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Hören, inhaltlich verstehen und in Gebärdensprache übersetzen - Jana Blume muss bei ihrer Arbeit alles miteinander vereinen.

Mit den Händen tanzen

Im Gespräch mit Gebärdensprachdolmetscherin Jana Blume

18.11.2019, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Andi Weiland

Das W:O:A Wacken ist meist heiß, schlammig und sehr laut. Auf Festivals und Konzerten ist die Musik ein wichtiger Faktor, der Gefühlswelten ins Wanken bringen kann. Doch nicht nur das Gehör ist von entscheidender Bedeutung, besonders dann, wenn man als Gehörloser die Musik nicht durch ihre Töne wahrnehmen kann. Auch die Gebärdensprache kann eine große Bandbreite von Genres und Stimmungen erfassen, die in den Lyrics und manchmal auch zwischen den Zeilen mitschwingen. Jana Blume aus Langenhagen ist Gebärdensprachdolmetscherin und stand schon auf diversen Bühnen neben der Band, um die Musik Gehörlosen zu vermitteln. Für uns nahm sich Jana Zeit für ein Interview.

Rockszene.de: Wie bist du Gebärdensprachdolmetscherin geworden?

Jana Blume: Ich habe mich schon als Kind für die Gebärdensprache interessiert und war total fasziniert von ihr. In meinem Leben gab es immer mal wieder Berührungspunkte mit gehörlosen Menschen und irgendwann habe ich den Entschluss gefasst einen VHS-Kurs zu machen. Seitdem war mein Berufswunsch klar und mein Traumjob gefunden. Ich habe dann eine Ausbildung zur Gebärdensprachdolmetscherin gemacht und seit zehn Jahren arbeite ich nun schon in diesem Beruf. Seit diesem Jahr bin ich ein Teil des Teams von #diemitdenHändentanzen.

Kann man auch Instrumentalmusik für Gehörlose dolmetschen?

Ich persönlich finde das schwierig und finde vor alle in dem Kontext passt das Wort „dolmetschen“ nicht. Ich kann anzeigen, ob schnell oder langsam und welches Instrument gespielt wird, ob die Töne hoch oder tief sind, aber das hat nichts mit einem Dolmetschprozess zu tun. Musikdolmetschen ist sowieso ein schwieriger Begriff. „Die Musik gebärdensprachlich begleiten“ passt besser, finde ich.

Du hast schon beim W:O:A Wacken gearbeitet – Was war das für ein Gefühl?

Unglaublich spannend! Das W:O:A ist das größte Metalfestival und da dabei zu sein war einfach richtig toll und abgefahren. Bisher kannte ich nur die Seite des Festivalbesuchers und jetzt mal zu sehen, was da alles hinter den Kulissen passiert war sehr aufregend - und natürlich auch mit auf der Bühne stehen zu dürfen.

Welche Herausforderungen bringt dein Beruf mit sich?

Das Simultandolmetschen ist vor allem eine geistige Herausforderung. Ich muss das Gesprochene hören, inhaltlich verstehen und dann in die Gebärdensprache übersetzen, während der Redner weiterspricht. Ich muss also sehr viel gleichzeitig machen und mir viel merken. Bei Konzerten sind natürlich auch noch viele andere Faktoren wichtig. Es geht nicht nur um den Text, sondern auch um den Rhythmus und die verschiedenen Instrumente. Außerdem muss ich die Gebärden viel größer ausführen, als in einem anderen Setting.

Neben wem würdest du gerne mal auf der Bühne stehen?

Meine Liste ist sehr lang. Aber eine Band, bei der das taube Publikum sicherlich auch viel mitnehmen kann, ist Rammstein. Man denkt ja ständig nur: „Oh, wer brennt wohl als Nächstes?“ (lacht). Auf so ein Konzert hätte ich schon Bock, weil das einfach eine richtig krasse Show ist, die Rammstein abliefert.

Wie hat sich der Bedarf für Gebärdensprachdolmetschen in der Musik entwickelt?

Im Zuge der Inklusion ist vielen Veranstaltern klar geworden, dass wenn sie alle Menschen miteinbeziehen wollen, sie bestimmte Maßnahmen dafür treffen müssen. Rollstuhlrampen, barrierefreie Toiletten, kostenloser Eintritt für Begleitpersonen und eben auch Gebärdensprachdolmetscher.


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