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Freuen sich über ihr aktuelles Werk „Low Spirits & Fireworks“: Eric Pulverich (links) und Daniel Mau von Kyles Tolone.

„Der Gegensatz von Freud und Leid“

Ein Gespräch mit Eric und Daniel von Kyles Tolone

21.09.2019, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Ein lauter Knall, gefolgt von vielen bunten Lichtern am Nachthimmel – manchmal gibt es Momente im Leben, die vergleichbar mit einem Feuerwerk sind. Und dann gibt es wieder diese düsteren, grauen Tage, an denen man ohne Regenschirm keinen Schritt vor die Haustür setzen kann. – Darum geht es im aktuellen Studioalbum von Kyles Tolone. Wir sprachen mit Eric Pulverich (Gesang und Gitarre) und Daniel Mau (Gitarre und Synthies) über ihr zweites Album „Low Spirits & Fireworks“.

Rockszene: Wir haben uns im April 2017 das erste Mal zum Interview getroffen. Was hat sich seitdem für euch als Band verändert?

Daniel Mau: Also wir sind auf jeden Fall alle keine Studenten mehr. Wir sind älter geworden, vielleicht auch ein bisschen weiser, weiß ich nicht (grinst). Wir haben ein neues Album. Wir haben viele Shows gespielt, sind ein bisschen weniger grün hinter den Ohren. Hatten viel Spaß, hatten viel Stress. Ja, und jetzt sind wir hier.

Eric Pulverich: Man muss erstmal drüber nachdenken, was die letzten zwei Jahre passiert ist. Das ist ja das Schöne an dem ganzen Band-Ding, dass immer relativ viel passiert.

Was ist so hängengeblieben?

Daniel: Wir (beide lachen). Auf jeden Fall die vielen Konzerte. Es sind immer mehr Leute zu den Konzerten gekommen, womit wir gar nicht so gerechnet hatten. Das hat uns total gefreut. Man sieht viele Leute, die immer wieder auf Konzerte kommen. Das ist ein total schönes Gefühl, dass sich Leute echt Tickets kaufen, um unsere Mucke zu hören. Das ist eine große Ehre.

Eric: Das sehe ich auch so. Leute, die uns mal vor zwei, drei Jahren als Support gesehen haben, kommen dann wieder zu unserer Tour. Da merkt man: die Leute bleiben dabei. Das freut uns immer, zu wissen, dass ein bisschen Substanz da ist, mit dem, was wir machen.

Dann habt ihr ja offensichtlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Was bedeutet der Titel eures neuen Albums „Low Spirits & Fireworks” und wie seid ihr darauf gekommen?

Eric: „Low Spirits & Fireworks” ist der Gegensatz von Freud und Leid. „Low Spirits“ für die etwas düsteren und traurigen Phasen des Lebens. „Fireworks“ steht sinnbildlich für dieses Abschweifen aus dem tristen Alltag. Das haben wir auch mit dem Song „Higher“ thematisiert: Dass man sich manchmal diese Auszeit von den ganzen schweren Themen nimmt und sich auch mal „high“ macht, feiern geht und ganz bewusst, die Themen, die einem schwer auf dem Herzen liegen, ausblendet. Natürlich gibt es auch einfach schöne Momente im Leben, die man so nehmen muss, wie sie kommen. Das sind so die „Fireworks“.

Das wird in den Songs widergespiegelt: Es gibt traurige, aber auch etwas fröhlichere Songs, wie zum Beispiel „Grateful Life“. Da geht es darum, dass man dankbar ist für das Leben und nicht immer nur alles schwarz sieht, so wie wir das in manchen Liedern hin und wieder gerne tun.

Wusstest ihr schon früh zu Beginn des Albumprozesses, dass ihr dem Album diesen Titel am Ende gerne geben möchtet, so ähnlich wie bei einem Konzeptalbum? Oder ist der Albumname hinterher entstanden, nachdem die Themen der Songs feststanden?

Daniel: Zuerst war das Wort „Fireworks“ und wir haben einen Gegensatz dazu gesucht. Dieses von Eric beschriebene Hochgefühl hatten wir auf der einen Seite und haben aber auch gemerkt, dass die Songs manchmal aber auch komplett in die andere Richtung gehen. Deshalb wollten wir etwas finden, was dem konträr entgegensteht. Und das sind eben die „Low Spirits“. Der Titel stand schon relativ früh, sodass es uns relativ leicht fiel, Songs zu schreiben und insbesondere auf Eric bezogen, Texte zu schreiben, die das Gefühl widerspiegeln.

Eric: Aber es ist kein Konzeptalbum. Unsere Lieder kommen einfach so wie sie sind und auch die Texte, die ich schreibe, entstehen einfach. Die Themen poppen irgendwie immer auf. Ich habe es zwar noch nicht versucht, aber ich glaube, was die Texte betrifft, könnte ich auch gar kein Konzeptalbum schreiben. Die Songs entstehen einfach und dann machen wir uns Gedanken darum, welches Resümee man daraus ziehen kann. Ich glaube, das ist uns bei diesem Album ganz gut gelungen.

Welche Botschaft soll man als Hörer aus eurem aktuellen Album „Low Spirits and Fireworks” mitnehmen?

Eric: Um ganz ehrlich zu sein, habe ich auf die Frage keine Antwort, weil diese Songs eher die Fragen aufwerfen, die wir auch in uns tragen, als dass sie uns irgendwelche Antworten liefern (lacht). Ich glaube, das ist auch gar nicht der Punkt. Für uns geht es manchmal nur darum, dass wir unsere Themen einfach mal auf irgendeine Art und Weise ausdrücken können. Das geht in Form dieser Songs am besten. Manchmal geht es nur darum, ein bestimmtes Gefühl zu transportieren. Dass wir irgendwelche großen Antworten auf große Fragen haben, bezweifle ich stark. Das ist auch nicht unser Anspruch.

Daniel: Wenn man das Album in Gänze zu Ende hört, hat es ja trotzdem jedenfalls einen versöhnlichen Abschluss mit „Grateful Life“, was einem mitgeben soll, dass man die schönen Dinge im Leben ein bisschen wertschätzen kann, wenn es sie denn gibt.

Eric: Klar, manchmal haben wir schon ein Statement drin wie bei „Grateful Life“. „Let The Cities Burn“ ist ein Song, der beispielsweise vom Klimawandel handelt, was aktuell einfach ein Thema ist.

18 Monate lang habt ihr an eurem neuen Album gearbeitet - wie lief der Entstehungsprozess ab? Gab es da irgendwelche Herausforderungen? Was hat im Vergleich zum Vorgängeralbum besser geklappt?

Daniel: Die größte Herausforderung ist wahrscheinlich die Finanzierung des Ganzen. Vom Songwriting her, ging es bei uns gar nicht damit los, dass wir gesagt haben, wir wollen jetzt unbedingt ein neues Album machen. Sondern wir waren einfach im Proberaum und haben neue Songs geschrieben. Aber es ging im ersten Moment gar nicht so in Richtung Album.

Eric: Wir hatten erst nur eine EP geplant.

Daniel: Genau, die Songs wurden quasi in zwei Akten geschrieben.

Eric: Ja, im Sommer 2018 waren wir das erste Mal im Horus Studio und uns ging es erstmal nur darum, eine EP aufzunehmen. Ein Album hatten wir zuerst nicht geplant, weil gerade im letzten Jahr bei uns persönlich so viel noch offen war, und es auch finanziell nicht klar war, wie wir das machen würden.

Als wir die Songs dann aber aufgenommen hatten, haben wir schon gemerkt, die Songs haben schon eine Qualität und es wäre ein Album wert. Dann haben wir uns dazu entschlossen, auch auf Anraten von Arne, unserem Produzenten, ein Album daraus zu machen. Das hat uns motiviert.

Wie habt ihr es dann letztlich mit der Finanzierung hinbekommen? Beim Vorgängeralbum hattet ihr ja ein Crowdfunding gestartet.

Eric: Ja, das stemmen wir diesmal allein. Mittlerweile mit richtigen Jobs, denn wir sind ja keine Studenten mehr. Wir sind gerade in einer Umbruchphase. Damals sind wir einen Tag nach Abgabe meiner Masterarbeit ins Studio gegangen und haben über einen Monat in Hannover verbracht, um das Album aufzunehmen. Das war für mich herrlich nach fünf Monaten Masterarbeit, das tun zu können, worauf man wirklich Lust hat.

Um auf den Produktionsprozess zurückzukommen: Im Vergleich zum ersten Album hat sich nicht so viel an der Herangehensweise geändert. Diesmal war entscheidend, dass sowohl Arne Neurand und wir uns schon kannten. Dadurch wussten wir, wie der Gegenüber tickt. Mit der Zeit sind die Songs ein bisschen besser geworden, dadurch, dass wir mehr Erfahrung haben.

Apropos Arne Neurand – Beim Konzert von Rabea haben wir ihn getroffen, als er gerade mit euch im Studio war. Da hat er erzählt, dass er Rabea fragen wollte, ob sie auf eurem Album Cello spielen möchte. In eurem Song „The Void“ kommen ja auch epische Streicher vor. Hat das geklappt, dass Rabea euch unterstützt hat?

Eric: Ja, Rabea war mit dabei. Arne hat sie uns als Cellistin empfohlen. Ich kannte sie vorher auch schon. Deswegen war ich von der Idee begeistert. Ich wusste zudem, dass sie zusätzlich gut singen kann und hatte sofort Ideen für diverse Backing-Vocal-Parts.

Das waren super kreative zwei Abende und es hat Spaß gemacht. Und sie ist ein super liebes Mädel auf jeden Fall.

Wie war die Resonanz zum neuen Album bis jetzt?

Daniel: Das Album ist zwar erst seit fast einer Woche draußen. Aber als wir einige der neuen Songs im Vorfeld bei Shows gespielt haben, hat es gutes Feedback gegeben, obwohl die Leute die Songs zum ersten Mal gehört haben.

Wir sind auf jeden Fall total zufrieden mit dem Album. Wir hoffen, dass noch positives Feedback dazukommt und freuen uns, die Songs live zu spielen. Das wird spannend, zu sehen, wie die Leute darauf reagieren.

Eric: Die Fans, die auf das Album gewartet haben, haben sehr gutes Feedback gegeben. Ich glaube, dass das teilweise auch daran liegt, dass wir keine Experimente gemacht haben auf diesem zweiten Album. Wir sind bei dem geblieben, was wir beim ersten Album angefangen hatten. Natürlich haben wir uns Mühe, gegeben, die Songs ein bisschen besser zu machen.

Von den Leuten, die hinzukommen, haben wir auch gutes Feedback bekommen. Wir hoffen, dass wir im Rahmen der Tour weiter Leute für das Album begeistern können.

Was sind eure nächsten Pläne? Habt ihr wieder ein neues Album geplant? Es steht ja auch die Tour an...

Daniel: Im Moment beherrscht die Tour wirklich alles in unseren Köpfen. Letztes Wochenende haben wir eine ausgiebige Probe gemacht und uns einen ganzen Tag mit unserem Tontechniker und unserer Crew eingeschlossen, damit wir die bestmögliche Show bieten können.

Nach der Tour werden wir schauen, wie es weitergeht. Es werden ja wahrscheinlich dieses Jahr noch Konzerte für das nächste Jahr gebucht werden. Unser Hauptziel ist erstmal: Spielen, spielen, spielen, so viel wie möglich auch im Proberaum Zeit zu verbringen und vielleicht schon neues Material zu schreiben. Das lassen wir erstmal auf uns zukommen.

Eric: Konkrete Ziele oder Pläne für ein drittes Album machen wir noch nicht. Klar, denkt man darüber nach. Es wird für uns spannend, weil wir alle in unterschiedlichen Lebenssituationen sind. Da wird es sicherlich bei dem ein oder anderen auch Ortsveränderungen geben. Darauf müssen wir uns auch als Band einstellen.

Ich kann mir für das zukünftige Songschreiben vorstellen, dass vieles erstmal am PC passiert und wir uns Audiofiles hin und her schicken. Das ist auch ein interessanter kreativer Prozess.

Gibt es Städte und Regionen, in denen ihr besonders stark positive Resonanz bekommt und wo besteht noch Aufbaubedarf?

Daniel: Hannover und Göttingen, sind wirklich gut besucht bei uns, aber mittlerweile zieht es auch bei Städten wie Köln und Frankfurt an. Weniger stark und noch in der Aufbauphase ist für uns der Osten. Da spielen wir eher selten. Wir haben aber schon in Dresden gespielt mit den Parlotones. Wir spielen auch total gerne da, sind da aber noch nicht so wirklich angekommen, genauso wie im südlicheren Bereich. Aber wir strecken gern unsere Fühler aus und wollen da auch gerne mehr spielen. Ich glaube, die Leute sind überall gleich cool.

Spielt ihr lieber vor einem wildfremden Publikum oder habt ihr ein Heimspiel in Göttingen lieber?

Daniel: Das ist eine total fiese Frage, weil das beides seinen Charme hat (lächelt). Vor wildfremden Leuten zu spielen hat natürlich den Vorteil, dass man Leuten seine Musik zeigen kann und vielleicht neue Leute dazu gewinnen kann. Aber altbekannte Gesichter zu sehen und danach mit allen zu schnacken, ist genauso cool. Das soll nicht nur eine diplomatische Antwort sein, das stimmt wirklich (lacht).

Am 26. Oktober spielt ihr wieder im LUX in Hannover. Hannover ist ja für euch auch eine Art Homebase. Was können eure Fans erwarten?

Eric: Ich hab` schon das Gefühl, dass Hannover über die Jahre für uns immer zentraler und wichtiger geworden ist. Wir haben auch in Hannover aktuell mehr Tickets als in Göttingen verkauft. Was eine klare Sprache spricht, dass wir in Hannover ganz gut angekommen sind. Wir fühlen hier uns auch echt ganz wohl und zu Hause, dadurch dass wir auch unsere Bookingagentur hier haben und wir hier schon oft gespielt haben.

Aus der Musikszene hier vor Ort kennen wir viele Leute. Das macht Spaß, hier zu spielen. Deswegen ist Hannover mit der Show im LUX das absolute Highlight auf der Tour, neben Göttingen natürlich.

Daniel: Worauf können sich die Leute freuen, Eric?

Eric: Die Leute können sich hoffentlich auf ein volles Haus freuen. Wir gehen einfach mal davon aus, dass wir es diesmal schaffen, die Hütte voll zu machen. Da sind natürlich jetzt die Leute hier in Hannover gefragt, aber wir sind optimistisch und dann wird das auf jeden Fall `ne Party! Die Stimmung wird da sein. Schon letztes Jahr hatten wir so viel Spaß im LUX. Das wird gut werden!


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externer Link www.instagram.com/kylestolone
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