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Mag natürlich klingende und aufgeräumte Produktionen: Matthias Gleichmann vom Loewenklang Tonstudio in Hannover.

Mit authentischen Leuten arbeiten

Wir trafen Matthias Gleichmann vom Loewenklang Studio

14.09.2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Ina Niemerg

Noch ziemlich neu in der hannoverschen Studioszene ist das Tonstudio Loewenklang. Seit dem Sommer 2018 hat Inhaber, Produzent und Engineer Matthias Gleichmann in seinen Räumlichkeiten an der Stöckener Straße einiges bewegt und hat auch vieles vor. Neben regulären Produktionen plant er auch spezielle Studio-Events. Wir trafen Matthias, der gern mit neuen, jungen und frischen Einzelkünstlern und Bands arbeitet und dabei vor allem gern mit authentischen Leuten zu tun hat, zu einem Interview.

Rockszene.de: Matthias, seit einem Jahr bist du hier in der Stöckener Straße mit deinem Studio ansässig. Das macht auf mich hier einen modernen und gemütlichen Eindruck. Wie zufrieden bist du hier mit den Gegebenheiten und was hat sich seitdem im Loewenklang getan?

Matthias Gleichmann: Oh, danke, ja, ich finde es gut hier und bin in der Tat zufrieden. Hier steckt einiges an Arbeit drin. Im Sommer 2018 habe ich angefangen, hier alles so zu bauen, dass es unter akustischen Gesichtspunkten bestmöglich passt. Als erstes war der Regieraum fertig und ich habe mit den ersten Solo-Produktionen losgelegt. Der Aufnahmeraum wurde im Anschluss, im Januar dieses Jahres fertig. Das hat alles etwas gedauert. 

Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Der Aufnahmeraum hat nun 27 Quadratmeter mit einer Deckenhöhe von ungefähr 3 – 3,5 Metern, was mir sehr gut gefällt, vor allem für Schlagzeugaufnahmen. Hier ist man für sich, es ist alles sehr gut schallgeschützt. Draußen, gar nicht so weit weg von hier, war einmal ein Helikoptereinsatz, davon hat man im Studio rein gar nichts mitbekommen. Ich habe auch einiges in Studiotechnik investiert und denke, dass ich sehr gut ausgestattet bin.

Für welche Art von Musik, Bands oder Einzelkünstler ist das Studio aus deiner Sicht besonders geeignet? Wer hat hier bisher aufgenommen?

Die Möglichkeiten, was den Platz angeht, sind natürlich ein bisschen begrenzt. Bei großen Bandbesetzungen mit großem Instrumentarium und Equipment stößt man bei 27 Quadratmetern im Aufnahmeraum natürlich an Grenzen. Besonders geeignet ist es hier sicher für kleinere Bandbesetzungen von drei, vier Leuten, Duos, Solo-Künstlerinnen und –Künstler aus dem weiten Singer-/Songwriter-Feld oder auch für Akustik-Acts. Einige Solo-Musiker und Bands haben hier bereits aufgenommen und auch Mix- und Mastering bekommen.

Wer war das zum Beispiel?

Von den vielleicht etwas bekannteren Bands fallen mir ad hoc Voxxclub ein. Die machen Schlager-Pop, aber nicht den typischen Schlager. Die sind ziemlich erfolgreich und hoch in den Charts. Mit zwei Sängern der Band habe ich hier relativ kurzfristig Aufnahmen für ein TV-Format gemacht.

Mit wem nimmst du am liebsten auf, was liegt dir am besten und was nicht?

Gern mit jungen, frischen Leuten aus der Szene, etwa hier aus Hannover und der Umgebung und dabei auch gern mit Musikern, die Studioerfahrung sammeln wollen. Ich bin da aber nicht festgelegt und offen, was das Genre angeht. Mit Ausnahme von Gangsta-Rap und natürlich fallen Bands und Solo-Acts raus, die extreme Inhalte transportieren, mit Texten, die in Richtung Rassismus oder Sexismus gehen. Das geht gar nicht. Aufnahmen für Junggesellenabschiede oder Kindergeburtstage habe ich mir abgewöhnt, ich möchte hier kein Karaokestudio sein (lacht). 

Mir persönlich ist es wichtig, dass ich mit authentischen Leuten zu tun habe, was sich dann auch in der Musik ausdrückt. Ich spreche vorher mit Bands und Musikern, was sie mit ihren Songs ausdrücken und erreichen wollen.

Was denkst du macht es aus, hier aufzunehmen und zu produzieren und was zeichnet deine Arbeit als Engineer und Produzent aus?

Herausstellen kann man sicher die Preisgestaltung und die persönliche Arbeitsatmosphäre. Für Schüler, Auszubildende und Studenten gibt es Sonderpreise. Bislang habe ich die Rückmeldung bekommen, dass das faire Preise sind. Viele sagen mir, dass sie ein gutes Gefühl haben, was sie für ihr Geld bekommen. Es entstehen bei der Abrechnung von Aufträgen auch keine so genannten versteckten Kosten. Ich denke, das ist alles sehr transparent, gut kalkulierbar und natürlich auch verhandelbar. 

Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass sich Künstlerinnen und Künstler hier wohlfühlen, was natürlich auch die Produktivität und die Qualität der Performance erhöht. Als Engineer und Produzent kann ich sagen, dass ich auf sehr aufgeräumte, natürlich klingende Produktionen stehe. Ich meine auch, dass ich ein sehr gutes Gehör entwickelt habe, das habe ich schon im Alter von 12, 13 Jahren trainiert.

Apropos Gehör. Wie lange dauert bei dir ein Arbeitstag im Studio, wie lange sitzt du am Pult respektive Rechner, nimmst auf oder mischst ab?

Das kommt auf die Situation an, aber in der Regel sind das acht Stunden. Man muss aufpassen, dass das Gehör nicht ermüdet. Besonders beim Mixing lege ich mehr Hörpausen ein, sonst besteht die Gefahr, dass man, beispielsweise was Bass-und Höhenbereiche angeht, abstumpft.

In Zeiten von D.I.Y. nehmen einige Bands im Proberaum oder daheim im Wohnzimmer auf. Wie siehst du die Situation von Tonstudios allgemein und die vom Loewenklang aktuell und in der Zukunft? Was sagst du Musikern, warum es womöglich besser und ratsamer sein kann, in einem professionellen Studio aufzunehmen und zu produzieren?

Klar, mit Homerecording und Do-It-Yourself kann man gute Ergebnisse erzielen, da gibt es heutzutage hohe Qualitätsstandards. Im professionellen Studio zu arbeiten, ist dann aber doch noch anders. Da kann ich sowohl für das Loewenklang als sicher auch für andere Studios sprechen. Die Arbeitsatmosphäre ist eine andere. Die Musiker kommen raus aus dem Alltag, aus ihrer gewohnten Proberaumumgebung, können sich zurückziehen und in Ruhe arbeiten. Es gibt hier eine professionelle Raumakustik ohne Störgeräusche und eine ganz andere technische Ausstattung. 

Dazu kommt, mit einem erfahrenen Engineer und Produzenten zu arbeiten, der eine neutrale Sicht-und Hörweise auf die Musik hat. Viele unterschätzen auch, wie wichtig die Auswahl der Mikrofone und die richtige Platzierung ist, auch da braucht es viel Erfahrung. Nahezu 90 % macht die Aufnahmesituation aus, dazu zählen Raum, Instrumente und Mikrofonierung. 

Wenn man allerdings nicht hier aufnehmen möchte, bietet sich an, den Mix und das Mastering im Studio machen zu lassen. Ich biete beispielsweise auch an, dass Bands oder diejenigen, die für die Technik zuständig sind mit ihren Aufnahmen zu mir ins Studio kommen und ich mische diese dann entsprechend im Beisein der Musiker oder gemeinsam mit ihnen und coache sie dabei, gern auch im Rahmen von gesonderten Tontechnikkursen. 

Wenn ich mit einer Band beim Mix und Mastering sitze, bekommt man direktes Feedback und Impulse und umgekehrt ist das genauso. Wenn die Künstler dabei sind, ist das viel direkter, etwa wenn es um kreatives Mastering geht. Da haben die Musiker auch Vorstellungen, was den Stereoklang und Sounds angeht, das kann man dann direkt gemeinsam erarbeiten und umsetzen. Das kann ebenfalls sinnvoll sein, denn wenn eine Band alles bis ins Letze allein macht, können die Ergebnisse unter Umständen leiden, weil man als Musiker viel zu sehr in sein Projekt involviert ist und das gewisse neutrale Ohr eines erfahrenen Studiotechnikers und Produzenten fehlt. 

Wie ist es bei dieser Arbeitsweise mit dem Faktor Zeit? Kann man sich in so einem Prozess mit mehreren Leuten nicht auch in Details verlieren, die unter Umständen jeder anders sieht und hört?

Das stimmt natürlich. Die Voraussetzung ist, dass die Band sich intern einig sein muss, was sie will. Wenn es einen Bandleader gibt, sollte dieser dann für die Band letztlich die Entscheidungen treffen. Ich achte aber auch auf die Zeit und hatte bisher keine großen Verzögerungen oder gar Probleme mit Bands. Die waren bisher immer sehr einverstanden mit den Ergebnissen und was wir gemacht haben (lächelt).

Wenn man sich auf der Website vom Loewenklang Tonstudio umschaut, bietest du allerlei Specials an, die über die reine, klassische Studioarbeit hinausgehen.  Da sind etwa Kurse für das Erlernen von Tontechnik, man kann –nach Absprache – das Studio auch für Proben nutzen und du betreust als Techniker Bands bei Bedarf auch bei ihren Konzerten. Erzähl mal bitte.

Mir macht der gesamte Bereich Audio generell sehr viel Spaß. Es entstehen schnell Schnittpunkte und da kann es für eine Band interessant werden, wenn die Studioproduktion fertig ist und es darum geht, Gigs zu spielen, sich mit dem Live-Sound auseinanderzusetzen, für Konzerte zu proben, was hier grundsätzlich möglich ist. Nach der Studioproduktion kann ich die Band oder den Künstler weiter begleiten. Ich kann anbieten, Equipment mitzubringen und als Live-Techniker das Mischen der Shows zu übernehmen. Schulungen im Bereich Tontechnik gebe ich darüber hinaus ebenfalls. Das sind vier Kurse à acht Stunden, die man einzeln oder als Paket buchen kann. Die Kurse sind geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene.

Du hattest kürzlich erwähnt, dass du in absehbarer Zeit Studio-Events oder besondere Aktionen für Bands und Solo-Künstler planst. Wann finden die Events statt und was hast du genau vor?

Das Ganze soll im Rahmen von Sessions hier im Studio stattfinden, den Loewenklang-Sessions, wenn man so will. Musiker haben die Möglichkeit, hier im Studio live aufzunehmen. Wir filmen die Session, am Ende wird alles gemixt und gemastert und alle Teilnehmenden bekommen ein fertiges Produkt mit nach Hause. Ich bin derzeit mit einem Videopartner im Gespräch. Die Sessions sollen etwa viermal im Jahr stattfinden. Zuvor können sich die Musiker mit einem kurzen Video um die Teilnahme bewerben.

Also für Bands und Musiker eine durchaus attraktive Möglichkeit, kostenlos an Studioaufnahmen und Videomaterial zu kommen, wenn ich das mal etwas salopp und direkt formulieren darf?

Nein, so darf das nicht verstanden werden. Wir bieten das nicht für bestehende Bands und deren Musik an. Es geht um eine Session mit Jam-Charakter für die jeweils Bands aus vier bis fünf Leuten zusammengestellt werden. Der Fokus liegt hierbei auf der musikalischen Experimentierfreude der Beteiligten, neue Leute, neue Musik kennenzulernen. Das musikalische Thema wird vorgegeben. Natürlich kann sich das Video später als Referenz für die einzelnen Musiker und zu Präsentationszwecken gut eignen. Für die Musiker ist das kostenlos, aber eben mit einer Bewerbung verbunden.

Alles klar, das ist ja mal was anderes. Planst du noch etwas?

Das zweite ist ein Solo-Künstler-Wettbewerb, den ich für das Frühjahr oder den Sommer 2020 ins Auge gefasst habe. Das wird ein klassischer Wettbewerb für Solo Acts sein, die eigene Songs einschicken, als Datei oder Musikvideo. Für den Gewinner nehmen wir dann am ersten Tag den Song im Studio nochmals professionell auf. Am zweiten Tag machen wir den Mix. Die Teilnehmenden können außerdem beispielsweise Gutscheine fürs Tonstudio oder für andere Dienstleistungen gewinnen.

Welche Kriterien legst du bei der Auswahl an?

Die Songs sollten ausgereift sein, die Aufnahmequalität der Bewerbung ist nicht entscheidend und eher zweitrangig. Es geht hauptsächlich um Authentizität. Der Text sollte gut sein, darauf achte ich generell, das ist mir wichtig, dass das alles stimmig ist.

Nach dem ersten Jahr Loewenklang Tonstudio: Was sind deine Wünsche für die nahe und vielleicht auch fernere Zukunft?

Ich möchte regional noch bekannter werden und wünsche mir, dass ich mit dem Studio und meiner Arbeit noch mehr Leute überzeugen und vielleicht auch richtig begeistern kann.

Vielen Dank für das Gespräch und all die Einblicke

Gern geschehen, danke für das Interesse.


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externer Link www.loewenklang.de
externer Link www.facebook.com/tonstudio.LK

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