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"Ich mochte den Gedanken, dass jemand so etwas sagt wie: „Da hinten kommt Deine Cousine“, lacht Ina Bredehorn.

„Ich mache Musik, die mir gefehlt hat“

Deine Cousine im Interview

19.10.2019, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Julia Schwendner

Udo Lindenberg singt mit ihr regelmäßig Duette vor mehreren tausend Zuschauern, im November gibt Deine Cousine gleich zwei eigene Konzerte im LUX in Hannover hintereinander weg. „Entweder gebe ich allen ihr Geld zurück oder es wird ein cooler Tag“, lacht Ina Bredehorn, wie Deine Cousine bürgerlich heißt. Wir sprachen mit ihr über laute und leise Töne.

Rockszene.de: Hast du eine Cousine oder bist du eine Cousine?

Deine Cousine: Ich habe tatsächlich elf Cousins und Cousinen (lacht). Mit einigen bin ich sehr eng groß geworden. Mein Bruder und ich haben direkt neben zweien unserer Cousins und Cousinen gewohnt und so waren wir sozusagen immer zu viert unterwegs. Mein Künstlername ist dadurch entstanden, dass ich mit Vornamen Ina heiße und dieser Name für eine blonde Frau hier im hohen Norden schon sehr besetzt ist – wenn man beispielsweise mal an Ina Müller denkt. Ich wollte mich von diesen Pop-Leute absetzen, die so heißen, wie sie heißen. Mein Name sollte eine Ansprache sein, die erkennbar zu mir gehört. Und ich mochte den Gedanken, dass jemand so etwas sagt wie: „Da hinten kommt Deine Cousine“ (lacht).

Du singst auf Deutsch – gab es jemals den Gedanken daran, auch auf Englisch zu singen?

Ich habe englische Songs geschrieben, als ich etwa 14 Jahre alt war, aber das kommt für mich heute nicht mehr in Frage. Deutsch ist die Sprache, in der ich rede und ich könnte keine Gefühle vermitteln, wenn ich diese Sprache nicht im Alltag spreche. Inspirationen kommen natürlich aus dem gesamten Umfeld, also auch mal in anderen Sprachen, aber Textzeilen oder Ideen nehme ich unterwegs mit dem Handy auf und schreibe sie dann nochmal in Ruhe nieder.

Wie denkst du dann über anderssprachige Künstler?

Musikalisch beeindruckt mich sehr vieles. Ich komme aus der 2006er-Generation und mag Bands wie Green Day oder Mando Diao. Die singen auf Englisch und passend dazu mache ich die Musik, die mir gefehlt hat.

Wer sind deine größten Kritiker oder Befürworter?

Am besten ist es, wenn eine Person beides vereint und ich habe zum Glück einige solcher Personen in meinem Umfeld. Mein Produzent oder meine beste Freundin sind sehr gut darin, meine Ideen zu analysieren und mir ehrlich zu sagen, was sie davon halten. Manchmal nagt ein negatives Feedback schon an einem, da krasse Emotionen daran hängen und es beschäftigt mich schon, aber ich halte das aus und der daraus entstehende Lernprozess hört nie auf.

Wirst du schon mal im Supermarkt erkannt?

Im Supermarkt hat mich zum Glück noch niemand erkannt (lacht). Es passiert öfter mal auf Konzerten, da man da auch eher vermutet wird, aber ich finde es cool. Letztens hat mich jemand beim Joggen getroffen. Es war zwar etwas komisch, so verschwitzt ein Foto zu machen oder auch im Restaurant heimlich fotografiert zu werden, aber letztendlich ist es schön, da die Leute stolz darauf sind, mich gesehen oder getroffen zu haben.

Du singst mit Udo lindeberg Duette oder begleitest ihn während der Show – Wie ist es, jetzt selbst vorne an der Bühne zu stehen?

Ich stehe schon lang mit eigenen Sachen auf der Bühne, aber dies ist das erste Jahr, in dem ich mit Deine Cousine mein eigenes Projekt präsentiere. Als im Mai dieses Jahres meine erste Show mit 400 Besuchern ausverkauft war, war das ein neues Gefühl. Vorher sind die Leute zu einem Konzert gegangen, heute kommen sie als Fans. Das freut mich sehr. Bei den Konzerten von Udo ist man aber auch nicht klassisch im Background, sondern er gibt jedem Raum, um sich zu präsentieren und das macht es interessant.

Lastet vor Shows Druck oder Versagensangst auf dir?

Ich habe total Lampenfieber, aber würde nicht von Versagensangst sprechen. Ich bin Perfektionist, auch wenn man das bei meiner Musik, die ja eher wild ist, nicht gleich vermutet. Aber auch Wildes kann perfekt sein (lacht). Man muss sich sein Publikum jeden Tag neu erspielen und das bringt schon Druck. Beruhigungstee gibt es in meiner Welt aber nicht (lacht).

Im November spielt du in Hannover gleich zwei Shows an einem Tag – Wie wird sich das von deinen bisherigen Auftritten unterscheiden?

Ich habe das vorher noch nie gemacht und bin daher schon gespannt. In Amerika ist sowas ja durchaus üblich, aber in Europa legt man Zusatzshows eher auf den nächsten Tag. Unser Tourplan ließ dafür keinen Platz mehr und so entstand der Doppeltermin. Es wird sicherlich eine Herausforderung, da wir zu dem Zeitpunkt schon einen ganz schönen Tour-Ritt hinter uns haben und ich werde bestimmt im Arsch sein, aber ich freue mich auch darauf. Entweder gebe ich den Leuten danach ihr Geld zurück oder es wird sehr cool (lacht).

Dringt die lauteste Musik auch immer am besten zum Publikum durch?

Auf keinen Fall! Am besten sind es sogar die leisen Töne, die durchdringen. Musik ist eine Mischung aus allen Emotionen, die das Leben mit sich bringt. Bei jedem Menschen erreicht man mit trauriger Musik eine tiefe Emotion, aber ich bin nicht so. Meine Musik soll jede Emotion im Leben abdecken.  


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