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Die Americana-/Rootsrock-Band High Fidelity um Sänger Tom Wisniewski, hier beim live2home.de-Streaming-Gig, macht das beste aus der konzertfreien Zeit.

Kreative Krisenbewältigung

Ein Interview mit Tom Wisniewski von High Fidelity

30.04.2020, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Torsten Block

Seit 2017 gibt es die hannoversche Americana-/Folk- und Roots-Rock-Band High Fidelity mit ihrem in der Region unverwechselbaren West-Coast-Sound. Am 18. April haben sie ihre aktuelle Single „Let It All Out“ veröffentlicht, die sie auch bei ihrer Livestream- Show von live2home erstmalig präsentiert haben. Am 8. Mai gibt es noch ein Live-Streaming Konzert in größerem Umfang. Die freie Zeit möchten sie dafür nutzen, an einem kompletten Album zu arbeiten. Wenn alles nach Plan läuft, soll die neue Platte Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres erscheinen. Wir haben rund um ihren Auftritt bei live2home.de Anfang des Monats mit Sänger Tom Wisniewski gesprochen.

Rockszene.de: Wie kam es dazu, dass ihr bei live2home.de mitgemacht habt?

Tom Wisniewski: Anca Graterol hat mich an Torsten Block, der das alles organisiert, vermittelt. Sie hatte uns gefragt und das Angebot haben wir gerne angenommen, weil wir ja in der Corona-Krise auch alle unsere Konzerte verschieben mussten. Das war eine schöne Gelegenheit, wieder zu spielen. Und es ist natürlich noch für einen guten Zweck.

Warum sind diese Wohnzimmer-Konzerte gerade jetzt super wichtig?

Für die Bands ist es mal wieder gut, auf einer Bühne zu stehen und zu performen. Im Moment ist es bei uns auch so, dass wir uns nicht mal richtig zum Proben treffen können, weil wir zu viert sind. Es ist einfach schön, wieder was zu spielen und den Auftritt für Zuschauer zu streamen, damit die uns auch mal wieder sehen können. Eigentlich war geplant, im April hier eine Show zu spielen. Das musste natürlich alles in den Dezember verschoben werden. Die Hannover Show wird am 12. Dezember im LUX stattfinden. Somit ist das eine coole Gelegenheit, ein Lebenszeichen zu geben (lacht).

Wo probt ihr normalerweise?

Wir proben immer in der Glocksee. Gegenüber vom Café sind ein paar Räume. Da sind wir vor ein paar Jahren durch Kontakte reingekommen. Das ist echt ganz cool, weil man da bis in die Nacht Lärm machen kann (lacht).

Da sind wir auch ein bisschen vernetzt. Der Fury-Gitarrist Christof Stein-Schneider sitzt da auch. Und so konnten wir auch mal bei Ruby Tuesday spielen in der Glocke.

Schaut ihr selber auch Wohnzimmer-Konzerte? Da kommt man ja kaum hinterher, weil es so ein großes Angebot gibt.

Ja, es gibt viele coole Angebote: Leute, die gerade auf Tour waren, und jetzt zwangsweise in Quarantäne sind, setzten sich kreativ in Wohnzimmern zusammen und machen einfach ein bisschen Musik. - Bis hin zu richtigen Konzerten. Ja, wir verfolgen das auch ein bisschen.

Wen schaust du persönlich im Livestream?

Band of Heathens, eine Band aus Texas. Die machen ganz coole Musik. Dota hatte ich gesehen. Die hat jetzt auch ein neues Album „Kaléko“ rausgebracht, was auch ganz schön ist.

Habt ihr in Zukunft vor, noch mehr solche Wohnzimmer-Konzerte zu machen oder vielleicht sogar selbst zu streamen?

Ja, wir wollten das eigentlich auch mal selber initiieren. Wir hatten da auch schon eine Idee von einem kleinen Skype-Video oder so. Das wird wahrscheinlich auch noch eventuell kommen. Vielleicht Ende des Monats, weil wir am 18. April auch noch eine Single releasen bei Spotify und dazu eventuell noch ein kleines Video machen wollen. Die Single heißt „Let It All Out“, lass es alles raus. Ein bisschen ironisch gerade, da man nicht alles rauslassen kann (lacht).

Aus der Faust haben wir auch noch ein Livestreaming-Angebot bekommen. Das schießt jetzt echt wie die Pilze aus dem Boden. Die wollen auch versuchen, dass man in den Clubs noch irgendwas auf die Beine stellt. Weil die richtigen Shows ja weggebrochen ist. Eventuell machen ich und der andere Gitarrist das nur zu zweit akustisch (Anm. d. Red.: Wir berichteten über ihren Auftritt bei Faust-TV).

Ich hoffe mal, dass das auch so bleibt mit den Livestream-Konzerten. Das ist zwar aus der Krise entstanden, aber es wäre schön, wenn es auch danach noch bleiben würde. Natürlich ist das anders, als ein Konzert anzugucken und live dabei zu sein, aber es ist auf jeden Fall auch eine ganz coole Möglichkeit. Gerade auch für Bands, die vielleicht noch nicht auf einer hohen professionellen Schiene sind, um sich dort zeigen zu können.

Ihr habt jetzt eine neue Single „Die For You“ draußen. Was kommt als nächstes für euch?

Im Moment ist es alles schwer zu planen. Wir haben sieben Songs aufgenommen, darunter auch die Single, die im April rauskommt. Die Überlegung ist jetzt, diese Zeit zu nutzen, in der man keine Konzerte spielen kann, um neue Songs zu schreiben und ins Studio zu gehen, vielleicht noch drei weitere Songs aufzunehmen und dann eventuell ein Album zum Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres zu releasen. Vielleicht könnte man das auch als Vinylscheibe machen, weil das auch oft angefragt wird, gerade bei unserer Musik. Das ist ja alles eher so retro. Dafür haben wir auch schon Cover gemacht, das unsere Freundin Ciara Engelhardt fotografiert hat.

Sonst versuchen wir, jetzt einfach coole Streaming-Konzerte mitzunehmen. Am 8. Mai gibt es eine komplette Live-Show von uns zu sehen. Gesponsert wird das Ganze durch HSP. Mal gucken, wann sich alles wieder normalisiert.

Das kann ja jetzt noch keiner wirklich sagen.

Ja, es ist echt schwierig für alle, auch für die Veranstalter und Clubs. Mit sowas hat ja auch niemand gerechnet, dass es so krass eskaliert.

Wie waren eure Anfänge als Band?

2017 war das erste Konzert zu viert. Ich hatte davor mit Moe, dem Gitarristen, schon zu zweit was gemacht.

Wie habt ihr euch alle gefunden?

Moritz und ich kennen uns seit der Schulzeit, hatten auch die erste Schulband zusammen. Nils kannten wir über den Freundeskreis. Der war Bassist bei den Violent Girls, deswegen haben wir ihn gefragt. Unseren Drummer, Sven, habe ich bei Linden Legendz, dieser Jam Session in der Glocksee, gesehen und ihn einfach gefragt, ob er sich vorstellen könnte, mit uns zu jammen.

Musik in eurer Richtung spielen ja auch nicht so viele Bands in Hannover.

Ja, das würde ich auch so sagen. Wir nennen das ja Folk-Rock/Roots-Rock/West-Coast-Sound, bluesig und so – das gibt es eigentlich hier echt wenig. Es gibt in Holland eine ganz gute Szene für so eine Mucke. Klar, in Amerika, England gibt es mehr sowas, aber hier echt eher wenig. Was ja auch eigentlich ganz gut ist. Dann hat man für sich eine kleine Nische, womit man ein bisschen raus sticht.

Wie habt ihr euren Stil gefunden? War von Anfang an klar, dass ihr diesen Stil machen wollt?

Das hat sich so ergeben. Jeder bringt was mit rein. Ich komme mit meiner alten Band Kneeless Moose mehr aus dem Blues/Blues-Rock/leichtem Stoner. Moe kommt aus dem Country- und Folk-Bereich. Wir schreiben die Songs zusammen; er macht die folkigeren Nummern und ich mehr die bluesigen. Nils kommt aus dem Brit-Pop und Sven aus dem Funk-Bereich. Das ist eigentlich eine lustige Mischung (lacht).

Gibt es sonst noch etwas, das eure Fans sich nicht entgehen lassen sollten?

Es gibt ein ganz cooles YouTube-Video von einer Live-Session, das wir im Februar aufgenommen haben. „Rhythm `n` Leaves“ - ein neuer Kanal von einem Kumpel von uns (Anm. d. Red.: Wir berichteten). Die Aufnahmen sind oben im Studio vom MusikZentrum entstanden. Den Raum haben die mit Pflanzen schön verziert, sodass es aussieht wie im Dschungel (lacht). Die haben das ganz frisch aus dem Boden gestampft.

Da war der Plan, jeden Monat ein Video rauszuhauen, was natürlich erstmal blockiert ist. Ein paar Sachen haben die schon aufgenommen, die sie jetzt auch nach und nach rausbringen. Das wollen sie auf jeden Fall noch weiter machen und haben einen kleinen Channel – ein bisschen so wie NPR Tiny Desk Concerts.

Sind das Leute aus dem MusikZentrum?

Ja, zwei haben da ihre Ausbildung zum Tonmischer gemacht. Und der eine ist ein ehemaliger Band-Kollege von mir von Kneeless Moose, Leon Mache. - Unser Bassist bei Kneeless Moose und ein alter Freund, der mittlerweile in Berlin lebt. Er ist gerade viel im HipHop-Bereich am Start mit seiner Band Wyl, die da auch schon eine Session gemacht hat.


INFO-BOX

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externer Link www.youtube.com/watch?v=WpUl4BuRDa8&feature=y...
externer Link www.youtube.com/watch?v=sEnOY2uNakk

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