19.12.2012

"Wir haben uns immer wieder aufgerappelt!"

Daniel Sebastian von Sub SoundS im Interview

von Hanna Rühaak, Foto: Pressefreigabe

- In den Straflen von Linden-Mitte geht es weihnachtlich zu: strahlende Lichterketten und bunte Kugeln schmücken die Bäume, der Schnee tut das Übrige. In den Seitenstraflen geht es weniger leuchtend zu, aber dort versteckt sich etwas ganz anderes: Das Büro von Daniel Sebastian, Chef der hannoverschen Booking- und Promotionagentur Sub SoundS.

Zusammen mit vier weiteren Mitarbeitern bildet er das Team rund um Sub SoundS. Vor fünf Jahren gründete Daniel Sebastian die Agentur und seitdem ist einiges passiert. Deswegen traf sich Rockszene.de mit dem gebürtigen Hannoveraner in seinem Sub SoundS-Büro, um darüber zu reden, wie es zur Agenturgründung kam und was in den letzten fünf Jahren alles passiert ist.

Rockszene.de:
Sub SoundS feiert am 28. Dezember fünfjähriges Jubiläum. Daniel, wie bist du darauf gekommen, Sub SoundS zu gründen und welche Ziele hattest du dabei im Auge?

Daniel Sebastian:
Fest geplant war das nie, es hat sich im Laufe der Jahre so entwickelt. Nach meiner Ausbildung bei CMM zum Veranstaltungskaufmann, zog es mich erst mal nach Hamburg. Dort fing ich als freier Mitarbeiter bei Rodrec an. Das ist das Label von Rodrigo Gonz·lez (Anm. d. Red. Bassist bei Die Ärzte). Er hatte das Label zusammen mit Barbara Wetzer, die damals auch das Booking für Die Grofle Freiheit 36 und das Docks machte. Ich hab dort knapp dreieinhalb Jahre Promotiontätigkeiten praktiziert, habe Label- und Bookingarbeit gelernt.

Unter anderem habe ich 2004 die Abwärts-Tour gebucht und diese auch begleitet. Danach wurde es für dann erst einmal Zeit, mir einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen " für eine Weile im Ausland leben. Ganz nach dem Motto: "Jetzt passt es, jetzt bin ich erst einmal weg!", ging ich für ein Jahr nach Australien. Zurück in Hamburg war ich die ersten drei Monate total motivationslos. Ich hatte nach dem Jahr in Australien einen echten Kulturschock. Das ist ein ganz anderes Leben da, ist ja auch am anderen Ende der Welt. Genau in dieser Phase klopfte Martin Kleemann von Artist Station an und zeitgleich fragte auch Marco Linke von CMM, was ich nun vorhabe.

Eigentlich war mein Plan, im Anschluss an ein Praktikum in den Horus Studios bei Artist Station das zu machen, was ich die letzten sieben Jahre gelernt habe. Doch dieses gestaltete sich als schwierig, da Artist Station ein anderes Konzept verfolgt hat und diese Aufgaben eigentlich an externe Partner vermittelt. Die Lösung für diese Zwickmühle hatte Artist Station-Chef Frank Bornemann: "Booking und Promotion, das geht eigentlich nicht, weil das unserem Konzept widerspricht und wir dadurch unseren Partnern konkurrieren. Also sei doch einfach auch Partner!". Das passte perfekt, denn so konnte ich für Artist Station booken und ihre Bands promoten, als freier Mitarbeiter für CMM arbeiten und auflerdem meine eigenen Aufträge annehmen.

Einen ersten Auftraggeber hatte ich damals bereits mit Jimmy Kelly beziehungsweise seiner Plattenfirma Flowfish. Nun war ich also Partner und dabei mich selbstständig zu machen. Sub SoundS ist also im Prinzip im Hause der Horus Studios entstanden, selbst der Name fiel mir dort ein. In den letzten Jahren habe ich mich dann immer mehr auf die Promotion verlagert, denn die Arbeit als Promoter gefällt mir einfach viel besser. Deswegen habe ich heute ja auch einen selbstständigen Booker mit im Boot, aber bring auch in dem Bereich immer noch gerne und jeder Zeit mein volles Knowhow und meine Erfahrung mit ein.

Rockszene.de:
Also hast du im Prinzip für mehrere verschiedene Agenturen gearbeitet.

Daniel Sebastian:
Genau, meine Auftraggeber sind Promotion-Agenturen wie CMM, aber auch Bands " zum Beispiel Transmitter, und Labels, darunter auch Artist Station, nehmen meine Dienstleistungen in Anspruch.

Rockszene.de:
Kann man sich das so vorstellen, dass du wie ein freier Mitarbeiter warst oder warst du irgendwo fest angestellt und hast parallel für andere was gemacht?

Daniel Sebastian:
Ich habe schon damals in Hamburg mein erstes Gewerbe angemeldet und dann als freier Mitarbeiter gearbeitet. Wenn man sagt, dass man auf Selbstständigenbasis arbeitet, ist man ja meistens bei einer Agentur, das war ich nicht. Ich war sozusagen von Anfang an mein eigener Chef und habe für diverse Auftraggeber gearbeitet.

Rockszene.de:
Was gab es bei der Gründung für Anfangsschwierigkeiten? Gab es dadurch, dass du deine Kontakte schon hattest überhaupt Schwierigkeiten?

Daniel Sebastian:
Viele Schwierigkeiten gab es nicht. Ich hatte den groflen Vorteil oder das Glück, dass eine grofle Bookingagentur hier aus Hannover " nämlich K.O.K.S. Music, die unter anderem damals die Schröders und bis heute die Monsters Of Liedermaching bucht " einen Tourpromoter gesucht hat. Jemand der ihre Tourneen und Künstler überregional sowie regional promotet. Also konnte ich gleich von Anfang an mit guten und namhaften Bands zusammenarbeiten. Das gröflte Problem für mich war es, auf einmal den Wert meiner eigenen Arbeit zu definieren und meine Preise so zu kalkulieren, dass ich das verdiene, was meiner Leistung angemessen ist. Da habe ich am Anfang oft eher drauf gezahlt. So war ich zwar günstiger als viele andere Agenturen, aber Full-Service zu Dumpingpreisen, das geht eben nicht lange gut. Irgendwann war ich gezwungen meine Preise anzugleichen, um überleben zu können. Da habe ich dann die Bands, für die es sich sichtbar rentiert hat, behalten. Klar, die ein oder andere Band ist abgesprungen, aber viele von ihnen kamen nach gut einem Jahr wieder zurück, weil sie gemerkt haben, dass sie die Arbeit und Qualität für den Preis nirgendwo bekommen.

Rockszene.de:
Würdest du sagen, dass es das ist, was Sub SoundS besonders macht?

Daniel Sebastian:
Ich glaube das Besondere an Sub SoundS ist wirklich, dass wir uns auf Tourpromotion spezialisiert haben. Wir haben unseren Fokus also nicht auf die Bewerbung physischer Produkte gelegt, sondern haben uns auf den Konzert- und Tourneebereich, also Livebusiness konzentriert. Ich bin der Meinung, dass ich damit eine Lücke gefunden habe, denn ich habe bis heute keine Agentur gefunden, die sich auf Tourpromotion so sehr spezialisiert hat. Andere Agenturen bieten diesen Service auch mit an, aber genau das Wort "auch" ist hier der entscheidende Unterschied. Die meisten groflen Agenturen bestücken nur ihre festen Stammmedien und versuchen noch in die ganz groflen Magazine zu kommen. Klar, das ist im Prinzip auch ein ganz wichtiger Teil guter Pressearbeit, aber für uns eben nur ein Teil.

Wir haben angefangen auch mit den kleinen und lokalen Medien Kontakt aufzubauen, zu pflegen und zu halten. Insofern haben wir ein viel breiteres Spektrum, Band und ihrer Konzerte in den Medien unter zu bekommen. Auflerdem ganz wichtig für uns, wir wollen jede Band individuell betreuen und ihnen die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdienen. Deswegen achten wir darauf, dass wir nicht zu viele Aufträge zur selben Zeit annehmen um den Bands genug Aufmerksamkeit schenken zu können.

Rockszene.de:
Wie sieht denn ein typischer Arbeitsalltag bei Sub SoundS aus?

Daniel Sebastian:
Es ist so, dass wir die Themen, beziehungsweise Künstler, aufgeteilt haben. Das heiflt, dass es einen Head of Promotion gibt, wenn wir eine Tourpromotion durchführen. Der ist für diese Bands zuständig. Ein Abstimmen ist aber extrem wichtig, damit wir einen Medienpartner nicht doppelt kontaktieren. So hat man dann den Vorteil, dass ich als Koordinator nicht alles im Blick haben muss, sondern nur meine Themen und es immer jemanden gibt, der für ein Thema verantwortlich ist. Wir haben irgendwann entschieden, dass wir das nicht nur themenbezogen machen. Weil sich auch unser Personal vergröflert hat, hatten wir die Möglichkeit, Abteilungen zu bilden. Wir spezialisieren uns nicht nur auf zum Beispiel Print oder Radio sondern bieten die ganze Palette. Diese Sparten haben wir aber auch aufgeteilt. Wir sind keine 8-to-5-Agentur, das heiflt, dass wir Gleitzeit haben. Das liegt auch daran, dass viele Medienpartner zur ganz normalen Arbeitszeit erreichbar ist, aber der andere Teil der Medienpartner das hobbymäflig macht, also erst nach der normalen Arbeitszeit erreichbar ist.

Rockszene.de:
Was habt ihr bis jetzt so für gute und schlechte Erfahrungen gemacht? Vielleicht hast du irgendwelche tollen und spannenden Geschichten auf Lager?

Daniel Sebastian:
Die Band Phrasenmäher ist ein sehr gutes Beispiel, sowohl für gute als auch schlechte Erfahrungen. An Phrasenmäher kam ich damals über Sören von Flowfish, für den ich bereits Jimmy Kelly buchte. Er kam zu mir ins Büro, legte eine CD von Phrasenmäher auf den Tisch und sagte "Das ist meine Diplomarbeit, höre es dir mal an! Ich mache jetzt das Management für die Band." "Schön Sören, ich habe gerade meine eigene Agentur gegründet, passt doch perfekt, dann mache ich das Booking und die Promotion für die Band!".

Durch unsere Pressearbeit wurde das Debutalbum auch im Radio gespielt, genau das Medium, über das Andreas "Bär" Läsker auf Phrasenmäher aufmerksam geworden ist. Daraufhin hat er die Band angerufen und wollte das Management übernehmen. Da waren wir alle schnell einer Meinung: Das ist für die Band ein ganz wichtiger Schritt Richtung Professionalität. Das hat sich jetzt so weit entwickelt, dass sie letztes Jahr als Vorgruppe von den Fantastischen Vier aufgetreten sind. Der negative Aspekt dabei war, dass "Bär" Läsker, der ja auch Manager der Fantastischen Vier ist, die ja ihr eigenes Label und eine eigene Bookingagentur haben, über diese Agentur (FourArtists) gebucht werden. Wir waren aber gerade dabei, eine Tournee für sie fertigzustellen.

Von heute auf morgen hat sich dann FourArtists bei mir gemeldet und gesagt "Wir übernehmen jetzt exklusiv das Booking, übermittele uns mal bitte den aktuellen Stand!". Das war natürlich schon sehr negativ für uns, eine Band abzugeben, die gerade bekannt wird und die wir mit aufgebaut haben. Aber wir wollten den Jungs auch keine Steine in den Weg legen. Deswegen haben wir den Auftrag auch ohne zu zögern abgegeben. Und am Ende lohnte es sich für uns doch, denn heute zählt FourArtists zu meinen Auftraggebern. Noch heute machen wir für Phrasenmäher die Tourpromotion, haben sie auch auf der Fanta 4-Tour promotet. Das hat richtig gut geklappt und wir waren schon stolz als zum Beispiel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung stand "Phrasenmäher supporten die Fantastischen Vier in Braunschweig" und nicht "Die Fantastischen Vier kommen nach Braunschweig". Wir machen trotzdem bis heute keine Verträge mit den Bands, sondern vertrauen auf ihre Loyalität.

Ein zweischneidiges Schwert sind auch die Festivals. Hier haben wir leider nicht nur gute Erfahrungen gemacht. So gab es zwei Festivals, die sich finanziell übernahmen und uns am Ende nicht bezahlen konnten. Das hätte für uns beide Male fast die Pleite bedeutet. Das waren klare Rückschläge, aber wir haben uns immer wieder aufgerappelt!

Rockszene.de:
Seid ihr damit bisher denn sonst immer gut gefahren, dass ihr keine Verträge mit den Bands abschlieflt?

Daniel Sebastian
Wir haben einige Male überlegt, wie wir uns mehr absichern können. Wir wollen nicht am Ende viel Arbeit und Zeit in ein Projekt stecken, dessen Früchte dann ein anderer erntet. Aber wir wollen eben auch den Bands ihre Freiheit lassen. Ein erster Schritt zu mehr Sicherheit haben wir jetzt im Bookingbereicht gemacht. Hier arbeiten wir mittlerweile mit einer Kombination aus Provision und fester Arbeitspauschale.

Rockszene.de:
Was heiflt das genau?

Daniel Sebastian:
Booking läuft immer auf prozentualer Basis. Das heiflt, je nach Gröfle der Band, 10 bis 20 Prozent der Gage. Wenn aber keine Shows zustande kommen, kriegst du auch kein Geld, hast aber die Arbeit gemacht, die dir keiner bezahlt. Wir nehmen einen ganz kleinen prozentualen Anteil der Gage und lassen uns dafür eine monatliche Pauschale bezahlen. Somit kriegen wir trotzdem den Lohn für unsere Arbeitszeit. Das ist auch nicht Gang und Gebe im Musikbusiness. Man denkt es vielleicht nicht, aber vieles läuft ohne Verträge.

Rockszene.de:
Zukunftspläne 2013 " wie sieht es damit aus?

Daniel Sebastian:
Was wir sehr gerne hätten wäre eine Band, von der wir komplett überzeugt sind, die von null auf 100 bringen. Das ist uns in der Vergangenheit ja auch schon gelungen. So hätten wir auch wieder ein Zugpferd, um lokale Bands und Newcomer, die wir grofl machen wollen, im Fahrwasser mitschwimmen zu lassen. Des Weiteren will ich unser aktuelles Team halten und erweitern. Wir haben ein sehr tolles Team, wir sind auch privat miteinander befreundet. Das hilft der Moral auch sehr. Wir stoflen aber trotzdem an unsere Grenzen. Wir hätten die Chance sehr viel mehr Aufträge anzunehmen, haben aber die Arbeitskräfte dafür nicht. Ich habe hier zwei Auszubildende, die Annika und den Philipp. Bis die mit ihrer Ausbildung fertig sind möchte ich soweit sein, dass sie mich mal vertreten können. Auch finanziell hoffe ich, ist es dann möglich, die beiden zu übernehmen. Das hat ja mit meiner Angestellten Bahia auch schon geklappt. Ach ja, und ich würde ganz gerne mal wieder in den Urlaub fahren, am besten Snowboarden. Einfach mal wieder Zeit für mich haben. Das ist ein Ziel, das zwar nichts mit Sub SoundS zu tun hat, aber mit mir persönlich (lacht).

Rockszene.de:
Zum ersten Punkt, eine Band zu haben, die als Zugpferd für kleinere Bands dienen soll " habt ihr da eine bestimmte Band im Auge oder ist das eine generelle Sache?

Daniel Sebastian:
Das ist eine generelle Sache. Der Grund, warum ich diesen Job vor 13 Jahren angefangen habe, ist, dass ich die Musik, die ich als gut empfinde, unter die Leute bringen möchte. Ich möchte im Radio nicht nur Britney Spears und den ganzen Bullshit hören, sondern auch gute Musik. Und nicht immer nur die Top 40.

Rockszene.de:
Was ist für dich gute Musik? Was hörst du privat gerne?

Daniel Sebastian:
Sowohl handgemachte Musik als inzwischen auch elektronische Musik. Im Prinzip kann man es nicht auf Genres auslegen, was gute Musik ist oder nicht " das ist Geschmackssache. Aber Popmusik, die für die breite Masse bestimmt ist, wofür der Künstler im Prinzip nicht einsteht und nicht ehrlich genug ist, das ist für mich keine gute Musik. Sondern eine Band, die der Musik zuliebe angefangen hat und nach zehn Jahren den Stil, gerne etwas modernisiert, beibehält und nicht nur für die Massen gefertigt und produziert wird.

Rockszene.de:
Euer Sub SoundS-Festival steht vor der Tür - am 28. Dezember ist es so weit. Was erwarten die Besucher und was erhoffst du dir davon?

Daniel Sebastian:
Das Festival ist eine Fünf-Jahres-Feier als Dank für unsere Partner, für Bands für die wir gearbeitet haben, aber auch für die Presse, mit der Sub SoundS seit fünf Jahren zusammenarbeitet und ich persönlich schon seit 13 Jahren. Es soll für alle ein richtig toller Tag werden. Ich mache das Ganze nicht in erster Linie, um damit Geld zu verdienen. Die Leute sollen sich an diese FÍte zurück erinnern, ich will ein ganz besonderes Event schaffen, das ist mein Ziel. Und ich glaube, dass das der Fall sein wird. Die Bands und die Künstler, die ich für das Festival gebucht habe, sind auch untereinander befreundet. Da wird es durchaus die eine oder andere Überraschung geben.

Rockszene.de:
Klingt gut. Dann vielen Dank für das Interview!

Daniel Sebastian:
Gerne!

www.sub-sounds.com nach oben | zurück