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Mit ihrem dritten Album "Ende Offen" zeigt die Erfolgskurve für die Alex Mofa Gang weiter nach oben. Wie sprachen mit Sänger und Gitarrist Sascha Hörold (2.v.l.)

Spaß im Familienbetrieb

Sascha von der Alex Mofa Gang im Interview

24.07.2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Pressefreigabe/AlexMofaGang

Das dritte Baby -„Ende Offen“- der Indie-Punk-Pop-Garage-Rockband Alex Mofa Gang kam zum Sommeranfang, am 21. Juni, zur Welt. Pünktlich zu diesem Termin spielte das Quintett aus Berlin, Hamburg und Hannover mit traditionell engem Bezug zur hiesigen und südniedersächsischen Szene zum zweiten Mal die Festivals Hurricane und Southside. Ende Juli geht es dann wieder in die Region zu Rock am Deister nach Völksen. Es ist viel in Bewegung bei der Alex Mofa Gang, einem quasi Familienbetrieb in dem es offensichtlich sehr gut zu laufen scheint und in dem man früh am Start ist. Wir erwischten Sänger und Gitarrist Sascha Hörold sehr ausgeschlafen um 10 Uhr zu einem Telefoninterview.

Rockszene.de: Guten Morgen Sascha, es ist erst 10 Uhr, für einen Musiker nicht unbedingt die typische Zeit, um für ein Interview bereit zu sein. Nicht wenige schlafen um diese Zeit noch oder kommen erst so langsam in den Tag. Was treibt dich so früh um?

Sascha Hörold: Ja, ebenfalls guten Morgen, Andreas. Ich bin schon einige Zeit auf und war schon unterwegs und habe einiges erledigt. Wir leben nicht in den Tag hinein. Für gewöhnlich startet bei uns um 10 Uhr morgens der Band-Bürotag. Das ist auch bei unserem Drummer Michi so.

Okay, gut, dann lass uns gleich mal voll einsteigen. Euer neues Album „Ende Offen“ ist vor drei Wochen erschienen. Es ist eure dritte Platte die gleichzeitig die Trilogie über das bisherige Leben, die Entwicklung und die Erlebnisse eures Charakters Alex abschließt. Wie zufrieden seid ihr mit dem Album und wie seht ihren euren Stand als Musiker und Band, vor allem vor dem Hintergrund, dass euch einige noch fast als Newcomer wahrnehmen dürften, die 2016 gestartet sind, viele von euch aber bereits seit rund 20 Jahren aktiv sind und schon mit anderen Bands unterwegs waren?

Das ist insgesamt schon eine lange Zeit, das stimmt. Mit der Alex Mofa Gang veröffentlichen wir seit drei Jahren und touren eifrig. Wir sind alle sehr happy mit „Ende Offen“. Es ist ein sehr gutes Gefühl, auf diesem Album als Band komplett zusammen zu sein, in unserer Musik stilistisch einen Konsens gefunden zu haben. Wir haben die Songs alle fünf zusammen geschrieben, es sind verschiedene Einflüsse zu hören und alles passt und klingt rund. Ich denke, das Album ist ein Stück weit konkreter, konsequenter und polarisiert auch. Es gibt Leute, die finden es richtig, richtig gut, andere wiederum gar nicht. Sowas gefällt mir. Für „Ende Offen“ haben wir ein sehr gutes Team um uns herum, ob Produzent, Label, Promotionagentur oder Bookingpartner, das fühlt sich alles sehr gut an und funktioniert hervorragend.

Das Album klingt für mich durchaus außergewöhnlich kraftvoll, rau, frisch und auch international. Wer hat das eigentlich aufgenommen und produziert?

Das haben wir zusammen mit Florian Nowak in den Daily Hero Studios Berlin gemacht.

Ah, okay, eine der ersten Adressen für poppigen Alternative-Rock oder Punk-Pop, wie ich das bisher von Hannover aus mitbekommen habe. Einige Bands in diesem Genre, auch aus Hannover, nehmen mit ihm auf. Klingt bei Punk-Pop-Produktionen sehr fett, amerikanisch, oft komprimiert. Eure Platte klingt da doch etwas anders, organischer, auch vom Klangbild sehr abwechslungsreich, wenn ich das mal so ausdrücken darf.

Wir haben uns Song für Song vorgenommen und gemeinsam erarbeitet, welchen Sound der jeweilige Song braucht. Flo hat sich da auch sehr viel mehr eingebracht und sich, wenn man das so sagen kann, auch etwas mehr getraut, als bei unserer Platte davor. Wir haben beispielsweise mit verschiedenen Snare-Drums aufgenommen, viel ausprobiert, alles hin- und hergerückt. Das hat einige Zeit in Anspruch genommen bis wir alle zufrieden waren. Aber das hat sich meiner Meinung gelohnt. Wenn man das Album hört, ist es eine Reise, stilistisch und dramaturgisch.

Ihr habt das Album dieses Mal über Redfield Records herausgebracht. Bislang hatte ich das Label mit sehr modernem harten Stoff in Richtung Metalcore und diversen in Nischenszenen angesagten, teils sehr harten Metal-Subgenres verortet. Die Alex Mofa Gang macht ja nun ganz andere Musik. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Ich glaube, das Label stellt sich mittlerweile etwas breiter auf. Ursprünglich wollten wir das Album auch komplett selbst veröffentlichen, hatten einen Veröffentlichungs-und Finanzplan, Strategien und alles was dazu gehört erarbeitet, da kam es dann zu dem Kontakt mit den Redfield-Leuten, die von unserer Idee, dem Konzept, dem Plan begeistert waren. Dann haben wir überlegt, für die Album-Veröffentlichung mit allem Drum und Dran zusammenzuarbeiten, das Ganze gemeinsam zu machen. Wir haben uns sofort befruchtet und Redfield hat sofort einige sehr gute Ideen eingebracht. Da stimmt einfach die Chemie, auch menschlich. Ein gutes Team um eine Band ist sehr wichtig und bislang ist „Ende Offen“ vom Start weg, was die bisherigen Verkäufe angeht, auch unser stärkstes Album.

Ich kenne euch noch als Musiker aus Südniedersachsen, Alfeld glaube ich. Ihr hattet mit Bands wie Generation Fuck in der du mit deinem Bruder gespielt hattest auch einen starken Hannover-Bezug. Vor vielen Jahren dann der Schritt in die Metropole Berlin, in die es viele Musiker und andere Kreative zieht. Was war der Grund dafür, was bietet Berlin einer Band für Möglichkeiten, die andere Städte, vielleicht auch Hannover nicht bieten? Bekommt man nur in Berlin die richtigen Kontakte?

Darauf gibt es keine allgemeine Antwort. Berlin war deshalb besonders reizvoll, weil sich dort viele Freiberufler, Kreative und auch Musiker tummeln. Man knüpft schnell die unterschiedlichsten Kontakte, wenn man möchte, man lernt vor Ort Agenturen kennen, Networking klappt gut und das ist wichtig. Das was ich machen wollte, dafür gab es in Alfeld damals keine wirkliche Basis. Als ich mich selbstständig machen wollte und vor Ort bei einer Behörde war um mich anzumelden, wusste man zunächst gar nicht so recht, wie man mich und mein Berufsumfeld, im Schwerpunkt als Musiker und Tontechniker so richtig einordnen sollte, da fehlte ein gewisses Verständnis für die Sache. Ich wollte auch mal aus dem gewohnten Umfeld raus und da war Berlin eine Möglichkeit. Aber auch Hannover hat eine gute Szene und ein vielfältiges Umfeld oder auch Hamburg, wo ich inzwischen mit meiner Familie lebe.

Ach, du bist gar nicht mehr in Berlin?

Nein, wir sind mit der Band inzwischen ein bisschen verstreut. Berlin, Hamburg, Hannover. Ein Vorteil in Musikmetropolen oder größeren Städten ist auch, dass man auch mal auf einem Dienstagabend Leute treffen und länger ein Bier trinken gehen kann, wenn man am Wochenende gearbeitet hat. In kleineren Städten geht das oft gar nicht. Da gibt es kaum Läden und wenn, dann haben die auf einem Dienstag eher zu.

Einige von euch haben lange als Ton-und Lichttechniker, Backliner oder Tourmanager auch mit größeren, internationalen Bands gearbeitet und machen das zum Teil auch noch heute. Konnte die Alex Mofa Gang von dieser Erfahrung profitieren?

Der Vorteil dieser Erfahrung war, dass wir uns mit der Alex Mofa Gang schon sehr früh mit der Technik und Organisation beschäftigt haben, wir uns einig waren, Situationen zu schaffen, einen eigenen Tontechniker mitzunehmen. Das war uns sehr wichtig. Wir haben dann unsere Backline festivaltauglich gemacht, heißt, so ausgerüstet, dass wir in einem Umbau nach 10 Minuten spielfertig sein können. Wir wussten auch, wo kleinere Fallen lauern könnten, in die wir nicht hineingetappt sind. Wir haben uns ein gutes und ruhiges Umfeld geschaffen, in dem wir uns auf den Auftritt selbst konzentrieren können. Das motiviert auch, wir haben immer viel Lust auf Musik und die eigentliche Show.

Wie kannst du die Rollen trennen, mal Techniker oder Tourmanager und dann selbst Künstler zu sein? Kann man in technisch-organisatorischen Dingen einfach abschalten, sich komplett in die Rolle des Künstlers fallen lassen oder fällt doch immer noch ein Blick nach links und rechts, ob mit der Orga, der Bühne, der Technik alles in Ordnung ist und läuft?

Da müsstest du eigentlich unsere Crew fragen, ob wir die irgendwie nerven, was ich aber nicht glaube (lacht). Wir sehen uns auch nicht als typische Künstler, eher als normale Musiker. Wir sind bei der Alex Mofa Gang, egal ob Musiker oder Crew, ein großer Familienbetrieb der sehr freundschaftlich miteinander verwachsen ist. Wir sind auch kein Riesentross, einige Leute übernehmen auch mal Doppelfunktionen, wenn nötig. Das ist auch kein Stress. Letztlich geht es um das Wichtigste: Ein Konzert zu spielen, so oft es geht, auf der Bühne zu stehen. Wenn ich irgendwann mal nicht aufgeregt sein sollte, höre ich auf. Es ist einfach ein großartiges Gefühl, sich auf ein Konzert einzulassen, dann, wenn das Adrenalin kommt.

Ihr habt in diesem Jahr auf Festivals wie dem Hurricane und dem Southside gespielt, letztes Jahr wart ihr in Hannover auf dem Fährmannsfest zu Gast, spielt Ende Juli bei Rock am Deister in Völksen als Headliner ein regionales Festival. Wie unterscheiden sich diese Festivals? Gerade bei jungen Musikern und Bands gelten ja Shows wie auf dem Hurricane oder Southside als vorläufiges Maß aller Dinge, als wichtiger Karriereschritt. Hat man dort gespielt, ist man in einer anderen, neuen, professionellen Liga, ähnlich wie ein Fußballer, der auf dem heiligen Rasen des Londoner Wembley-Stadion gekickt hat. Wie magisch sind Hurricane und Southside oder sind es letztlich auch nur normale, wenn auch größere Gigs?

Für mich -und ich denke, da spreche ich für uns alle- hat jedes Konzert seine eigene Magie. Gerade auf das Rock-am-Deister-Festival Ende Juli freuen wir uns total. Da spielen wir eine komplette Show, dazu noch im Dunkeln, bringen noch eigenes Licht mit, das wird klasse und ist natürlich was ganz anderes, als um 14 Uhr auf dem Hurricane in der prallen Sonne zu spielen. Aber wenn man dort viele bekannte Gesichter sieht, Leute, die gezielt zu unserem frühen Gig aufgestanden sind um mit uns zu feiern, ist das ein tolles Gefühl, wenn da quasi die große Alex-Mofa-Gang-Familie am Start ist. Was auf Festivals wie dem Hurricane besonders ist, dass man so viele Leute trifft. Man kennt sich seit sieben oder acht Jahren, bislang in erster Linie, weil man dort immer in einer Crew-Situation gearbeitet hat. Das ist dann im Backstage wie ein großes Klassentreffen.

Beim Southside haben wir bei der Warm-Up-Night etwas später in die Dunkelheit hinein gespielt. Das war auch ein ganz besonders toller Eindruck. Das hat richtig Spaß gemacht.

Die Trilogie über die Geschichte, Erlebnisse und Erfahrungen eures Charakters Alex ist nun mit der Platte und der bevorstehenden Tour im Herbst erst mal abgeschlossen. Was wird dann aus Alex und wird aus dem Mofa dann vielleicht sogar ein Kleinwagen?

Wir wollen auf jeden Fall weitermachen, es ist alles so homogen und harmonisch. Wie genau, wissen wir jetzt noch nicht. Ein Kleinwagen wird es aber mit Sicherheit nicht (lacht). Wir spielen nun erstmal die Festivals, machen dann ein wenig Pause, ziehen uns in den Proberaum zurück und stellen ein Konzept für die Tourshows im Herbst zusammen. Bis zum kommenden Jahr werden wir auch mit dem aktuellen Album weitertouren. Über ein neues Album machen wir uns jetzt noch keine Gedanken. Vielleicht lassen wir uns damit auch etwas mehr Zeit. Ein großes Ziel und ein Wunsch ist es, die Geschichte von Alex auch als Roman zu veröffentlichen. Mal sehen, ob und was sich da ergibt. Letztlich machen wir aber alles für die Konzerte. Darum geht es uns. Auf der Bühne zu stehen, Spaß zu haben, uns und dem Publikum einen schönen Abend zu bereiten.

Euer Tourabschlusskonzert in diesem Jahr spielt ihr in Hannover im MusikZentrum. Warum nicht in Berlin oder Hamburg? Viele Bands spielen Abschlusskonzerte, ob nun Tour- oder Jahresabschluss in der Heimatstadt, am besten in ihren Lieblings-Clubs auf dem Szene-Kiez.

Wir haben einmal ein Abschlusskonzert in Alfeld gespielt, dort, wo unsere Wurzeln liegen, wo wir mit anderen Bands vor Jahren oft gespielt haben. Wir kennen und schätzen dort die Stadtjugendpflege, haben dort viele Freunde und Unterstützer. Dann sind Leute aus vielen Teilen Deutschlands zu dieser Show gekommen, aus Kiel, Berlin, München, aus fast allen Himmelsrichtungen. Es war eine richtige „Gang-Party“

Für dieses Jahr haben wir uns für das MusikZentrum in Hannover entschieden, Hannover ist eine verkehrsgünstig gelegene, zentrale Stadt. Dort kommt man gut hin und wieder weg und dort haben wir auch ausreichend Kapazität für die Besucher.

Das ist für euch ja auch der nächst größere Schritt, in einem Club in Hannover zu spielen, der mehr als die doppelte Besucherkapazität hat, als das LUX, das ihr zuletzt ausverkauft hattet. Was denkt ihr, wie wird das werden, der Schritt von einem 200er- zu einem 500er-Club?

Ich glaube, es wird grandios, wir freuen uns schon sehr. Wie wir gehört haben, sind jetzt schon, knapp ein halbes Jahr vor dem Konzert, die Hälfte der Karten verkauft worden. Vielleicht haben wir ja Glück und der Club ist am Ende mit 500 Leuten ausverkauft.

Wenn ich eure neue Platte „Ende Offen“ höre, die Musik, die Songs, den Sound, dann stelle ich mir vor meinem geistigen Auge eine Band vor, die im ausverkauften Capitol spielt und gefeiert wird, so ähnlich, wie vielleicht Madsen, Sportfreunde Stiller, Montreal oder ähnliche Acts.

Hm, das freut mich einerseits zu hören, aber wir wollen uns homogen und natürlich weiterentwickeln, organisch und gesund wachsen. Nun ist erst mal der Schritt in Hannover vom LUX ins MusikZentrum. Als ich früher mit anderen Bands mal im MusikZentrum gespielt habe, habe ich ein bisschen davon geträumt, in so einem Club dieser Größenordnung und mit diesen sehr guten technischen Möglichkeiten irgendwann einmal ein eigenes Konzert zu spielen und nicht support oder Band eines Festivals zu sein. Ein eigenes, komplettes Konzert also und das gibt es jetzt mit der Alex Mofa Gang im Dezember. Das ist schon groß. Wenn es mal tatsächlich irgendwann so weit sein sollte, dass wir gar ins Capitol gehen und es ist da auch voll, dann hätte ich bestimmt nichts dagegen (lacht). Das wäre natürlich ein absoluter Traum.

Sascha, vielen Dank für das Gespräch und deine Zeit und viel Glück, Spaß und Erfolg weiterhin.

Ich danke dir. Tschüs und vielleicht bis bald mal wieder.


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