03.12.2010

Kritisch die Welt betrachten - trotzdem Party machen

Ein Interview mit Oliver und Markus von Midas Inc.

von Andreas Haug Foto: Isabel Machado Rios

- Unter den zahlreichen hoffnungsvollen Newcomerbands mit Profi-Ambitionen hat sich in den vergangenen Monaten besonders auch die aus Göttingen und Hannover stammende Band Midas Inc. hervorgetan, die mit ihrem Indie-Gitarren-Disco-Sound das Publikum in so manchen Club und auf einigen Festivals zum Tanzen und Feiern brachte.

Derzeit arbeitet die Band im hannoverschen Horus-Studio an der Vorproduktion ihres Debütalbums, am kommenden Samstag, 4.Dezember werden Midas Inc. als support von Bakkushan vor über 500 Besuchern in einem ausverkauften MusikZentrum spielen.

Einige Tage zuvor konnten wir Sänger Oliver Hennies und Bassist und Sänger Markus Salvador Winter noch fix zum Interview abfangen. Bemerkenswert, dass beide sich nicht im branchenüblichen PR-/Promo-Blabla verloren, sondern wirklich was zu sagen hatten. Aber lest selbstÖ

Rockszene.de:
Midas IncÖ. was steckt hinter dem Bandnamen und wie seid ihr darauf gekommen? Euren Schriftzug ziert eine Krone, in der Bandinfo ist von einer "Königsbande" zu lesen, der es zu folgen giltÖ.

Oliver:
An und für sich würden wir uns freuen, wenn das Nachdenken über unsere Songs bei unserem Bandnamen anfängt. Einfach mal bei Google oder Wikipedia eingeben. Da erfährt man als erstes, dass König Midas aus der griechischen Mythologie stammt und sich nichts sehnlicher wünscht, als das alles was er anfasst, zu Gold wird. Daran geht er dann auch relativ schnell zu Grunde, weil selbst Brötchen und Kaffee zu Gold werden, und er das nicht allzu gut verträgt. (lacht)

Markus:
Vielleicht noch ein Denkansatz: Jeder ist irgendwo Teil der Midas Inc. - das Streben nach mehr, das Streben des Midas nach Gold, nach Gewinn " wir sind ja nun nicht frei von diesen Bedürfnissen in der Gesellschaft. Wir partizipieren an diesem Spielchen in groflem Stile und leiden nicht selten trotzdem darunter. Die Königsbande versucht einen Weg zu finden sich darin selbst zu finden. Im Kern ein ganz zeitloser Ansatz also " nur eben aus unserer aktuellen Gegenwart heraus gedacht. Das Ganze hat sich dann übrigens auch ins Bühnenoutfit niedergeschlagen.

Rockszene.de:
In Hannover ist man durch eure erfolgreiche Teilnahme beim Local Heroes Bandcontest 2009 auf euch aufmerksam geworden, wo ihr bis ins Niedersachsen-Finale vorgestoflen seid und abschlieflend den 2.Platz belegt habt. Anschlieflend habt ihr am Coaching-/Workshopprogramm der LAG Rock, der Bandfactory teilgenommen. Was konntet ihr daraus mitnehmen, aus den Anregungen und Coachings konkret umsetzen?

Oliver:
Eine ganze Menge! Es gibt viele Kleinigkeiten, die man durch professionelles Feedback schnell verbessern kann. Bei unserem Choreografie-Coaching wurde mir zum Beispiel die Bedeutung des Blickkontaktes mit dem Publikum noch stärker bewusst. Auch in unserem Bookingseminar haben wir viele Tricks und Kniffe lernen können, wie man sich eine Zeit lang anständig ohne Bookingagentur durch die Szene schlagen kann.
Man bekommt viele Infos von Leuten die viel Erfahrung haben und hat dabei immer das Gefühl, dass die eigenen Ideen und die Konzepte der Band respektiert werden. Groflartig ist auch, dass man viel Zeit mit den anderen Bands verbringt! Da sind auch einige interessante Bandfreundschaften draus entstanden.

Rockszene.de:
Haltet ihr Coachings und Workshops generell für wichtig oder eher für eine nette Ergänzung? Macht institutionelle Bandförderung viel Sinn oder gilt eher die alte Rock¥n¥Roll Weiflheit, dass Songs angeflogen kommen und sich alles irgendwie von alleine entwickelt und sich dann entscheidet ob eine Band gut ist und Erfolg hat?

Markus:
Uns als Band hat die ganze Förderung auf jeden Fall spürbar einen groflen Schritt nach vorne gebracht. Und zwar eben nicht weil wir da A und B gesagt bekommen haben um es dann 1:1 umzusetzen, sondern weil es uns gut getan hat, eine kurze Zeit intensiv mit einem kleinen Kreis an Professionellen zusammenzuarbeiten.
Natürlich kommen hier und da einige Songs wie von selbst im Songwritingprozess. Doch das ist eben längst nicht das einzige, worauf man bei der Arbeit mit einer Band achten muss, wenn man mit Musik längerfristigen Erfolg haben will.
Wenn sich der Staat oder das Land entschlieflt Popmusikförderung durchzuführen, dann ist das immer eine gute Sache, nicht zuletzt um an einer Qualitätssteigerung in diesem immer noch institutionell vernachlässigten Kulturgebiet mitzuwirken.
Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass aus dem Bandfactoryprogramm in den nächsten Jahren einige interessante Künstler gestärkt hervorkommen und überregional erfolgreich sein werden. Ich hoffe eine Band mit "Midas" und "Inc." im Namen ist dann auch dabei. (lacht)

Rockszene.de:
Eure E.P. trägt den Titel "Party Party" Die Songs: Flotter moderner Indie-Disco-Gitarren-Sound mit Synthesizer und dezenten Elektro-Elementen. Geht¥s euch vordergründig um Unterhaltung, um¥s Partymachen oder gibt es da auch eine Botschaft, die ihr vermitteln wollt?

Markus:
Wir versuchen beide Seiten zu reflektieren und leben als Königsbande " als Gang- irgendwo den Mittelweg vor, nehmen uns da also nicht raus. Der Zuhörer soll z.B. bei "Party Party" erst mal dem beobachtenden Partykritiker folgen - im Song gesungen von Oliver - um dann mit dem Hedonisten - das bin ich " "Party Party Freitag Samstag!" mitzugröhlen und am Ende für sich selbst entscheiden, ob eine dieser beiden Positionen, oder ein Zwischenweg der Richtige für ihn ist.
Ich denke, wir versuchen in diesem Spiel der Extreme auszustrahlen, dass man die Welt kritisch betrachten- und trotzdem "Party" machen kann, und dass das doch eine schöne Perspektive für den Menschen sein kann, der diese Dinge viel zu oft als reine Gegensätze wahrnimmt. In anderen Songs treiben wir dieses Täter " Opfer / Hedonisten " Beobachter Spielchen dann auch weiter und in wieder anderen versuchen wir zu zeigen, dass auch das blofle Reflektieren eines Themas aus Beobachterperspektive sehr entertaining sein kann -und auch solche Gedanken irgendwo geil "feierbar" sind.

Rockszene.de:
Ihr arbeitet im international sehr renommierten Horus-Studio Hannover an eurem Debütalbum Mit wem arbeitet ihr und wie ist der Kontakt zustande gekommen?

Oliver:
Die Vorproduktion für unser Album machen wir mit Arne Neurand und das Engineering übernimmt Benjamin Schäfer. Mit diesem kompakten Team haben wir bereits 2009 sehr erfolgreich an der Party Party EP arbeiten können. Der Kontakt zu beiden und dem Horus Studio kam über Ruben Loos zustande, der dort Studioleiter war als wir die EP aufgenommen haben.

Rockszene.de:
Wann wird voraussichtlich das Album erscheinen und liegt schon Interesse von Plattenfirmen vor?

Oliver:
Wir planen das Album im Herbst 2011 zu veröffentlichen. Dazu versuchen sich gerade verstärkt einige potenzielle Partner in der Musikbranche bei uns ins Gespräch zu bringen. Man darf gespannt sein.

Rockszene.de:
Am kommenden Samstag, 4.Dezember spielt gemeinsam mit der hannoverschen Band Fibre ein Konzert als support für die Tour-Show der Band Bakkushan im MusikZentrum Hannover. Dort werdet ihr wohl vor mehr als 500 Besuchern in einer ausverkauften Halle auftreten. Aufgeregt?

Markus:
Freudig erregt.

Rockszene.de:
Welche Erwartungen habt ihr an das Konzert und was darf das Publikum von euch erwarten?

Oliver:
Wir freuen uns auf die vielen Musikbegeisterten und die besondere Atmosphäre im Musikzentrum und darüber mit zwei groflartigen Bands eine ausverkaufte Halle zum Beben bringen zu dürfen. Das wird auf jeden Fall eines unserer Highlights dieses Jahr sein.

Markus:
Party Party natürlich.

Rockszene.de:
Was macht ihr, wenn ihr nicht mit Midas Inc. im Proberaum, im Studio oder auf der Bühne seid? Gibt es noch Zeit für Hobbies oder Projekte neben der Band?

Markus:
Herr Disco arbeitet momentan viel mit jungen Bands aus Göttingen zusammen und macht mit ihnen u.a. Homerecordings für Demozwecke. Malte und Albert haben gerade Diplomarbeit und Staatsexamen hinter sich und sind glaube ich vorrangig damit beschäftigt sich zu fragen wie man Augenringen am effektivsten beikommt. Hannes hat durch seine Promotionsstelle in Siegen nicht nur genügend Geld regelmäflig zu uns in den Proberaum zu pendeln, sondern auch auf ausgedehnte Shoppingtouren durch die ganze Republik zu streifen. Naja und Olli und ich kritzeln in unsere Notizbücher und sinnieren durch die Lande.

Oliver:
Eigentlich muss man aber sagen, dass neben der Band tatsächlich sehr wenig Zeit für anderes bleibt. Nur das wir das alle als etwas sehr Schönes empfinden.

Rockszene.de:
Vielen Dank für das Interview. Viel Spafl und Erfolg am Samstag im MusikZentrum und für die Zukunft natürlich auch.

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