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Ingo Renner und sein Team versuchen stets, die Balance zwischen Retro-Design und neuster Technik zu vereinen.

„Gut ist es, wenn es für alle gut ist“

Im Interview mit Ingo Renner von göldo music GmbH

09.11.2019, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Rund 3000 Quadratmeter lassen das Herzen von Gitarrenbegeisterten höher schlagen. Von der Produktion über das Marketing bis ihn zum Versand ist die Produktionslinie der weltweit bekannten Duesenberg-Gitarren, eine Marke der Firma gölde music GmbH, in Hannover-Vahrenheide untergebracht. „Und wir haben gerade eine weitere Fläche dazu gemietet“, erklärt Ingo Renner, der Geschäftsführer und einer der beiden Inhaber. Im kommenden Jahr feiert das erfolgreichste Gitarrenmodell der Firma, die Starplayer, sein 25-jähriges Bestehen und zusammen mit Renner blicken wir im Interview auf die Anfänge der Marke Duesenberg, sowie auf Ideen und Highlights zurück.

Rockszene.de: Wie ist Duesenberg entstanden?

Ingo Renner: Das könnte ich jetzt in fünf Minuten oder in fünf Stunden erzählen (lacht). Die grundsätzliche Idee entstand durch Dieter Gölsdorf, der als Student in den 1970er-Jahren begann, mit Mechaniken und anderen Bauteilen für Gitarren und Bässe zu handeln. 1993 gründete Göldsdorf dann den Großhandel göldo music GmbH und 1995 folgte die erste Gitarre, die bis heute in ähnlicher Form gebaut wird. Ich kam dann 2001 dazu und begann recht schnell, mir Unterstützung zu suchen, denn die Firma wollte wachsen. Damals waren wir noch dreieinhalb Leute, heute schöpfen wir bei unserer täglichen Arbeit aus einem etwa 35-köpfigen Team und einer kleineren Kern-Gruppe, in der wir uns regelmäßig treffen und viel besprechen und auf den Weg bringen. Insgesamt ist unser Alltag hier sehr vielseitig und wie in jeder dynamischen Firma auf gewisse Weise auch unberechenbar.

Spürt ihr einen Innovationsdruck, wenn es um neue Modelle oder Ideen geht?

Ich würde da nicht von einem Druck sprechen. Vielmehr versuchen wir, dass die Produkte unseren Geschmack und den der Kunden treffen. Das beinhaltet, dass die Designs nicht zu futuristisch ausfallen und nicht zu weit weg von den Sehgewohnheiten sind. Im übertragenen Sinne könnte man sagen, dass wir vielleicht nicht die Bremse am Auto erfunden haben, wohl aber das ABS-System (lacht). Aber es vergeht kein Jahr, in dem wir nicht an einem Modell etwas ändern oder an neuen Projektideen forschen und sie umsetzen. In unseren Produkten steckt ganz viel Handarbeit, die in bestimmten Bereichen wie Fräsen und Bundabrichtung von hochtechnischen Maschinen unterstützt wird.

Wir produzieren zwar hier keine Custom made-Einzelstücke, sondern haben einen Weg gefunden, eine richtig gute, hochwertige Ware anzubieten. Und da wir hier nicht stumpf ein striktes Tagesgeschäft abarbeiten, spüren wir auch wenig Druck. Ich denke, dass es ein schönes Geschenk ist, wenn man sein Leben und seine Arbeit visionär gestalten kann. Und mein Ideen-Sheet ist inzwischen so lang, dass ich es wohl bis zum Eintritt ins Rentenalter nicht mehr abarbeiten werde können (lacht).

Wie lange braucht es durchschnittlich von einer Idee bis zu einem fertigen Produkt?

Das kann man nicht pauschalisieren. Es kann so sein, dass eine Idee kommt und dann sehr schnell umgesetzt wird oder dass wir an einer anderen Idee länger arbeiten, ehe sie entweder reif für die Bühne ist oder doch wieder verworfen wird. In jedem Fall müssen die Ideen aber aus meinem Kopf raus! Es ist, als müsste ich alle Ideen, die ich habe, aus meinem Kopf heraus auf Papier bringen, damit ich wieder frei, offen und kreativ sein kann.

Ihr arbeitet auch mit international bekannten Künstlern zusammen – Wie war es, als das zum ersten Mal passierte?

Das allererste Mal haben wir gar nicht richtig mitbekommen; beziehungsweise erst danach davon erfahren. Es gab eine japanische Frau, die mit ihrer Band als Support einer Surfmusik-Gruppe unter anderem durch Deutschland tourte. Dabei machte sie auch einen Halt in Karlsruhe und kaufte sich dort eine mintfarbene Duesenberg-Gitarre. Kurz danach, als sie nach Japan zurückkehrte, wurde sie dort über Nacht sehr berühmt und erreichte schnell den Status, den beispielsweise Madonna in der westlichen Welt hatte. Und da die Gitarre, die Shiina Ringö – so heißt sie – sich in Karlsruhe gekauft hatte, auf ihrem erstem Albumcover abgelichtet war, brach in Japan ein Boom nach mintfarbenen Duesenberg Starplayer-Modellen aus und wir verkaufen dieses Modell in genau dieser Farbe bis heute hin dort sehr gut.

2003 lernten wir dann Ron Wood von den Rolling Stones kennen und bauten ihm ein spezielles Starplayer-TV-Modell, das längst ausverkauft ist. Später folgte dann noch Billy Gibbons. Er ist ein richtig cooler Typ, den man schon mal mit schwitzigen Händen begrüßt! (lacht) Mittlerweile spielen Musiker der Eagles, der ehemaligen Tom-Petty-Band The Heartbreakers, Johnny Depp und viele, viele andere weltweit unsere Instrumente. Anfangs  sind wir noch direkt auf die Musiker zugegangen, heute sprechen uns meistens die Manager oder Gitarren-Techniker von Künstlern und Bands an.

Seid ihr stolz, eines eurer Produkte auf großen Bühnen oder im Fernsehen zu sehen?

Ich bin nie stolz und würde mich auch nirgendwo hinstellen und sagen: „Guck mal, dies oder jenes habe ich gemacht“. Ich lebe nicht in der Vergangenheit, sondern freue mich ganz einfach, wenn ich eines unserer Produkte in der Öffentlichkeit sehe. Unsere Beziehungen zu Kunden – ob Gitarrenhändler, Hobbymusiker oder bekannter Instrumentalist – ist dabei immer sehr freundschaftlich und familiär. Gut ist es, wenn es für alle gut ist (lacht).


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