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Marino Carlini im Interview

Kein Engel und kein Teufel

Im Gespräch mit Marino Carlini

25.06.2013, Von: Jan Hagerodt, Foto: Oliver Betke

„Tausend Künste kennt der Teufel, aber singen kann er nicht! Vielleicht sollte er Gesangsunterricht bei Marino Carlini nehmen…“ So beginnt die Albuminfo des hannoverschen Künstlers. Marino Carlini ist seit über 20 Jahren im Rock´n´ Roll Universum unterwegs. Als Frontmann vieler Bands, wie unter anderem Pride, als Background Sänger wie etwa bei UFO und seit 1994 auch unter dem eigenen Namen Carlini. Dem Debüt „Carlini“ folgten die Longplayer „Live“, „Tide Of Times“ und „Lost Tapes“; nun erscheint mit „Everest“ sein fünftes Album.

Ich treffe Marino Carlini vormittags in einem Café in der Lister Meile. Wir sitzen draußen, die Sonne brennt heiß vom Himmel. Das rechtfertigt sowohl die gute Laune, als auch die getragene Sonnenbrille des Hannoveraners mit italienischen Wurzeln. Aber natürlich sitzen wir nicht nur hier um Sonne zu tanken und Kaffee zu schlürfen. Wir wollen über sein Album „Everest“ sprechen. Dass nebenbei Croissants und Rührei verspeist werden können, ist ein schöner Nebeneffekt.

Rockszene.de:
Hallo Marino, am 25.Juni erscheint mit „Everest“ dein fünftes Album. Du bist seit vielen Jahren als Musiker aktiv. Wie muss man sich Marino Carlini 2013 vorstellen?


Marino Carlini:
Auf jeden Fall etwas reifer (lacht). Man verändert und entwickelt sich natürlich über die Jahre, aber man bleibt im Kern auch derselbe Mensch, der man immer war. Ich würde mich heute als relaxter beschreiben. Man muss nicht mehr alles machen, nicht jeder Idee hinterher rennen. Man kann sich auch mal zurücklehnen und genießen.

Trotzdem hast du eine Idee mit sehr viel Tatendrang verfolgt: Dein Album „Everest“. Erzähl doch mal wie es dazu kam.

Den Traum, wieder meine eigene Musik zu machen, hatte ich nie ganz ausgeträumt. Auch wenn meine Projekte wie die Akustik-Cover Band Sugarplumfairy mir viel Freude bereiten, es juckte mir immer wieder in den Fingern. 2011 stand dann mein Entschluss fest, dass ich wieder eigene Songs schreiben und vertonen möchte.

Wie genau entstand „Everest“ dann, wer hat dich inspiriert und während der Aufnahmen begleitet?

Bezogen auf die Mitmusiker war es ein bisschen so, als ob ich im Feinkostladen auswählen durfte. Ich habe viele Freunde und Mitstreiter, die großartige Musiker sind. So konnte ich jedem Song das nötige Detail verschaffen, das ihn in meinen Augen besonders macht. Ich habe mir für die zwölf Songs, fürs Songwriting, die Arrangements und die Produktion viel Zeit genommen und alles bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. „Everest“ ist deshalb für mich eine Art musikalisches Lebensmanifest geworden.

Darauf wollte ich gerade zu sprechen kommen. Du veröffentlichst das Album genau zu deinem 50. Geburtstag. Ist das dein Abschluss-Monumentum, dein letzter Meilenstein? Oder wird es für Carlini weitergehen?

Ja, das ist so eine Sache (lacht). Ursprünglich war das natürlich als Abschluss gedacht. Ich bin keine 25 mehr und habe auch eine gewisse Verantwortung meiner Familie gegenüber, die ich sehr ernst nehme. Natürlich hat man den Traum von seiner Musik leben zu können nie ganz ausgeträumt. Ich bin Musiker aus Leidenschaft, aber ohne kranken Ehrgeiz. Ich bin froh, dass es kein „Job“ für mich sein muss. Dennoch kribbelt es nach den Aufnahmen wieder so doll in mir, dass ich das Thema live auf die Bühne bringen möchte.

Komplett mit Band oder wie hast du dir das gedacht?

Nein, eher alleine mit Akustik-Gitarre. Ich will auch gar kein großes Brimborium darum machen. Das sollen kleine, feine Konzerte mit intimer Atmosphäre werden. Ich spiele lieber vor zehn bis 15 Personen die es wirklich interessiert, als vor 500 oder mehr.

Das klingt nicht nach dem Feuer und dem Ehrgeiz, den alle Szeneleute immer von Bands und Musikern einfordern…

Ich stecke meine Energie lieber in meine Musik. Ich habe mich zwar immer für die Musikszene interessiert aber nie für den großen Zampano, der im Stadion vor 40.000 Menschen auftritt. Das ist mir zuviel des Guten. Außer vielleicht, wenn The Police dort auftreten sollten (lacht).

Was bereut man, wenn man 50 Jahre auf dem Buckel hat? Würdest Du Dein Leben anders leben, wenn Du noch mal bei null starten könntest?

Ich bereue nichts. Ich glaube, alles verläuft aus einem Grund heraus. Ich bin mit mir selbst im Reinen. Bezogen auf die Musik muss man sich vielleicht einfach eingestehen, dass man es eben nicht ist. Nicht die große Nummer, die man mal sein wollte. Aber gib mir ein Mikro in die Hand und ich unterhalte die Leute (lacht). Vielleicht ist „Everest“ ja aber auch tatsächlich die Einleitung eines neuen Carlini-Kapitels, man wird sehen.

Vielen Dank für Deine offenen Worte! Für die Veröffentlichung Deines Albums und Deinen runden Geburtstag schon mal alles Gute.

Anm.:Allen Lesern, die einen tieferen Einblick in das Schaffen und Leben von Marino Carlini nehmen wollen, seien die Webseiten des Künstlers ans Herz gelegt, auf denen er sein Leben mit vielen Details und ganz viel Humor kommentiert.

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