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Florian Arp im Interview

Feuerengel mit Enthusiasmus für Rammstein

Gitarrist Florian Arp vor der Hannover-Premiere

14.05.2013, Von: Andreas Haug, Foto: Nancy Heusel

Als Redakteur und Fotograf ist Florian Arp in der hannoverschen Musik-und Medienszene ein bekannter Mann. Wenn Stars und Sternchen in der Leinemetropole Konzerte geben, sieht man ihn oft mit einer oder mehreren Kameras vor der Bühne. Dass Florian Arp seit Jahren als Gitarrist mit der europaweit erfolgreichen Rammstein-Tribute-Band Feuerengel tourt und Shows vor bis zu 10.000 Menschen spielt, dürfte bislang eher Insidern bekannt gewesen sein. Am Freitag, den 17.Mai, kommen Feuerengel erstmals zu einer Show nach Hannover ins Capitol. Mehr als nur ein guter Grund für ein Interview.

Rockszene.de:
Florian, Feuerengel gibt es schon seit 16 Jahren, ihr habt europaweit Shows vor teilweise vielen tausend Leuten gespielt, am 17.Mai 2013 steht im Capitol nun euer allererstes Hannover-Konzert überhaupt an. Warum erst jetzt?


Florian Arp:
Wir hätten schon gern früher in Hannover gespielt, allerdings braucht man erst einmal Veranstalter, die an so einer nicht ganz unaufwändigen Show Interesse haben, man braucht eine passende Location, wo sich das umsetzen lässt. In der Vergangenheit waren in Hannover die Spielstätten entweder zu groß oder zu klein und wir standen mit verschiedenen Veranstaltern in Kontakt. Jetzt sind wir uns mit Hannover Concerts einig geworden und am 17.Mai geht es dann mit Feuerengel ins Capitol.

In Hannover hat sich in letzter Zeit Völkerball mit mehreren erfolgreichen Konzerten als Rammstein-Tribute-Band etabliert, jetzt präsentiert sich mit Feuerengel eine weitere. Ist das nicht zuviel? Warum soll das Publikum jetzt noch zu eurer Show kommen, bietet ihr etwas anderes?

Für das hannoversche Publikum ist Völkerball bislang ganz klar die Rammstein-Tribute-Band, aber eben auch nur deshalb, weil man uns hier noch nicht kennt. Ich will jetzt beide Bands nicht vergleichen, sondern kann nur sagen, was Feuerengel aus meiner Sicht besonders auszeichnet. Wir sind am längsten dabei, verfügen über jede Menge Spiel-und Auftrittserfahrung. Das soll jetzt nicht großkotzig klingen, aber uns kann kein Publikum und keine Location mehr schocken oder Angst machen, weil wir von Jugendzentren, über Clubs und Hallen mit mehreren hundert Besuchern Kapazität bis hin zu Open-Airs, wo sich oft viele Tausend auf dem Gelände tummeln, so ziemlich alles mehrmals gespielt haben.

Wir gehen an die Sache sehr akribisch und professionell heran, nehmen das Ganz auch richtig ernst, stehen aber nicht, wie einige andere die Rammstein covern, steif auf der Bühne. Unsere Show ist nicht statisch, wir bewegen uns viel und man sieht uns auch mal lachen. Im Programm finden sich auch viele so genannte B-Seiten, Songs, die Rammstein selbst lange nicht oder noch nie live gespielt haben, wie etwa „Der Meister“. Ich denke, man kann sich in Hannover auch ein zweites Mal eine Rammstein-Tribute-Show anschauen, zumal es sehr schwer ist, überhaupt Karten für eher seltene Konzerte der Originalband zu bekommen.

Ihr kennt Rammstein persönlich und habt 1998 auf Einladung der Band auf einer Plattenverleihung in Berlin gespielt. Wie kam der Kontakt zustande?

Wir haben zu der Zeit eine kleine Show im Jugendzentrum in Tostedt bei Scheeßel und eine im Logo in Hamburg gespielt. Der NDR hatte seinerzeit darüber berichtet und so ist das Management von Rammstein auf uns aufmerksam geworden. Eine andere Rammstein-Tributeband gab es damals noch nicht. Die Rammstein-Leute fanden das damals ganz witzig und luden uns nach Berlin ein. Ursprünglich sollten wir nur wenige Songs spielen, es wurde dann aber letztlich ein ganzes Set und die Musiker tanzten vor uns zu ihrer eigenen Musik. Als wir dann 2005 im Kesselhaus in Berlin auftraten, schaute dann plötzlich Paul Landers, der halb-inkognito unterwegs war, bei unserer Show vorbei. Das fanden wir richtig cool.

Der Genesis-Tribute-Band The Musical Box wurden von Genesis die Aufführungsrechte an Live-Reproduktionen erteilt und es gab auch sonst Unterstützung und Beratung von den Originalen für die Tributeband. Ist das im Fall von Feuerengel und Rammstein ähnlich?

Absprachen, was unsere Show anbelangt, gibt es mit Rammstein nicht. Klar, wir schauen uns hier und da was ab. Markante Elemente wie den Funken-Bogen bei „Du riechst so gut“ oder die brennenden Pyro-Sticks bei „Engel“ haben wir auch, wobei ich jetzt nicht zuviel verraten will. Man muss aber das Maß wahren und schauen, was möglich ist. Das Ganze ist gewissermaßen trial and error. Was wir aber mit Rammstein geklärt haben, waren rechtliche Fragen, zum Beispiel, ob wir deren Schriftzug verwenden dürfen, was nicht geht oder wie groß bei Ankündigungen der Zusatz „A Tribute To Rammstein“ neben Feuerengel stehen darf. So darf man unter anderem nicht ankündigen: „Rammstein-Party“ und ganz klein darunter „mit Feuerengel“.

Eure Bühnen-Produktionen sind sehr aufwändig und auch kostenintensiv. Mal eben auf die Schnelle Feuerengel für ein Konzert zu buchen, fix ein paar Instrumente und Verstärker aufzubauen und zu spielen ist da wohl kaum möglich, oder?

Stimmt, da steht schon ein verhältnismäßig großer Aufwand und auch Vorbereitung dahinter. Das geht damit los, dass ein halbes Jahr vor einer Show Genehmigungen eingeholt werden müssen und die technischen und baulichen Gegebenheiten der Spielstätte gecheckt werden. Wir reisen mit mehreren Technikern und Helfern, darunter ausgebildete Pyrotechniker mit allen Scheinen, die sowas betreiben dürfen. Feuerengel sind in der Regel mit drei Fahrzeugen unterwegs, darunter ein 7,5 to LKW. Recht teuer ist die Pyrotechnik. Man muss sich das so vorstellen, wenn bei uns an einer Stelle eines Songs ein bestimmter Knalleffekt losgeht, dann kostet dieser kurze Knall schon mal allein rund 100 Euro.

Wie war das früher?

Das waren noch Zeiten, als wir früher mit einem Transporter und Anhänger unterwegs waren, ein Kumpel hat sich um die Pyro gekümmert, wir haben den Rest gemacht. Es ist schon krass, wie sich das mit Feuerengel in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Heute haben wir unsere Techniker und Helfer die alles aufbauen und betreuen, wir Musiker gehen dann nur noch auf die Bühne und legen los. Das ist schon abgefahren, wir stehen manchmal staunend davor. Wann hat man als Band, die nicht von ihrer Musik lebt, schonmal sonst die Chance, in Holland vor über 10.000 Leuten zu spielen? Für mich ist das das geilste Hobby, das es gibt! (Lacht)

Du bist ja hauptberuflich als Redakteur und für verschiedene Medien auch als Fotograf unterwegs. In Hannover kennen dich die meisten Leute wohl eher von Konzerten, wo du mit einer Kamera vor der Bühne aktiv bist. Nächste Woche stehst du mit Feuerengel selbst in Hannover im Capitol auf der Bühne. Was denkst du, wie wird die Situation für dich sein?

Oh, das ist in erster Linie eine Herausforderung, weil man eben die andere Seite einnimmt. Als Fotograf regt man sich bei Konzerten schonmal über das schlechte Licht auf oder darüber, dass sich bestimmte Bands und Musiker ungünstig auf der Bühne positionieren und bewegen. Jetzt spiele ich selbst und kann womöglich Fotografen beobachten, die auf der Jagd nach einem geilen Bild sind. Das ist interessant, ja, das ist super. (grinst)

Wirst du von deiner Seite ein bisschen darauf achten und als Musiker deinen Beitrag dazu leisten, dass deine Kolleginnen und Kollegen gute Bilder machen können?

Äh ja...nein (grinst), nicht direkt. Über sowas spricht man dann auch innerhalb der Band. Extra Posen wird es aber nicht geben.

Dann bist du ja auch noch Gitarrist der hannoverschen Band King Curry And The Pissors Of The Revolution....

Ja, ich habe richtig Bock auf die Verrückten. Das sind wirklich Verrückte, positiv Verrückte. Ich bin da so reingerutscht, das macht richtig Spaß. Eine Zeit lang hat da Peter Jordan (bekannter hannoverscher Rockgitarrist und Produzent – Anm.d.Verfassers) gespielt, denn neben Feuerengel bleibt mir leider nicht viel Zeit. Hätte ich die Zeit, dann wäre ich in der Hannover-Szene gern viel aktiver. Es gibt hier tolle Bands wie etwa Motorblock, die sind super. Ich schaffe es aber nicht, tiefer in die Szene einzutauchen umso schöner ist es, dass ich durch meinen Beruf die Szene regelmäßig begleiten kann.

Apropos Hannover-Szene. Wie siehst du aktuell die hannoversche Musikszene, die einst einen großen Ruf als „Rock City“ oder „Hardrock-City“ hatte? Wo steht sie heute und wo könnte die Entwicklung hingehen?

Eine „Hardrock City“ ist Hannover für mich längst nicht mehr. Das stilistische Spektrum ist viel breiter geworden. Früher hatte man beispielsweise bei Contests fünf Bands, die klangen alle so ziemlich gleich. Heute hat man aus vielen Genres sehr gute Bands, ob im Rockbereich, im Pop, Indie, Alternative oder HipHop. In diesem Jahr spielen ja auch besonders viele Stars mit großen Namen in Hannover, was gut ist und unterstreicht, dass Hannover als Musikstadt einen hohen Stellenwert hat. Wo wir vorhin darüber sprachen, warum wir jetzt unbedingt hier spielen wollen: Hannover ist auch uns als Spielort sehr wichtig, weil hier viele tolle Bands auftreten. Für mich ist das hier auch mein Wohnort und dann ist es auch eine Frage der Ehre. Ich hoffe auch, dass Hannover im Bereich Musik „Global-Player“ bleibt, dass Acts wie Springsteen hierher kommen. Das ist wichtig für die Szene.

Hm, warum ist es jetzt wichtig für die Szene, wenn beispielsweise Bruce Springsteen hier ein Konzert im Stadion spielt?

Weil ich als Newcomerband oder als Band doch irgendwann da hin will, wo die Großen jetzt stehen. Das ist doch gewissermaßen der Traum von fast allen Musikern. Die Topstars des internationalen Musikbusiness spielen vor deiner Haustür und du kannst dir das anschauen, das ist doch toll. Für mich persönlich hatten zwei Konzerte, die ich gesehen hatte, eine Art Kick -Off- Effekt, selbst in Bands zu spielen. Das war eine Show von Peter Maffay 1989 in der Stadthalle in Bremen und ganz besonders das Konzert der Rolling Stones im Verlauf ihrer „Urban Jungle“-Tour 1990 hier im Niedersachsenstadion.

Wie siehst du die Musikszene in Hannover im Vergleich zu anderen Städten?

Ich kann das jetzt mit Bremen vergleichen, wo ich in Bands gespielt habe oder mit Rotenburg, wo ich ursprünglich herkomme. In Bremen ist die Szene nicht so groß, in Rotenburg spielen gefühlt immer nur die gleichen fünf Bands, das ist regelrecht furchtbar. In Hannover ist die Szene sehr lebendig, es einfach geil, was schon im Kleinen passiert: Es gibt sehr viele Möglichkeiten aufzutreten, da sind unter anderem interessante Bandpackages im MusikZentrum zu erleben, es gibt viele Initiativen, Förderungen für junge Musiker wie etwa das Rockmobil. Hannover hat in Sachen Musik einen hohen Stellenwert, ich habe das Gefühl, dass der Begriff der handgemachten Musik hier sehr positiv besetzt ist.

Abschließend nochmal zur Feuerengel-Hannover-Premiere am 17.Mai im Capitol. Warum sollte man eure Show nicht verpassen? Das Konzert-und Veranstaltungsangebot ist in diesem Jahr riesengroß, Musikfans und Konzertgänger müssen viel Geld ausgeben, der Frühling hat Einzug gehalten, viele zieht es ins Freie und in die Biergärten...

Ach, viel Geld brauchst du für uns nicht und in den Biergarten kann man auch vorher oder hinterher noch gehen (grinst). Wir bieten dem Publikum zwei Stunden brillante Unterhaltung. Wer die Musik von Rammstein mag und eine echte Show sehen will, für den darf in diesem Moment der Biergarten nicht wichtig sein. Wir sind Enthusiasten, wir sind Fans. Es ist uns wichtig, dass die Leute ins Capitol kommen, um mit uns gemeinsam diese Musik abzufeiern.

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externer Link www.feuerengel.de

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