Von: Hanna Rühaak

Das Béi Chéz Heinz ist neben seinen zahlreichen Partys auch für seine Konzerte bekannt und gehört wohl zu den beliebtesten Locations in Linden Nord in Hannover. Doch wer steckt eigentlich hinter dem Béi Chéz Heinz? Wer veranstaltet die Partys und Konzerte, wer sorgt dafür, dass genügend Getränke da sind und dass jeden Monat ein gutes Programm auf die Beine gestellt wird? Rockszene.de traf sich mit Christian "Sölti" Sölter und Sandro vom Béi Chéz Heinz, um einmal hinter die Kulissen des beliebten Kellers zu schauen.

Rockszene.de: Stellt euch zu Beginn doch bitte kurz vor und erzählt, wofür ihr im Béi Chéz Heinz zuständig seid.

Sölti: Mein Name ist Christian Sölter, ich bin erster Vorsitzender des Béi Chéz Heinz e.V. und bin für´s Booking zuständig. Ich bin grundsätzlich Programmchef, wie man pompös sagt, was aber nicht heißt, dass ich das gesamte Booking mache. Nur, dass sich das Booking unter meiner Verantwortung befindet. Des Weiteren mache ich die Dienstpläne und zusammen mit unserem Geschäftsführer die Personalplanung.

Sandro: Ich bin Sandro und habe hier an der Theke angefangen – was ich mittlerweile nicht mehr mache. Jetzt mache ich viel Konzertbooking, mache aber auch mal die Kasse, putze gerne und bin Veranstaltungsdienst. Das heißt, ich mache auch mal den Laden dicht nach einer Party und passe auf, dass alles gut läuft.

Seit wann arbeitet ihr hier?

Sölti: Fest angestellt bin ich hier seit 2001. Davor habe ich das als Teilzeitjob stundenweise gemacht. Tatsächlich arbeite ich für das Béi Chéz Heinz seit es hier in diesen Räumen ist und das ist seit 1996. Das sind mittlerweile 17,5 Jahre.

Sandro: Wow!

Sölti: Das ist krass lang.

Wo war das Heinz denn vorher?

Sölti: Ganz zu Anfang, 1991, war das Heinz in der Spichernstraße. Und dann flog der Laden da raus, da Death Metal-Festivals in der Nachbarschaft in der List nicht wirklich populär waren. Zwei Jahre hieß es dann „Heinz On Tour“, bis es dann hierher gezogen ist.

Sandro: Meine erste Schicht war, als Sölti mich ins kalte Wasser gestoßen hat.

Sölti: Hot Water Music!

Sandro: Ich hab für die Jungs gekocht und die Theke gemacht. Das war…

Sölti: Vor drei Jahren oder? Sommer 2011 glaube ich.

Sandro: Ja, sagen wir vor drei Jahren. Da war meine erste Schicht auch gleichzeitig die härteste, die ich glaube ich jemals hier hatte.

Weil es so voll war?

Sandro: Es war voll, meine erste Schicht, ich habe gekocht und die Theke gemacht. Das war ein ganzer Tag voller Action.

Und aufgeregt warst du wahrscheinlich auch noch wegen Hot Water Music.

Sandro: Klar, das war natürlich ein super aufregender Tag für mich. Das war in meinen drei Jahren hier einer der schönsten Tage – und gleichzeitig mein erster.

Und woher kennt ihr beiden euch? Ihr kanntet euch ja schon vorher oder?

Sölti: Sandro ist ja gelernter Veranstaltungskaufmann und hat vorher schon Pazzo Shows gemacht, Konzerte auf eigene Kappe. So ist er hier häufiger als Mieter aufgetreten, wir vermieten den Laden ja auch. Sandro hat den Laden öfter gemietet und ist eigentlich durch seine geschmacksichere Auswahl positiv aufgefallen.

Sandro: Genau. Und dann kam der Tag, an dem mich unser Kollege David darauf angesprochen hat, ob ich hier nicht im Heinz arbeiten möchte. Da haben wir uns mal getroffen, ein bisschen geschnackt und dann ging es los.

Das klingt gut! Wie sieht denn ein typischer Arbeitsalltag bei euch aus?

Sölti: Ich fahre den Rechner hoch und gucke mir an, was ich an Mails bekommen habe. Dann arbeite ich den Vorverkauf ab, da wir den Vorverkauf in Eigenregie machen und bewusst nicht an die großen Konzertticketverkäufer gehen. Das heißt Fleißarbeit am Morgen. Ich komme eigentlich nur zwei Tage fest ins Heinz, das sind der Dienstag und der Mittwoch. Dann muss ich mich hier ärgern, aufräumen rumpöbeln (lacht). Kisten schleppen, nachbereiten, vorbereiten, Dienstpläne erstellen, Veranstaltungen planen, Programme für die Presse machen und die Internetseite betreuen. Das wäre so ein typischer Tag. Außer wenn ich eine Veranstaltung mache, dann bin ich eben der Veranstalter und derjenige, der den Laden auf- und abschließt. Beziehungsweise – da ich ja etwas älter bin – gerne mal nach dem Konzert an den Kollegen weitergebe, der die Party hinterher betreut.

Sandro: So ähnlich sieht es bei mir eigentlich auch aus, bis auf die Programme und Dienstpläne erstellen. Meine liebste Aufgabe ist es natürlich, die Konzerte durchzuführen, das ist genau mein Ding. Dann komme ich etwa um 13.00 Uhr her, mache den Laden fit, drucke den Papierkram aus, begrüße die Bands, hab eine gute Zeit und sehe einfach zu, dass alles immer reibungslos abläuft. Ansonsten machen wir schon ähnliches Zeug, wie Kistenschleppen, Getränkelieferungen – also unser Workout hier im Heinz ist sehr anstrengend, viel Sport: Treppen hoch, Treppen runter. Unzählige Male mit was weiß ich wie vielen Kilo auf dem Bock…Das ist geil, das macht Spaß!

Ach das macht Spaß? Dann zählt das nicht zu Problemen oder Stress, der so aufkommt?

Sölti: Probleme sind, wenn zu wenig Geld in der Kasse ist (lacht). Sprich, dass die Veranstaltungen nicht laufen, technische Probleme, wenn was kaputt gegangen ist. Wie neulich: das Mischpult macht Zicken, ist in der Reparatur, aber für die Show heute Abend muss man noch ein Neues besorgen. Das sind halt die Probleme, die man hat. Man muss sagen, dass das Livegeschäft halt sehr schwierig geworden ist, was den Zuschauerzuspruch angeht. Das war in den letzten Monaten zum Glück wieder anders, aber war den Sommer über ein Problem. Wir hatten eigentlich kontinuierlich zu wenig Gäste. Das kommt aber vor, das ist halt das Geschäft. Da muss man halt gegensteuern und sich sozusagen neu erfinden.

Lag wahrscheinlich auch am Sommerloch.

Sölti: Ja, das war tatsächlich ein sehr drastisches Sommerloch letztes Jahr. Aber das ging allen Läden so. Und da wir uns ja komplett selber finanzieren schlägt das natürlich immer doppelt rein. Wenn du jetzt alle anderen Läden in Hannover siehst, die hängen halt in irgendeiner Form am öffentlichen Tropf. Da wir uns als Verein privat komplett finanzieren, also nur durch das was wir einnehmen, kommt so eine Durststrecke sofort an.

Steht das denn für euch nicht zur Debatte, Unterstützung von der Stadt zu beantragen?

Sölti: Die Wahl dieses Zustands ist ja schon bewusst. Das wäre sonst schon ein Politikwechsel. Wir wollen das eigentlich so, wir wollen frei sein. Und wir wollen auch so funktionieren, aber klar, wenn man merkt, das funktioniert so nicht mehr, müsste man sich überlegen wie man an Fördertöpfe rankommen könnte. Als soziokulturelles Zentrum muss man ja zum Beispiel auch programmlich etwas anbieten, um an Gelder ranzukommen. Es ist ja nicht nur die Hand aufhalten.

Aber bei der Konzertaussicht in nächster Zeit sollte es ja keine großen Probleme geben.

Sölti: Nö, wenn ich die Konzerte in nächster Zeit so sehe werden sie super laufen.

Sandro: Wir freuen uns drauf!

Jetzt nochmal zu einem etwas anderen Thema: Wie ist es letztes Jahr zu eurem Boxkampf und dem Kochduell gekommen?

Sandro: Die Jungs haben mir erzählt, dass es vor vielen Jahren schon einmal so einen Boxkampf hier im Heinz gab. Das fand ich natürlich sehr geil. Dann war ich auf dem Trip, dass ich Sölti gerne herausfordern wollte. Ich wollte diesen Boxkampf unbedingt machen. Als er dann zugesagt hat war es natürlich echt aufregend. Wir hatten circa 100 Tage Vorbereitung. Und wir haben es echt ernst genommen. Das ist eine Zeit in meinem Leben, die ich nicht vergesse. Ich war so fit wie noch nie und der Abend war auch unglaublich. So viele Menschen und ich war so aufgeregt, konnte an nichts denken. Sowas habe ich vorher noch nie gefühlt. Dann stehst du im Ring, 350 Leute um dich rum, dein Boss steht dir gegenüber und den musst du dann erstmal verprügeln. Diesen riesigen Menschen!

Sölti: Es ergab sich ein bisschen aus der Situation des Getränkewuppens. Das macht uns immer sehr viel Spaß, dabei drehen wir immer ein bisschen durch und sind sehr ausgelassen. Das finde ich immer sehr schön an körperlicher Arbeit. Ich fahre mit meinen beiden lieben Kollegen Schmidti und Sandro immer Getränke und ziehe sie dann auch gerne auf, wenn ich sie überhole. Sandro habe ich wohl etwas zu oft geneckt, wenn ich gesagt habe „Na, überholt dich der alte Mann jetzt schon wieder?“ und dann hieß es „Lass uns gegeneinander boxen!“. Ich meinte erst „Ach, das willst du nicht“ und je mehr ich das sagte, desto mehr wollte er es dann glaube ich auch. Nach 14 Tagen hatte er mich dann weichgekocht.

Sandro: Ja, ich habe dich täglich genervt! (lacht)

Sölti: Das stimmt! (lacht) Ich kann da nur unterschreiben was Sandro sagt, es war eine krasse Erfahrung. Man trainiert dafür, das ist eine Sportart die wir beide vorher nicht gemacht haben. Jeder trainiert für sich, aber man guckt letztendlich immer, was der andere macht und kann. Natürlich war mir klar, dass ich einen Reichweitenvorteil habe, aber dafür ist Sandro viel jünger, so gesehen war das alles sehr tacko. Ich hatte halt auch viel Druck, denn ich musste gewinnen! Ich bin ja der Chef! (lacht) Das wäre ganz schlecht gewesen, wenn ich verloren hätte. Das war im Ring dann auch ein wirklich krasses Erlebnis, rauszukommen und die Leute pfeifen (lacht). In meinem Laden! Was für eine bodenlose Frechheit! Weil Sandro sich natürlich von Anfang an ganz schlau in die Position des Underdogs gebracht hat. Eine sehr krasse Erfahrung. Die möchte ich nicht missen, war emotional aber auch sehr, sehr verbindlich.

Sandro: Ja, im Ring haben wir uns natürlich auch so richtig…

Sölti: Ja, du hast mir die Nase angebrochen, ich hab die eine Gehirnerschütterung verpasst…

Sandro: Wir haben uns wirklich nicht zurückgenommen und es wirklich ernst genommen, was viele nicht gedacht haben.

Sölti: Das glaube ich auch, dass viele hergekommen sind und dachten, wir eiern so ein bisschen rum. Aber mir war klar, dass wenn wir boxen es auch ernst wird. Deswegen wollte ich es erst auch nicht. Ich hab Sandro nämlich ganz furchtbar lieb, ich weiß auch nicht warum, ehrlich gesagt, aber es ist halt so (lacht). Es war klar, dass es dann ernst und auch blutig wird. Wurde es ja auch.

Sandro: Ja, es wurde ziemlich schnell blutig.

Sölti: Beim Kochduell wurde es auch blutig, aber das war ein kleiner Unfall.

Sandro: Wir mögen es halt, uns ein bisschen zu battlen. Deswegen dann eben ein paar Monate später das Kochduell. Kochen macht uns beiden Spaß und dann dachten wir uns „Komm, wir machen uns einen schönen Abend und kochen gegeneinander“. Da hat auch sehr viel Spaß gemacht, es war ein guter Abend und den Leuten hat es gefallen, so wie wir gehört haben. Ich war vor dem Kochen sogar total aufgeregt und musste vorher zwei Vino trinken, damit ich runterkomme. Ich finde es schon krass, dass Leute kommen, um uns kochen zu sehen. Sowas macht mich dann schon weich und auch emotional. Aber gut, mein Hauptgericht…da hat er natürlich keine Chance gehabt.

Beim Kochen kann ja auch viel schief gehen.

Sandro: Ja, genau, bei den einfachsten Dingen. Du musst immer wach sein, egal ob du Zuhause was gut kannst…

Sölti: Vor Leuten ist das immer etwas anderes.

Sind für dieses Jahr denn weitere Duelle geplant?

Sölti: Wir würden das schon gerne fortführen, uns fehlt nur gerade so ein bisschen die Idee womit wir weitermachen. Vielleicht doch diese Let´s Dance- Nummer.

Das wäre super!

Sandro: Ja, wir haben schöne Ideen!

Sölti: Vielleicht auch einfach, weil wir beide nicht die großen Tänzer sind, oder?

Sandro: Nicht wirklich. Ganz normal Tanzschule halt.

Sind die im Fernsehen ja vorher auch nicht. Und dann legen die richtig was auf´s Parkett.

Sölti: Ja, siehste mal. Irgendwie sowas. Zuerst haben wir geliebäugelt mit einem Hip Hop-Battle, aber da wäre ich glaube ich als Sänger (in der Band Hammerhai, anm. d. R.) einfach im Vorteil.

Sandro: Aber das ist wiederum für mich so eine Sache, dass ich es gerade deswegen trotzdem gerne machen will! Auch wenn er im Vorteil ist – das heißt für mich dann ja, dass ich mich richtig reinhängen muss. Und sowas mag ich! Sich selbst herauszufordern. Let´s Dance, Hip Hop-Battle…mir egal, ich mache alles!

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