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Frauke Hohberger arbeitet mit den verschiedensten Sounds aus ihrer Umgebung und bindet diese in ihre Arbeit mit Musikapps ein.

Zwischen Kranichen und Sonnenblumen

Im Interview mit Frauke Hohberger

04.11.2019, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

„Mein Wohlfühlraum ist immer draußen“, lacht Frauke Hohberger, als wir sie an einem typischen Oktobermontag am Maschsee treffen. Hohberger hat für das Interview einen Spaziergang rund um den See, auf dem noch leichter Nebel steht, vorgeschlagen. Somit spazieren wir gleichzeitig durch ihren Arbeitsplatz, denn die gebürtige Wettbergerin verbindet Sound, Natur und Technik. Oft steht sie zwischen Sonnenblumen oder im Wald, um allein oder mit Projektgruppen in die Welt zu hören. Wir trafen Hohberger für ein Gespräch über ihr Schaffen als Musikerin, Pädagogin und Autorin.

Rockszene.de: Du beschreibst dich selbst als Musikerin, Pädagogin und Autorin – Wie sind diese drei Bereiche in deinem Leben zusammengekommen?

Frauke Hohberger: Alle drei Bereiche ergänzen sich gegenseitig und darüber bin ich sehr froh. Als freie Musikpädagogin arbeite ich viel in kreativen Gruppenprozessen aus denen ich dann wiederum mein Material als Autorin für Bücher und Fachzeitschriften schöpfe. Man muss dazu sagen, dass ich Jahrgang 1965 bin und es zu meiner Zeit in meiner damaligen Welt kein greifbares berufliches Feld gab, das mit Musik zu tun hatte. Die einzige kreative Möglichkeit wäre damals eine Ausbildung zur Erzieherin gewesen, um den ganzen Tag zu spielen und Musik zu machen (lacht).

Ich habe dann Sozialpädagogik studiert und  hatte danach keine Lust mehr, irgendwelche Scheine für die Studienleistungen zu sammeln. Ich wollte nur noch machen was mich wirklich interessiert, suchte mir meine Lehrer  genau dafür ab sofort selbst und brachte mir viel autodidaktisch bei. Und so habe ich immer mehrere Interessen verfolgt: Musik, Natur, Schreiben. Technik kam in den letzten Jahren vermehrt hinzu.

Du machst Appmusik – Was kann man sich darunter genau vorstellen?

Musikapps bereichern meine Arbeit auf allen Ebenen. Ich nutze sie als Musikinstrument zum gemeinsamen Musizieren oder zum Recorden und Mixen von Sounds. Ich habe mit einer Auswahl an professionellen Musikapps ein komplettes Studio in der Hosentasche und somit ein Universum an musikalischen Möglichkeiten zur Verfügung. Ich kann musikalisch immer und überall auf hohem klanglichem Level tätig sein. Und ich nutze Musikapps in allen meinen musikpädagogischen Projekten – egal ob mit einer Schulklasse, in der interkulturellen Arbeit oder in der Musikpädagogik. Das ermöglicht Teilhabe und es tut sich ein riesiges Klangspektrum auf. Es ist für die Teilnehmenden kein musikalisches Vorwissen nötig.

Musik kann ganz neu gedacht und erlebt werden. Es kann experimentiert und intuitiv improvisiert werden – manchmal ist etwas Rhythmusgefühl zwar schon hilfreich (lacht) – aber grundsätzlich kann man durch das Tablet auf einer gemeinsamen Ebene kommunizieren. So entstehen neue Synergien. Ich arbeite mit Theatergruppen und Chören, mit Künstlern und in Coachingprozessen. Die Appmusik ersetzt aber keinesfalls tatsächliche Instrumente. Ich setze Musikapps nur da ein, wo sie einen Nutzen bringen, der ohne sie nicht möglich wäre.

Manche entdecken das Thema „Digitalisierung“ erst jetzt, für andere ist es schon wieder etwas von gestern – Wie spielt die Digitalisierung bei deiner Arbeit eine Rolle?

Alles wird zukünftig entweder digitalisiert, oder durch Digitalisierung ersetzt.  Digitalisierung ist ja kein Trend der irgendwann wieder vorbei ist. So wird sich also auch in der Musik noch vieles im Bereich Digitalisierung weiter entwickeln und das beschränkt sich ganz sicher nicht auf Musikapps.

Betreibst du also auf eine Art und Weise auch Naturschutz?

Da wo sich Musik und Natur in meiner Arbeit verbinden im weitesten Sinne vielleicht (lacht). Man kann nur das schützen, zu dem man eine Verbindung oder einen Bezug hat. Und wenn ich manchmal Anfragen von Schulen bekomme, die in der Natur Sounds aufnehmen möchten, dann ein Musikstück gestalten um sich damit bei einem Umweltschutzwettbewerb zu bewerben, dann geht es vielleicht in die Richtung. Dann ist aktives Hören gefragt, was im Alltag oft vernachlässigt wird. Wenn ich da zu einer Aufmerksamkeit beitragen kann die hinterher einen bewussteren kreativen Prozess bei den Schülern anstößt freue ich mich.

Ansonsten findet mein beruflicher Alltag aber eher in Innenräumen statt. Ich coache Bands, bin in Schulen, auf Festivals und Tagungen. Oder letztes Jahr an der Staatsoper Hannover, da gab es lange Phasen ohne Tageslicht (lacht).


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