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Gut aufgelegt: Biffy-Clyro-Bassist und-Sänger James Johnston vor der Show im Stadionbad Hannover.

„Wir sind schon glücklich, wenn es laut ist“

James Johnston von Biffy Clyro im Interview

19.10.2013, Von: Andreas Haug

Ein Rockkonzert in einer vergleichsweise exotischen Location, in einem großen Hallenbad, dem Stadionbad in Hannover. Obwohl die schottische Alternative-/Progressive-Rockband Biffy Clyro schon in anderen ungewöhnlichen Spielstätten auftrat, ist das exklusive Konzert in der Reihe Telekom Street Gigs im Oktober 2013 schon ein fast exotischer Rahmen. Wir trafen am Nachmittag vor der Show Biffy-Clyro-Bassist James Johnston in den Katakomben des Stadionbades wo es sich der augenscheinlich sehr gut aufgelegte Musiker erst einmal in einem Liegestuhl bequem machte...

Rockszene.de: James, wie war dein Tag bislang, hattest du schon die Gelegenheit gehabt, eine Runde Schwimmen zu gehen, zu tauchen oder vom 10-Meter-Turm zu springen?

James Johnston: Nein, nein, dazu hatte ich nicht noch die Gelegenheit, aber ich bin mir sicher, dass wir heute Abend noch im Wasser landen werden, ob während oder nach der Show wird sich zeigen, aber irgendwas in der Richtung wird noch passieren (lacht). Wir müssen das hier mit der Location alles erstmal auf uns wirken lassen und uns darauf einlassen. Es ist schon etwas ganz Besonderes hier in diesem Bad zu spielen.

Was waren deine und eure ersten Gedanken, als ihr die Anfrage und das Angebot erhalten hattet, diesen speziellen Gig hier im Stadionbad zu Hannover zu spielen, einer für Rockkonzerte doch reichlich exotischer Spielstätte. Gab es da im Vorfeld kritischen Diskussion?

Erst haben wir gedacht, das Ganze wäre ein Spaß, da will uns jemand auf den Arm nehmen (lacht), aber als es dann ernst wurde, waren wir sehr gespannt. Ich finde es für alle Beteiligten, vor allem auch für das Publikum sehr interessant, eine Band und ein Konzert in einem wirklich außergewöhnlichen Rahmen zu erleben, da geht es vor allem um Spaß und um ein unvergessliches Erlebnis, natürlich auch für uns. Dann haben wir Fotos hier von dieser beeindruckenden Schwimmhalle gesehen und uns gedacht, wie das hier nur funktionieren könnte, mit der Organisation, der Beschallung, mit allem Drum und Dran, aber es scheint bislang alles gut zu laufen.

Ihr hattet doch eben Soundcheck, wie klingt es denn so hier im Hallenbad?

Nein, der eigentliche Soundcheck ist gleich, wir haben eben nur ein paar Grundeinstellungen gemacht. Wir sind auch wirklich sehr gespannt, wie es hier wird, aber wir haben schon wirklich in unterschiedlichsten und auch ungewöhnlichen Locations unter teilweise einfachsten technischen Bedingungen gespielt, so wie unter anderem im Houses Of Parliament in London oder mal in Oslo, wir kennen das schon ein bisschen (schmunzelt). Wir sind schon glücklich, wenn es richtig laut wird und wir eine richtige Rockshow auf die Bühne legen können. Wichtig bei dieser Show ist der enge Kontakt zum Publikum, der wohl heute einzigartig sein dürfte.

Wie ist denn das vom technischen Aspekt, es ist warm, es herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit, da ist Wasser, da ist Elektrizität, für die Instrumente und die Sicherheit schon ein bisschen abenteuerlich, oder?

Ja, das finde ich auch. Wir haben auch kaum eine Trennung zwischen Bühne, den Fans und damit auch dem Schwimmbecken, das heißt: dem Wasser. Das ist alles nur ganz schmal. Ehrlich gesagt bin ich schon reichlich nervös, wegen des Equipments, der Elektrizität und allem Drum und Dran.Puuhh.

Habt ihr euch für dieses Konzert hier in Hannover, das ja außerhalb einer gewöhnlichen Tour stattfindet, speziell vorbereitet und extra geprobt, soll heißen eine besondere Setlist gemacht?

Nein, nicht wirklich. Die Vorbereitung findet dann rund um die Show, vor allem am Tag selbst mental statt. Ich mache mir meist immer Gedanken, wann und wo es beispielsweise was zu essen gibt, wie die Organisation läuft, wer und was wo hin muss. Ich versuche dann den Tag über, mich einzustimmen, dann gibt es ein paar Gesangsaufwärmübungen und dann spielen wir. Das heute ist ja ein besonderer, lockerer Abend, wo es vor allem um den Spaß geht. Wir haben für heute keinen festgelegten Plan. Wir spielen so lange wie wir wollen, wie wir dürfen und das Publikum das aushält (lacht). Vor allem wollen wir Songs spielen, die die Leute hören wollen, das lassen wir auch mal ein bisschen auf uns zukommen. Vielleicht wiederholen wir auch mal was, wichtig ist, dass alle ihren Spaß haben und mit uns feiern.

Eure eigentliche Hallen-Tournee mit eurem aktuellen Album „Opposites“ ist für den nächsten Monat terminiert. Da spielt ihr ja nicht in Hannover, sondern in Hamburg in einer rund 5000 Leute fassenden Halle, worüber einige Fans hier ein bisschen traurig sind. Was kann man dann während der Tour von euch erwarten und warum sollten Fans, die auch heute Abend dabei sind, die Show in Hamburg oder woanders nicht verpassen?

(Lacht) Weil wir einfach bei jeder Show alles geben und jeder Abend auf seine ganz eigene Weise besonders ist. Die Leute sollen ruhig auch nach Hamburg kommen, wir werden uns wieder voll reinhängen und außerdem wollen wir bei der Tour, bei der wir erstmals hier in Deutschland in so großen Hallen spielen, den Jahresabschluss feiern. Deutschland ist für uns ein ganz besonderes Land, vor allem auch wegen der Fans. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Im Sommer haben wir viele große Festivals hier gespielt, unser Album läuft hier erfolgreich, das ist einfach klasse. Da wollen wir bei den Konzerten im nächsten Monat nochmal mit allen hier drauf anstoßen und ein tolles Jahr 2013 feiern. Außerdem werden wir im November einige Songs im Programm haben, davon auch ältere, die wir bislang noch nicht live gespielt haben.

Aus unserem Leserkreis kam unter anderem die Frage, ob ihr die Konzerte aufzeichnet und ob es im Anschluss davon vielleicht wieder eine Live-DVD oder CD gibt.

Das ist eine interessante Frage, da weiß ich gar nicht, was ich dir jetzt erzählen darf (lacht, verlässt den Raum um den Manager der Band im Raum nebenan zu befragen). Naja, es gibt da schon grundsätzliche Überlegungen, aber nichts Spruchreifes, was wir heute erzählen könnten. Wir zeichnen schon viele Konzerte auf, meist so oft, wie möglich, auch, um uns selbst zu kontrollieren und das Material vielleicht später einmal zu verwenden. Man wird sehen.

Die Promotion speziell auch dieser Telekom-Street-Gig-Show und das ganze Handling mit dem Gewinn der Tickets für heute Abend läuft fast ausschließlich über das Internet, über Social-Media, speziell auch Facebook. Wie wichtig ist das Internet, speziell Social-Media für eure Promotionarbeit, ist das ein zentraler Bestandteil oder eher ein ergänzendes Tool? Ich kenne junge Bands, die haben keine eigene Website, sondern nur eine Facebook-Fanseite. Sind dann eigentlich noch gedruckte Musikmagazine aus deiner Sicht noch wichtig, noch relevant?

Das kommt darauf an, denke ich. Als wir Mitte der Neunziger mit Biffy Clyro angefangen haben, gab es noch kein Social-Media, auch das Internet insgesamt war noch nicht so wichtig. Inzwischen hat sich das natürlich geändert und ich bin gespannt, wie das in zehn Jahren sein wird. Natürlich ist diese Form der Promotion wichtig, wir nutzen sie auch, wenn auch nicht ganz so intensiv oder fast täglich wie jüngere Bands. Ich selbst nutze Facebook auch nicht ganz so oft um meine Freunde zu kontaktieren, das mache ich lieber persönlich. Ich denke, alle Medien sind wichtig und wenn man wertige Informationen rüberbringen will, dann ist es für eine Band wichtig, Interviews zu geben, eine eigene gute Website zu haben, auch in Print-Magazinen vorzukommen . Social Media ist aus meiner Sicht ein ergänzendes Tool und kann andere Medien nicht komplett ersetzen.

Viele Newcomerbands wollen gern, wenn sie vorankommen wollen, support-Touren oder einzelne support-Shows für populäre Acts, wie auch Biffy Clyro spielen und fragen sich, wie man da ran kommt, wer dort die Entscheidungen trifft. Wie ist das bei euch und was ist für euch wichtig, wenn ihr mit einer Band tourt respektive touren wollt?

Das ist ganz einfach, wir müssen die Band und deren Musik mögen. Gerade wenn man lange auf Tour ist, dann ist man ja mit den Menschen täglich zusammen, da muss dann die Chemie und das Menschliche einfach stimmen. Ich finde es auch schön, wenn die support-Band nicht zu ähnlich zur Hauptband ist, stilistisch nicht einfach mehr oder wenige das Gleiche macht oder gleich klingt. Das finde ich für den Abend und vor allem auch für das Publikum interessanter. Unter diesen Aspekten wählen wir beispielsweise Bands aus, die mit uns reisen.

Gut James, vielen Dank für deine Zeit und auf eine schöne Show heute Abend.

Danke, das wünsche ich dir auch, viel Spaß dann nachher.

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