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Torsten Fräßdorf und Thomas Schlick erzählten uns vom Alltag im Tourbus.

Von A nach B kommen

Im Interview mit dem Blackfire Tourneeservice

25.03.2019, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Viele Mythen ranken sich um den Nightliner, der allabendlich hinter den Konzerthallen steht, um die Musiker auf kleineren oder größeren Routen quer durch die Lande zu bringen. Und auch Behind the Scenes-Videos oder Tour-Tagebücher feuern nur allzu gern das Image von nachtaktiven Feierwütigen an, die bei Kaltgetränken und Partymusik das mobile Zuhause auf Zeit in Einzelteile zerlegen. Doch stimmen diese Fantasien tatsächlich mit der Realität überein und welche Vorbereitungen braucht eine Tour im Bus überhaupt? Wir trafen uns mit Torsten Fräßdorf und Thomas Schlick vom Blackfire Tourneeservice aus Möllenbeck bei Rinteln, um einen Blick hinter die Kulissen und in den Nightliner zu gewinnen.

Rockszene.de: Wie ist Ihr Unternehmen entstanden und welche Leistungen bieten Sie an?

Torsten Fräßdorf: Der Blackfire Tourneeservice ist im April 2012 entstanden. Vorher waren Thomas und ich Fahrer in anderen Firmen und dachten uns: „Ok, das können wir auch und vielleicht sogar noch besser.“ Ich habe mich damals auch in anderen Firmen geärgert, dass man viele kleine Bands schon gut kannte und sie einmal gefahren hat, aber sie dann nicht nochmal fahren durfte. Bei uns gibt es deshalb den Fahrerwunsch, das heißt, dass Bands einen Fahrer, mit dem sie vielleicht schon mal gut zurechtgekommen sind, nochmals bekommen können. Damals haben wir mit zwei kleinen Bussen angefangen, die etwa 12 Meter lang waren, heute verfügen wir über fünf Fahrzeuge und zwei Anhänger, mit denen wir von zwölf bis zu 16 Personen befördern können. Unsere Leistungen umfassen dann beispielsweise die Planung und Durchführung von Tourneefahrten durch ganz Europa mit Fährenbuchungen und allem drum und dran.

Thomas Schlick: Wir haben uns hochgearbeitet (lacht). Anfangs haben wir kleine Budgets von etwa 600 Euro pro Tag bedient. Mit der Zeit haben wir dann daran gearbeitet, die Busse um einiges besser auszustatten. Der Platz ist bestmöglich genutzt und es gibt hochwertiges Material.

Ab wann lohnt es sich für eine regional bekannte Band einen Ihrer Busse zu mieten?

Thorsten Fräßdorf: Ich würde sagen, dass sich ein Bus, wie wir ihn anbieten, ab acht Personen lohnt. Meist werden die Musiker ja noch von ein bisschen Crew begleitet. Aber grundsätzlich muss ja jede Band – egal wie klein oder groß – von A nach B kommen.

Thomas Schlick: Ich persönlich finde es auch viel entspannter, wenn man nach einem Gig in den Bus steigen kann und sich nicht mit der Fahrerei auseinandersetzen muss. Außerdem hat man ja auch beim Touren mit einem Sprinter feste Kosten für Hotels und weiteres. Das sollte man immer bedenken und gegenrechnen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Thomas Schlick: Im Regelfall fängt eine Tour damit an, dass man die Leutchen einsammelt – mal in Hamburg oder auch mal in Oslo; überall in Europa verteilt. Danach fährt man dann zum ersten Gig, parkt den Bus und kann dann eventuelle Kleinigkeiten erledigen. Danach kann man etwas essen und persönliche Sachen erledigen. Ich schlafe beispielsweise nach dem Abendessen nochmal etwas und um ein oder zwei Uhr nachts fahre ich die Band dann zum nächsten Gig. Man sollte also schon etwas nachtaktiv sein (lacht) und eine, wie wir sagen, „gewisse Fahrweise“ haben. Das heißt, dass man nicht zu abrupt oder sehr energisch fahren sollte.

Inwieweit stimmen die Gerüchte um wilde Partys im Nightliner?

Thomas Schlick: So viele Partys gibt es im Nightliner gar nicht (lacht). Sicherlich wird mal das ein oder andere Feierabendbier getrunken und auch bei besonderen Anlässen mal etwas gefeiert, aber meistens ist es eher ein gemütliches Beisammensein. So ausschweifend, wie man sich das vorstellt ist es gar nicht (lacht).

Wie sieht Ihr Klientel aus – bucht ein bestimmtes Genre öfter oder gibt es viele Stammkunden?

Torsten Fräßdorf: Wir haben gerade im Hamburger Raum viele Stammkunden und sind unter anderem schon mit Helene Fischer oder Samy Deluxe gefahren. Außerdem sind wir viel mit Musicals unterwegs. Aber auf ein Genre kann man unsere Kundschaft nicht festlegen.

Thomas Schlick: Am Anfang hat man auch manchmal gedacht, dass man gerne diesen oder jenen Künstler fahren würde, aber man wird nüchterner und nimmt alles, was kommt (lacht). Die große Aufregung ist weg. Der Job macht in jedem Fall Spaß und es ist mit keinem Alltagsjob vergleichbar.

Gibt es Anekdoten, an die Sie sich manchmal schmunzelnd erinnern?

Torsten Fräßdorf: Toi toi toi, bisher haben wir noch niemanden irgendwo vergessen (lacht).

Thomas Schlick: Doch, wir hätten jedenfalls mal um ein Haar jemanden in Rumänien vergessen (lacht). Die Person hatte mir Bescheid gesagt, dass sie kurz aus dem Bus aussteigt und dann haben Torsten und ich Fahrerwechsel gemacht. Torsten hat sich eingerichtet und war soweit, dass wir losfahren konnten, aber der gute Herr draußen vor dem Bus war es noch nicht ganz (lacht).

Torsten Fräßdorf: Ansonsten bekommen wir nach Tourneen öfter mal Mails oder Anrufe, ob noch ein Handy, ein Kabel oder irgendwas anderes im Bus liegen geblieben ist. Aber solche Suchaktionen sind normal.


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