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Vollblut-Gitarrist und -Gitarrenlehrer aus Hannover: Stefan Schönebeck nahm sich Zeit für ein ausführliches Interview.

„Spiel, was dir Gänsehaut macht“

Im Gespräch mit Gitarrist und Coach Stefan Schönebeck

16.11.2020, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

Der Gitarrist und Gitarrencoach Stefan Schönebeck brennt förmlich für sein Instrument und seine Arbeit als Live-und Studiogitarrist, als Betreiber seiner Musikschule Klangdraht und als Dozent bei der PPC Music Academy in Hannover. Das spürt man sofort, wenn man sich mit ihm über Musik, Bands, Gitarren, Idole und seine individuell entwickelten Lehrmethoden unterhält. Stefan hat bei aller Vielseitigkeit ein Faible für Rock-und Metal. Wir hatten die Gelegenheit, mit ihm ein ausführliches Interview zu führen, das vor allem auch für aktive Gitarristinnen und Gitarristen sehr interessante Sichtweisen bietet. Sowohl für Frischlinge, als auch für alte Hasen.

Rockszene.de: Hallo Stefan, deine Vita und dein Leistungsportfolio lesen sich beeindruckend. Studio-und Live-Gitarrist bei verschiedenen Rock-und Metalbands, Endorsement-und Promoarbeit für unter anderem Gitarrenhersteller. Gitarrenlehrer für verschiedene Musikschulen, Bandcoach, Inhaber einer eigenen Musikschule, Geschäftsführer und leitender Toningenieur eines Tonstudios. Das könnten zeitweilig 24-Stunden-plus-Arbeitstage an. Bist du in allen Bereichen aktuell aktiv oder gibt es derzeit Schwerpunkte?

Stefan Schönebeck: Hi Andreas, zunächst erst mal vielen Dank für das Interview. Schön, dass ich zu Gast sein kann. Ja, wenn ich das selbst so lese, habe ich echt schon vieles Schönes gemacht in meinem Leben. Natürlich liegen zwischen den einzelnen Abschnitten teilweise Jahre und es gab immer neue spannende Aufgaben denen ich mich widmen wollte. Angefangen hat dies um die Jahrtausendwende mit meiner Ausbildung zum Toningenieur in Hamburg.

Die Gitarre war zwar zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre mein treuer Begleiter und doch kam ich dem Wunsch meiner Eltern, zunächst einen technischen Beruf zu ergreifen, zunächst nach. Die Tontechnik war für mich zu diesem Zeitpunkt der logische Kompromiss. Nach der Ausbildung bekam ich eine Stelle bei Spiegel TV als stellvertretender redaktioneller Tontechniker. Von dort aus ging es dann in die Live Technik und später ins Studio, um dort hauptsächlich Film und Werbeton zu komponieren und zu produzieren.

Was hat dich dann von Hamburg zurück nach Hannover gezogen?

Das waren private Gründe. Hier in Hannover leitete ich zunächst zusammen mit Carsten Frank (Galloglass, Human Fortress, Athorn) das Wavelandstudio. Wir wollten uns der reinen Musikproduktion widmen. Bands aufnehmen, handgemachte Musik eben. Carsten und ich spielten dann später auch bei Athorn und veröffentlichten die EP „Liveble Hatred“ und das Album „Phobia“, welches via AFM veröffentlicht wurde. Das Album wurde komplett im Wavelandstudio aufgenommen, gemixt und gemastert.

Trotz relativ ordentlichem Erfolg wollte der musikalische Idealismus sich nicht so recht in barer Münze auszahlen. Da ich für mich ausschloss einen Job „nebenbei“ zu machen, um das Studio zu halten,  zog ich mich aus der Tontechnik dann endgültig zurück. Carsten entschloss sich alleine weiterzumachen. Das Wavelandstudio gibt es bis heute noch. Das macht mich glücklich!

Und wie ging es dann für dich weiter?

Nach einigen Umwegen, stellte sich für mich dann irgendwann endgültig die Frage der Fragen…

Und die lautet wie?

Warum nicht das Hobby zum Beruf machen? Mir war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass ich nicht mehr in einer großen Rockband einsteigen würde. Dafür war ich zu jung. Und auch nicht bei den Jungs und Mädels einer der hochmodernen, generisch zusammengetackerten Metal/Rock Formationen, die von Label-Bossen auf kurzfristigen Erfolg getrimmt werden. Dafür fühlte ich mich zu alt. Auch von der Veröffentlichung eigener Musik wollte ich finanziell nicht abhängig sein. Das hatte ich schon probiert.

Das klingt nach dem berühmten Sitzen zwischen zwei oder mehr Stühlen..

Das kann man wohl sagen. Ich hatte dann die Idee, eine eigene Gitarrenschule zu gründen. Zunächst traf ich mich mit Freunden der Zunft und bekam Einblick in die lehrende Tätigkeit. Ich probierte mich dann an verschiedenen freien Musikschulen in Hannover aus. Als ich dann 2015 genug Erfahrung gesammelt hatte, beschloss ich Klangdraht zu gründen.

Wie hat sich das mit Klangdraht entwickelt? Ihr sitzt doch meines Wissens jetzt auch bei PPC am Alten Flughafen in Hannover-Vahrenheide mit im Gebäude, oder?

Klangdraht ist von dem Angebot her das Resultat aus sämtlichen Anregungen und Wünschen von Schülern und Eltern, die ich in meiner Zeit als freischaffender Musiklehrer bekam. Das Konzept fand glücklicherweise schnell Schüler. So konnte ich mich bereits nach relativ kurzer Zeit vergrößern und zog zunächst nach Linden und schloss mich mit Alex Kohrs und der Achtelbahn kurzerhand zu einer großen „Praxisgemeinschaft“ zusammen. Auf über 100qm konnten wir von Gesang, Schlagzeug, Klavier, Keyboard, Gitarre, Bass, klassischem Schlagwerk viele Instrumente abdecken. Eine richtige Musikschule eben.

Leider kam uns die Corona-Krise dazwischen. Darüber hinaus ist das Haus, indem wir waren, verkauft worden. Dort sollen nun Proberäume entstehen, dessen drastisch gestiegene Mietpreise wir, auch auf Grund der Krise, nicht halten konnten. So kommt es nun, dass wir uns zunächst wieder trennen mussten und Klangdraht sein neues zu Hause direkt bei PPC im Laden fand. Das dies so kurzfristig möglich war, hat Klangdraht gerettet und mein Dank geht an dieser Stelle nochmal an Alex und Robert Mühlbauer, die mich wirklich unterstützt haben, in Ihrem Entschluss mir dort ein neues zu Hause zu geben.

Apropos PPC, du gibst doch an der PPC Music Academy sehr regelmäßig unterschiedliche Gitarrenkurse. Seit wann bist du dabei?

An der PPC Academy doziere ich seit 2017. Robert fragte mich einmal bei einem Besuch von mir im Laden, ob ich nicht Interesse hätte, an der Academy zu dozieren. Durch das gänzlich andere Konzept fand ich die Idee spannend und entwickelte meine ersten Workshops, welche sich nun drei Jahre später zum etablierten Standard an der Academy zählen dürfen. Darüber bin ich Robert und dem Team von PPC und den Dozenten dankbar, welche mir meine Integration in das Academy Portfolio einfach gemacht haben.

Bleibt da noch Zeit für Bands, bist du da aktuell aktiv?

Ja, bei Impuls Live. Eine Showband, 100% live, das hat mich fasziniert. In über 60 Shows im Jahr hatte ich die Gelegenheit, von Gigs in Partyzelten bis zu Arena-Bühnen laute Musik zu spielen und Geld zu verdienen. Wer wünscht sich das nicht?

Privat hat die Musik allerdings etwas gelitten. Der Entscheidung, sein Können am Instrument zu monetarisieren fiel leider auch meine letzte Band, Magna Mortalis, zum Opfer.
Absolut tolle Jungs, tolle Mucke, aber durch meine vielen Jobs und wenig Zeit, war ich den Jungs mehr hinderlich als förderlich. Sie bringen nächstes Jahr übrigens eine neue Platte raus.

Mich hat die Krise natürlich im Livebereich genauso hart getroffen wie meine Kollegen. Keinen Auftritt zu spielen dieses Jahr schlägt nicht nur auf den Geldbeutel, sondern auch auf das Gemüt.

Wie bist du eigentlich ursprünglich mal zur Musik und zur Gitarre gekommen, gibt es da ein Schlüsselerlebnis und wie kam es dazu, dass du dich für eine professionelle Laufbahn entschieden hast?

Tatsächlich gibt es einen Schlüsselmoment. Eines Tages, da war ich so 13-14 Jahre alt, kam mein Onkel mit einer Konzertgitarre vorbei. Dazu gab es das Lehrbuch von Deutschlands bekanntestem Gitarrenlehrer, mit Hörbeispielen auf Platte. Er sagte mir, dass er in zwei Wochen wiederkomme und wenn ich keine Lust auf die Gitarre hätte, er sie dann wieder mitnähme. Tja und was soll ich sagen. Jetzt bin ich 39 und noch immer voll dabei! (lacht)


Mich beruflich für die Musik zu entscheiden war schon etwas schwieriger. Die Gitarre packte mich sofort und wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre ich sofort Musiker geworden, nur getraut habe ich mich damals einfach noch nicht. Man geht ein Risiko ein, wenn man etwas zum Beruf macht, was man liebt. Funktioniert es nicht, leidet man unter dem was man liebt und früher oder später liebt man es nicht mehr. Dieses Risiko war ich mit 18-19 Jahren noch nicht bereit einzugehen. Die Tontechnik war zunächst der Kompromiss aus Musik und einem technischen Beruf.

Uns interessiert vor allem deine Position und Tätigkeit als Gitarrenlehrer und Coach.  Gib uns doch bitte einen kurzen Überblick über deine Arbeit und wie sich deine Tätigkeit als Gitarrenlehrer etwa bei der PPC Music Academy und der bei Klangdraht unterscheidet.

Die Konzepte von Klangdraht und der PPC Academy unterscheiden sich grundlegend voneinander. Bei Klangdraht unterrichten meine Mitarbeiter und ich die Schüler vorwiegend im Einzel- oder Doppelunterricht. Durch die Informationen die uns ein Schüler in der Probestunde über seinen Musikgeschmack und bevorzugte Lern- und Zwischenziele gibt, schustern wir ihm ein individuelles Lernkonzept zusammen, welches ihn genau an das Ziel bringt, welches er zu erreichen erhofft.

Wir gehen weg vom klassischen Frontalunterricht und passen uns den Wünschen des Schülers an. Er kann seine Fortschritte und Materialien bequem über seine eigene Landingpage auf unserer Webseite abrufen und sich dort auch mit uns in Verbindung setzen, falls er außerhalb seines Unterrichts einmal Fragen hat. Das Konzept ist stets modular aufgebaut und flexibel. Kurz: Es ist ein hochindividuelles Konzept.

 Die PPC Academy hingegen vermittelt Themenkomplexe in einem ausgelegten Intensivkurs über einen oder mehrere Tage. Diese Intensivkurse richten sich an Lernbegeisterte, welche zu einem Thema bestimmte Fragen haben, oder einmal in ein bestimmtes Thema hineinschnuppern wollen, um sich anschließend wieder mit neuem Wissen autodidaktisch oder mit einem Lehrer weiterzubringen. Die Kurse sind in sich abgeschlossen. Die Lernintensität ist dort, auf Grund der begrenzten Zeit, relativ hoch. Es gibt aber zu jedem Kurs und für jeden Teilnehmer ein detailliertes Handout, in dem alle vermittelten Inhalte didaktisch aufbereitet sind. Dies kann der Teilnehmer mitnehmen und sich zu Hause in Ruhe nochmal zu Gemüte führen.

Durch diese unterschiedlichen Konzepte können die PPC Academy und Klangdraht nicht nur friedlich koexistieren, sondern auch voneinander profitieren. Viele meiner Schüler nutzen zum Beispiel auch die angebotenen Kurse an der Academy.

Außerdem eignen sich gerade auch die Einsteigerkurse an der Academy mit der Möglichkeit, sich Instrumente für den Kurs und die Arbeit zuhause auszuleihen, hervorragend um in ein neues Instrument kennenzulernen.  

Ich versetze mich mal in die Lage eines jungen Menschen, der sich im schulischen Umfeld oder privat mit einer einfachen Akustikgitarre ein paar Lieder draufgeschafft hat. Grifftabellen, einfache Akkorde, mal was von Freunden abgeschaut, vielleicht ein Gitarren-oder Liederbuch. Ein bisschen zupfen, anschlagen und dazu singen. Dann kommt der Wunsch nach mehr, Rock oder Pop in einer Band zu spielen. Eine E-Gitarre und ein Verstärker müssen her. Wie finde ich für mich das richtige Instrument? Viele orientieren sich in dieser Hinsicht oft nach ihren Idolen, was die so spielen. Muss ja gut sein, oder?

Das ist tatsächlich schon kein falscher Ansatz. Ein Metal-Gitarrist wird einfach einen riesen Bogen um eine Bluesgitarre machen, genauso wie anders herum. Man setzt sich ja meist mit den Bands, die man mag, auseinander. Man mag ja schon den Sound auf Platte, oder bei einem Livekonzert. Es ist daher von Vorteil, bereits mit einer gewissen Vorstellung zum Fachhändler seines Vertrauens zu gehen, auch, weil man dort die Produktvielfalt auf eine bestimmte Kategorie eingrenzen kann.

Hast du da einen Tipp für den Einstieg?

Eine gute E- Gitarre und einen simplen Verstärker zu Anfang. Eierlegendewollmilchsäue gibt es zwar und sind selbstverständlich preislich attraktiv.  Da gibt es schon mal viel Geraffel fürs Geld. Aber letzten Endes überfordert man sich auch relativ schnell damit. Hat man bereits etwas Erfahrung, ist das kein Thema mehr. Aber man soll ja üben und das Instrument spielen und nicht stundenlang am Sound rumdrehen…

Es gibt heutzutage unfassbar preisgünstige E-Gitarren oder Einsteiger-Pakete im unteren dreistelligen Euro-Bereich. Taugt das was? Und gleich hinterher geschickt die Frage: Es gibt Leute, die kaufen sich E-Gitarren in Online-Shops und lassen sie sich nach Hause schicken. Ein alte Weisheit sagt aber, man muss Gitarren im Laden selbst spielen, fühlen und wenn man sich für ein Instrument entscheidet, dann auch genau die im Laden gespielte Gitarre mitnehmen, weil angeblich jede Gitarre anders ist, individuell klingt. Wie siehst du das? Ein alter Mythos oder kann man Markengitarren auch ohne Weiteres online kaufen, ohne diese vorher angespielt zu haben?

Lasst die Finger von solchem Paket-Gedöns denn: Die Fertigungstoleranzen sind bei der Billigware sehr groß. Die Gefahr ein Instrument zu erwischen, welches schlecht eingestellt und damit schlecht bespielbar ist und dazu auch noch schlecht klingt, trübt einem den Spaß, gerade am Anfang, enorm.

Ich sage nicht, dass man gleich mehrere Tausend Euro auf den Tisch legen muss, aber auf die Balance kommt es an. Eine Klampfe für 1000 Euro gespielt in einen Verstärker für 50 Mark klingt genauso murks wie anders herum. Es sollte sich die Waage halten. Aber mit einem Gesamtbudget von 700 Euro für Gitarre und Verstärker bekommt man bereits etwas, was einem lange Freude bereiten kann.

Und nun zu der Weisheit: Ja sie stimmt. Ich würde keine Gitarre kaufen, die ich vorher nicht im Laden gespielt habe. Und das nicht nur, weil es mir ein persönliches Anliegen ist, dass der Einzelhandel nicht stirbt. Ich besitze keine einzige Gitarre, wo der „Funke“ nicht übergesprungen ist. Jede Gitarre hat Ihre eigene Geschichte und sie ist Ausdruck von Emotionen. Und Emotionen kann man nicht im Internet bestellen – sie entstehen vor Ort.

Auch Markengitarren unterscheiden sich voneinander, auch wenn die Hersteller mittlerweile bestrebt sind Toleranzen so gering wie möglich zu halten.

Als nächstes kommen Verstärker und Effektgeräte an die Reihe. Ob am Anfang oder nach einiger Zeit Erfahrung möchten viele eine bestimmte Soundvorstellung umsetzen, orientieren sich dabei oft an populären Gitarristen. Dann müssen ganz bestimmte Gitarren, Verstärker und Effektgeräte her. Man hat das ja vorher vielleicht in Interviews gelesen, die berühmte Gitarristen in Fachmagazinen gegeben haben, was da so alles an Gear zum Einsatz kommt. Nicht selten kann sich der normal sterbliche Musiker das alles sowieso nicht auf einen Schlag leisten. Wie wichtig schätzt du Equipment ein, worauf kommt es wirklich an und irgendwie heißt es doch auch, der Ton und Sound kommen letztlich beim Musiker aus den Händen und Fingern und aus dem originären Instrument? Hast du einen Tipp oder eine Strategie, wie man sich in Sachen Equipment am besten aufstellen sollte? Hängt das auch entscheidend mit dem Musikgenre zusammen, in dem man sich bewegt oder bewegen will?

Was viele bei der Auswahl an Verstärkern und Effekten vergessen ist das Tonstudio im Hintergrund der Produktion. Man himmelt ja meistens einen bestimmten Sound an, den man Live oder auf Platte gehört hat. Und hier vergessen viele, dass man weitaus mehr hört, als nur den Verstärker x oder Effekt y. Es ist die gesamte Signalkette aus:

Mensch -> Gitarre -> Verstärker -> Lautsprecher -> Mikrofone -> Mischpult -> Tontechniker -> Post Processing – um mal das Gröbste zu nennen.

Ein Verstärker nebst Box im Proberaum, kann einem höchstens eine Andeutung geben.
Niemals darf man dabei den menschlichen Faktor außer Acht lassen. Wenn ich einmal die Ehre hätte die Gitarre von Brian May nebst einem wundervollen 1969 VOX AC30 zu bespielen, ich würde nach Vielem klingen, aber bestimmt nicht nach Brian May.

Und wie sollte man dann deiner Meinung nach am besten vorgehen?

Aus meiner Sicht ist es daher sinnvoll auszuprobieren. An seinem eigenen Sound zu arbeiten. Das Equipment seiner Helden kann ein guter Ansatz, doch niemals das Ziel sein. Effekte und Verstärker kommen und gehen und die Erfahrung steigt mit jedem Mal.

Als Gitarrist geht man eine symbiotische Beziehung mit seiner Gitarre, Verstärker und Effekten ein. Das das Setup welches jemand anderem Gänsehaut macht auch Dir Gänsehaut macht, sei mal dahingestellt. Falls ja: Dann ist alles gut. Falls nein: Probiere weiter aus!

Spiel, was dir Gänsehaut macht! Das gilt genreübergreifend.

Welche Gitarristen oder Gitarristinnen sollte man mal gehört haben im weiten Feld des Rock und Pop einschließlich Metal, verschiedene Core-Stilistiken, Progressive oder auch Punk? Gibt es bestimmte Songs, deren Gitarrenarrangements sich für eine nähere Auseinandersetzung oder das eigene Üben besonders lohnen? Hast du da Tipps?

Diese Frage würde ich so gerne konkret beantworten. Es hängt leider maßgeblich davon ab, was man selbst an Stilistik und Ton für sich als schön empfindet.
Es empfiehlt sich aber, gerade in Hinblick auf Komposition, die Arrangements seiner Helden näher zu beleuchten. Hier kann man viel herausfinden, was einen später in seinen eigenen Kompositionen weiterbringt. Oder man kann sich Licks und Riffs zu eigen machen und sie in seinen eigenen Songs rekombinieren. Die Analyse seiner Helden lohnt sich daher immer.

Bei der PPC Music Academy gibst du einige spezielle Kurse, wie beispielsweise „Wie spiele ich ein geiles Solo?“ Die Angebote sind, was die Teilnehmenden angeht, recht offen gehalten. Anfänger, Fortgeschrittene, Wiedereinsteiger. Wie funktioniert das, alle unter einen Hut zu bekommen?

Der Kurs „Wie spiele ich ein geiles Gitarrensolo“ ist ein hervorragend gewähltes Beispiel für das offene Angebot zwischen Anfängern und Fortgeschrittenen. Man sollte sich nämlich die Frage stellen, was ein geiles Solo überhaupt ausmacht. Manchmal braucht man gar nicht so viele Töne um eine schöne Geschichte zu erzählen. Für den einen reichen drei Töne richtig kombiniert, für den anderen muss es shredding sein.

Aber meine Kursteilnehmer sind ja meist unzufrieden mit Ihrem eigenen Spiel und wollen sich im Kurs Tipps abholen. Und ein schönes Solo folgt genreübergreifend bestimmten Abläufen, um „schön“ zu klingen. Hier bekommt die Improvisationsmethodik auch einen großen Stellenwert beigemessen. So bin ich in der Lage, den Blues-, oder auch den Metal-Gitarristen, den Anfänger und den Fortgeschrittenen gleichermaßen abzuholen und ihnen Methoden zu vermitteln, die sowohl allgemeingültig als auch geeignet sind, die Teilnehmer an Ihrem Spiel wachsen zu lassen, auch in Hinblick auf Komplexität.

Welche Kurse sind am stärksten nachgefragt und kannst du dir vorstellen, warum das so ist?

Am meisten Nachgefragt sind derzeit die Kurse: „Wie spiele ich ein Geiles Gitarrensolo?“, dann „Modes im Leadgitarrenspiel“ und schließlich „Let´s Play Guitar Together“.

„Wie spiele ich ein geiles Gitarrensolo?“ ist deshalb so interessant, weil man in seinem Lernprozess häufig an einen Punkt kommt, an dem es nicht weitergeht. Ständig hat man das Gefühl, man spielt immer das Gleiche. Dieser Kurs richtet sich genau an diese Gitarristen. Wir erweitern hier das Wissen rund ums Solospiel und Improvisation, genereübergreifend, in jeder  Stufe des eigenen Könnens.

„Modes im Leadgitarrespiel“ baut auf den ersten auf. Hier ist schon ein gewisses Maß an Vorkenntnissen gefragt. Neuen Teilnehmern, die ins kreative Solospiel einsteigen wollen, wird daher empfohlen, zunächst den ersten Kurs zu besuchen. Wir beschäftigen uns hier mit einer anderen kreativen Art des Solospiels. Anderen Sounds anhand von bestehendem Wissen zu erzeugen und darauf aufzubauen – eben modalem Spiel.

Der „Let´s Play Guitar Together“ Kurs ist unser Kurs für jeden, der einfach mal mit seiner Gitarre in einer Gruppe, begleitet durch mich, Songs spielen möchte. Egal ob E- oder Akustikgitarre, Jung oder Alt. In der Gruppe erarbeiten wir uns gemeinsam ausgewählte Songs und spielen sie dann gemeinsam und singen dazu. Der perfekte Kurs, um sich ein kleines Set draufzuschaffen und dieses daheim der Familie vorzutragen.

Und nun ein ganz spezielles Thema mit ein paar Fragen dazu: Wie gehst du mit Leuten um, die vielleicht schon seit 20, 30 Jahren Gitarre spielen, sich ursprünglich autodidaktisch gewisse Techniken, etwa für die rechte Hand angeeignet haben, die zwar nicht zwingend schulmäßig korrekt sind, aber für die Musiker für einige Anwendungen, etwa Rhythmusgitarre, teils hervorragend funktionieren? Nun kommen diese speziellen Leute mit ihrer individuell vertrauten Anschlags-und Plektrumhaltung in Schwierigkeiten, eine Tonleiter flüssig zu spielen oder ein Solo. Wechselanschlag einzelner Saiten in der rechten Hand? Nur schwer umsetzbar. Man bleibt gefühlt in Saiten und an Bundstäbchen hängen, wie in einer Stacheldrahtsperre. Muss man diese Musiker motorisch oder im Gehirn umpolen oder geht es auch mit einer Kombination aus schulmäßiger Technik und intuitiv angeeigneter?

Ich denke, dass es ganz wichtig ist, diese Leute nicht zu demotivieren und zu entmutigen, dass all die Jahre harten Trainings umsonst waren und nur mein Weg, den Königsweg darstellt. Es gilt, jeder Mensch ist unterschiedlich, jede Hand ist anatomisch leicht unterschiedlich und es gilt in erster Linie das, was einem guttut.

Wenn man allerdings mit seiner Technik an die Grenzen stößt, so sollte man sich offen für Neues zeigen. Klappt eine Technik x beim Rhythmus super, aber beim Solospiel nicht dann gebe ich Hilfestellung zur richtigen Handhaltung, ohne die liebgewonnene zu denunzieren. Der Schüler wird später selbst feststellen, ob er an seiner ursprünglichen, vermeintlich falschen,  Haltung etwas ändern will.

Es gibt nicht die eine Haltung für alles. Verschiedene Techniken erfordern verschiedene Haltungen. Sich frei zu machen von starrem Stoizismus und sich stets offen zu zeigen, ist die größte Lektion beim Erlernen der Gitarre. Nur so ist konstanter Fortschritt möglich.

Du bietest auch Seminare und individuelle Coachings  in den Bereichen Harmonielehre Komposition, Arrangements an. Stößt man beim Komponieren mit der Gitarre nicht relativ schnell an seine Grenzen, vor allem im Vergleich zum Klavier? Sollte man als Song schreibender Gitarrist nicht sogar zusätzlich Klavier lernen?

Die Gitarre bietet einem alles was man braucht. Sie ist lediglich etwas anders und nicht so leicht durchschaubar aufgebaut wie das Klavier. Aber hat man das System dahinter einmal begriffen, geht das Komponieren oder die Vermittlung von Theorie genauso leicht von der Hand wie am Klavier.

Das Klavier wird gerne in der Popular-, Film-, Spiel- und Werbetonkomposition genutzt. Mit dem Computer via MIDI direkt verbunden, kann man ohne großen Aufwand sofort komplexere Arrangements kreieren und nachbearbeiten. Dabei geht es aber in erster Linie um Geschwindigkeit. Frei nach dem Motto: Zeit ist Geld. Es ist nicht das Thema, dass es prinzipiell nicht auch auf der Gitarre möglich, oder komplizierter wäre. Wer also gerne als Komponist arbeiten möchte, sollte sich etwas –oder auch etwas mehr- Klavier draufschaffen. Für das reine Verständnis von Harmonielehre Komposition, Arrangements benötigt man es aber nicht.

Wie sind deine persönlichen, kurz-wie langfristigen Pläne als Musiker, speziell als Gitarrist und Coach?

Mein kurzfristiger Plan ist momentan, wie leider bei so vielen anderen Kunstschaffenden auch, zu überleben.

Die Krise reißt ein großes Loch in die Auftragsbücher, der ganze Livebereich liegt brach. Wäre ich ausschließlich von der Livebranche abhängig – es würde mich jetzt nicht mehr geben. Wahrscheinlich wäre ich dann stellvertretender Kartonzereißer in irgendeiner großen Lebensmittelkette. Aber Gott sei Dank ist dem nicht so. Wir rücken enger zusammen ja, aber es gibt uns noch, die kleinen Schulen, die Academy, unsere Schüler und Workshopteilnehmer, die uns unterstützen und weiter lernen wollen. Dafür bin ich dankbar.

Für die Zukunft wünsche ich mir, wieder auf der Bühne stehen zu können, Menschen zu begeistern, den Unterricht wieder normal und ohne Auflagen aufnehmen zu können. Ich hoffe darüber hinaus, dass ich mein Workshopangebot erweitern kann und eine engere Zusammenarbeit der PPC Academy und Klangdraht damit ermögliche. Ich wünsche mir die musikalische „Praxisgemeinschaft“, welche die Krise nun in verschiedene Stadtteile geschleudert hat, wieder zusammenzuführen. Ich träume von einem großen Kompetenzzentrum für Musik in Hannover, bei und mit PPC am Alten Flughafen.

Danke für deine Zeit und das Interview!

Ich habe zu danken! Lasst es euch gutgehen und bleibt gesund!

 


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externer Link www.klangdraht.de
externer Link www.ppcmusic.de/academy.html
externer Link www.facebook.com/Gitarrenunterricht.Hannover....

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