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Rock´n´Roll aus Leidenschaft: Henny (links, Nitrogods) und Axel (Motorblock) organisieren das erste Nitrofest in Hannover.

Eine Nummer aus Spaß und Leidenschaft

Die Macher des Nitrofestes in Hannover im Interview

15.03.2013, Von: Hanna Rühaak

Am 23. März steht das MusikZentrum in Hannover ganz im Zeichen des Hard Rock und Rock´n´Roll: Zum ersten Mal findet das Nitrofest in Hannovers Nordstadt statt, auf der Bühne stehen die Nitrogods, Motorblock, Dampfmaschine und Scumdogz. Veranstaltet wird das Fest von Henny von Nitrogods und Axel von Motorblock – und das ganz ohne Hilfe eines Veranstalters. Grund genug für Rockszene.de, einmal nachzufragen, wie die Idee des Festes zustande kam, welche Hindernisse es zu bewältigen gilt und was die Besucher erwarten wird.

Rockszene.de:
Das Nitrofest steht vor der Tür – wie seid ihr auf die Idee gekommen, dieses Fest ins Leben zu rufen? Gab es da einen besonderen Grund?

Henny:
So ein Schlüsselereignis gab es nicht. Das war schon lange eine Idee von uns. Dazu muss ich ein bisschen ausholen: Also Hannover hatte früher in den 80ern den Ruf als „Rock City“. Viele Rockbands kamen aus Hannover, allen voran natürlich die Scorpions, die weltbekannt sind. Es gab damals eine Zeit, da sind die Leute echt aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland nach Hannover gekommen, weil hier so eine Art Aufbruchsstimmung in Sachen Rock, Hard Rock und Rock´n´Roll stattfand. ES kamen dann zum Beispiel auch weltweit bekannte Businessleute , um Bands zu sehen, es gab viele Läden. Um es kurz zu machen: Hannover war ein Zentrum für Rockmusik.

Ich hatte zu dieser Zeit eine Band namens Thunderhead, die auch von hier aus durchgestartet ist. Ich erinnere mich ganz gerne daran zurück. In den Jahrzehnten danach hat sich das sehr stark verändert, im Technojahrzehnt war ja dann mit Rock´n´Roll überhaupt nichts mehr. Und Hannover ist nie wieder so Rock City gewesen wie es damals war. Das ist die Vorgeschichte, damit man versteht, wie wir überhaupt auf die Idee des Nitrofestes gekommen sind.

Jetzt habe ich eine neue Band, 20 Jahre später. Ich bin dieser Musik treu geblieben und wir machen diese Musik auch weiterhin. Es gibt zwar die ganzen Läden von damals nicht mehr, aber dafür die ganzen Leute von früher und auch jüngere Leute, die auf so eine Musik abfahren. Diese Musik wird in Hannover wieder gepflegt und gespielt. Aber da es diese ganze Infrastruktur mit den Clubs und den Bars nicht mehr gibt und die Leute natürlich auch alt geworden sind, haben Axel [Motorblock] und ich uns gedacht, dass es mal wieder ein Event geben muss, auf dem neue Bands, die wieder so eine Musik machen, zusammenkommen und sich dem Publikum von damals und dem neuen Publikum vorstellen können. Das ist das Nitrofest.

Axel:
Es ist ja ein weit verbreitetes Phänomen, dass man sich viel ausdenkt, viel redet und tolle Ideen hat und man natürlich immer weiß, wie man es besser machen müsste. Aber im Regelfall bleibt es dabei darüber zu reden. Wir haben dann den Entschluss gefasst „Lass uns das einfach mal machen!“. Wir hatten einfach Bock darauf. Für uns ist das natürlich ein Abenteuer, weil wir ja sonst Musiker sind und das von der anderen Seite betrachten.

Und wie seid ihr zum Beispiel auf Dampfmaschine gekommen?

Henny:
Das war Axels Idee.

Axel:
Dampfmaschine ist eine Band, die ich selber schon zweimal gesehen habe. Die mag ich persönlich einfach sehr gerne und ich dachte mir, dass die ins Konzept passen. Die haben im vergangenen Jahr auch hier im Béi Chéz Heinz gespielt und da habe ich mich mit denen mal zusammengesetzt. Das sind, nebenbei bemerkt, auch echt nette Jungs, entgegen der leicht psychopathischen Ausstrahlung auf der Bühne (lacht). Aber das ist ja oft so – je wilder sie wirken, desto netter sind sie dann oft.

Wieso veranstaltet ihr das Fest selbst und nicht mit einem Veranstalter?

Henny:
Letztendlich ist nie ein Veranstalter an uns herangetreten und hat gesagt „Hey, lass uns mal so eine Hardrock- und Rock´n´Roll-Geschichte machen“. Auch aus Mangel an Gelegenheit haben wir gesagt, dass wir mal was selber machen müssen. Sonst macht es keiner.

Axel:
Die Idee dabei ist jetzt nicht, dass wir die ganz großen Veranstalter sind und Marek Lieberberg und Hannover Concerts und allen in die Suppe spucken, sondern das ist einfach eine Nummer aus Spaß und Leidenschaft. Wir freuen uns, wenn wir glatt aus der Sache rausgehen, von Gewinn war im Vorfeld gar nicht groß die Rede. Wenn wir da mit einer schwarzen Null stehen ist alles schön.

Soll das Nitrofest wiederholt werden oder bleibt es eine einmalige Sache?

Henny:
Wenn das gut ist, machen wir das auch jährlich. Gerne auch wieder im Musikzentrum.

Axel:
Das Gute ist ja, dass das musikalisch alles breit gefächert und nicht hart abgegrenzt ist. Wenn wir in dem Spektrum von Motörhead bis ZZ Top bleiben, aber dann sowas haben wie Dampfmaschine, das hat schon etwas Punk-Attitüde. Im weiteren Sinne ist das harte Gitarrenmusik, nennen wir es mal so. Wenn ich dann in der Faust auf einer Party bin und nur 70er Jahre-Musik gespielt wird, denke ich mir immer „Das kennt doch keine Sau!“, aber es stehen haufenweise 18- bis 20-Jährige da und finden es geil. Es ist durchaus so, dass es eine ganze Menge Leute zu geben scheint, die diese Musik mögen.

War das auch ein Grund, dass ihr davon ausgeht, dass es so viele junge Leute mit Potenzial und eben junge Leute gibt, die sich dafür interessieren?

Axel:
Beides. Potenzial ist das eine und das andere eben, dass auf besagten Partys junge Leute Black Sabbath hören und sich freuen.

Wie ist der aktuelle Organisationsstand? Gab es besondere Hindernisse, die ihr überwinden musstet?

Axel:
Die gibt es immer. Es ist viel Arbeit, aber es war ja von vorne herein klar, dass sich das nicht von alleine erledigt. Man muss das Ganze natürlich auch bewerben, sonst nützt das beste Konzept nichts. Die Plakate müssen zum Beispiel designt, gedruckt und aufgehängt werden, man braucht eine Seite im Netz, Facebook und so weiter.

Henny:
Da hat man natürlich schon ordentliche Kosten auf der Uhr als Veranstalter.

Axel:
Genau. Du brauchst halt auch viele Leute die helfen, Leute für den Tresen, für die Tür, für den Merchandise-Verkauf. Auch jemanden, der sich um die Bands und um den Ablauf kümmert. Catering für die Bands, Technik…das ist eine ganze Menge Kram. Und organisatorischer Aufwand ist halt eben auch immer mit Kosten verbunden.

Axel:
Das Schwierige am MusikZentrum ist, dass man da nicht einen komplett ausgestatteten Veranstaltungsort mietet. Du hast dort zwar einiges, aber da muss eben auch vieles angeschafft werden. Von Catering bis Teile der Technik. Man hat halt ein Gehäuse und muss was daraus machen.

Aber wäre der meiste Aufwand nicht weggefallen, wenn ihr mit einem Veranstalter zusammengearbeitet hättet?

Henny:
Ja, aber wir wollten alles selber machen.

Sind für den Abend denn abgesehen von den Bands irgendwelche Besonderheiten geplant?

Henny:
Abgesehen von der Musik ist nichts geplant. Wir gehen einfach mal davon aus, dass mindestens eine Show von den vier Bands Besonderheit genug ist. Da muss man keine Stripper oder Biker auf der Bühne haben.

Axel:
Ach, die Stripper kommen doch nicht? (lacht)

Henny:
Es soll ja letztendlich die Musik im Mittelpunkt stehen. Natürlich würde zu so einem Event schon ein Sponsorship von Jack Daniels oder so passen, aber das ist einfach nicht unser Anliegen.

Axel:
Die Fragestellung ist aber nicht ganz abwegig. Wir denken schon einen Schritt weiter und nehmen jetzt einfach mal, optimistisch wie wir sind, an, dass es gut läuft und haben das ja auch als jährliches Fest angekündigt. Also haben wir auch vor, das jedes Jahr zu machen, in welchem Umfang auch immer. Für dieses Jahr haben wir uns die Sponsorensuche erst einmal geschenkt, würden das aber für das nächste Jahr angehen. Vermutlich werden wir ein paar professionelle Kamerateams vor Ort haben, sodass wir da mindestens einen kleinen Trailer zusammenschneiden können. Zum einen als Abspann und zum anderen natürlich perspektivisch gesehen für nächstes Jahr. Das als solches ist dann doch eine kleine Besonderheit, die stattfinden wird. Also wie gesagt, wir sind zwei Menschen und es gibt viel zu tun. Und das ist ja auch nicht unser Hauptberuf.

Was macht ihr hauptberuflich?

Axel:
Ich bin Grafiker und Henny macht hauptberuflich Musik.

Und wirklich alles nur zu zweit neben der Arbeit?

Axel:
Also natürlich haben wir Leute die uns helfen, zum Beispiel beim Plakatieren.

Henny:
Ja, also wir plakatieren jetzt nicht…

Axel:
Das Gute ist einfach, dass man über die Jahre viele Leute kennenlernt. Das geht damit los, dass wir als Mischpultbediener tatsächlich einen Vollprofi stehen haben, der ein paar Tage vorher noch die Echoverleihung macht. Das funktioniert eben wirklich nur dadurch, dass man ihn kennt.

Henny:
Den könnten wir sonst gar nicht bezahlen. Er macht das, weil er da Lust zu hat. Und so ist das bei den meisten Sachen. Unser Hauptanliegen ist einfach, dieser Musik hier in Hannover wieder eine Plattform zu bieten. Oder zumindest einen Punkt, wo sich das Klassentreffen ereignet. Mit Leuten von früher, aber auch mit ganz neuen Leuten. Wir haben auch jetzt schon Anfragen von vier oder fünf anderen Hannoveraner Bands, die gerne gespielt hätten. Also werden wir in Zukunft mit Sicherheit nicht die einzigen bleiben, die in dieser Richtung Veranstaltungen machen.

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externer Link www.nitrofest.de

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