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Im Rockszene.de-Interview: Alec Völkel alias BossBurns von The BossHoss.

„Wie Pech und Schwefel“

Ein Gespräch mit Alec Völkel alias Boss Burns

15.02.2019, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Philip Scholl/Michèl Passin

Ihr unverkennbarer Sound sticht in den meisten Radioprogrammen sofort heraus und weckt Bilder von Großstadt-Cowboys mit lässiger Jeans und Lederjacke. The BossHoss sind laut eigener Aussage „voll Nische“, was Frontmann Alec Völkel alias Boss Burns aber keineswegs negativ bewertet. Auch Schubladen seien nicht zwingend etwas Schlechtes, könnten sie doch bei der Orientierung auf dem immer vielfältigeren Musikmarkt helfen. Wir sprachen im Interview mit Völkel auch über seine TV-Auftritte zusammen mit Bandkollegen Sascha Vollmer alias Hoss Power und die Gänsehaut, die sie dabei regelmäßig erwischt.

Rockszene.de: Du bist zusammen mit deinem Bandkollegen Sascha Vollmer alias Hoss Power auch in Casting-Shows tätig – Woran erkennt ihr Talent?

Alec Völkel: Es ist eigentlich ganz simpel. Die Grundvoraussetzung ist natürlich zuerst mal, dass man singen kann, aber es kommt uns auch immer darauf an, was das mit uns macht. Es muss ein Gefühl aus dem Bauch heraus geben, dass uns berührt und einen Gänsehaut-Moment verschafft. Dann flasht es einen einfach. Natürlich haben wir da auch unsere musikalischen Vorlieben, aber ein guter Sänger ist ein guter Sänger und wenn so jemand am Start ist, dann merkt man das. Gerade drehen wir auch für The Voice Of Germany – Kids und es ist extrem abgefahren, was schon Zehn- oder Elfjährige draufhaben. Da staunt man manchmal (lacht).

Gab es schon mal die Idee, mit Kollegen aus einem ganz anderen Genre zusammenzuarbeiten?

Wir haben ja bei „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ mitgewirkt und dort Songs von Kollegen wie Nena oder Mark Forster bearbeitet. Das war ein musikalisches Abenteuer, aber für uns muss eine Zusammenarbeit nicht unbedingt zustande kommen. Es macht in jedem Fall Spaß und öffnet uns als Musiker auch ganz neue Türen, aber dennoch haben wir unseren BossHoss-Sound.

Ihr wollt mit eurem Sound nicht in eine Schublade gesteckt werden, aber sind Schubladen denn immer etwas Negatives?

Ich denke, dass Schubladen auch etwas Gutes sein können, wenn man sein musikalisches Ding gefunden hat. Im Mainstream klingen aber viele Songs sehr ähnlich und glattgebügelt. Da wird es austauschbar und viele alltägliche Radiostationen scheuen sich auch davor, etwas außerhalb dieses Spektrums zu spielen. Wenn man musikalisch etwas Besonderes macht, dann finde ich Schubladen gut, aber es ist schade, wenn man sich darauf festsetzt.

Stört ihr euch an Klischees, die eurem Genre und eurer Musik nachgesagt werden?

Wir haben das ja ein Stück weit selbst geschaffen (lacht) und halten uns mit diesem Lifestyle nicht gerade zurück. Wenn ein bestimmtes Auftreten dabei hilft, von seinem musikalischen Schaffen ein klareres Bild zu zeigen oder man einen besseren Zugang dazu findet, dann gefällt es mir. Aber mit Klischees ist es doch wie mit allem im echten Leben: Es ist immer ein bisschen überzogen und bleibt doch auch etwas tiefschichtiger.

Ihr habt euch für euer aktuelles Album „Black Is Beautiful“ fast zwei Jahre Zeit genommen – War das eine bewusste Entscheidung?

Zwischen unserem aktuellen Album und seinem Vorgänger lagen insgesamt gute drei Jahre, aber in dieser Zwischenzeit waren wir rund ein Jahr live unterwegs und haben uns Ende 2016 erst mal bewusst für einen Cut entschieden. Wir brauchten eine Pause und dachten, dass es den Fans vielleicht auch gut tun würde. Wir wollten dadurch neue kreative Luft schnuppern.

Ihr beschreibt euren Song „A/Y/O“ als „etwas sehr Maskulines“ und „She“ als „feminines Gegenstück“ – Wie schreibt man einen typisch maskulinen oder femininen Song?

Das hat eher etwas mit den Vibes zu tun, die die Songs transportieren. „A/Y/O“ ist ein Song mit gerader Brust und einem Faust-in-die Luft-Wind, der musikalisch etwas martialischer daherkommt. Die Indianer-Chöre geben dem Ganzen noch ein Stammes-Feeling. „She“ hingegen ist gefühlsmäßig etwas feiner und funky-sexy. Der Text transportiert auch eine andere Message, bei der es darum geht, die Eine im Leben zu finden. Eben das, was uns Männer so umtreibt (lacht). Das Ganze ist ein anderer Schnack. Wir sitzen beim Songwriting aber auch nicht am Reißbrett, sondern arbeiten aus jedem Song dessen individuellen Charakter heraus.

Ihr habt ganz unterschiedliche Fans – Wie schafft man es, seine Fanbase so zu mischen?

Ich glaube, das liegt unter anderem daran, dass The BossHoss voll Nische ist. Wir sind als Band schwer mit anderen zu vergleichen und man kann uns nicht so richtig einsortieren. Aber das ist ja auch nur eine kleine Facette, da wir noch mit Rock-, Pop- oder teilweise auch HipHop-Elementen arbeiten. Auf unsere eigene Art sind wir aber auch Mainstream und so kann man uns mögen, egal aus welchem Genre man als Hörer oder Fan ursprünglich vielleicht kommt.

Seid ihr lieber im Studio oder auf Tour?

Wir machen prinzipiell beides gerne und es gehört zusammen wie Pech und Schwefel. Im Studio ist es spannend zu sehen, wie man anfangs gar nichts hat und sich Stück für Stück etwas entwickelt. Es ist, als ob man bei einer Geburt dabei ist. Wenn man Musik macht, dann ist das Touren die Königsklasse. Man kann sich nie sicher sein, wie ein Song ankommt und nur weil man selbst mit einem Stück happy ist, heißt das nicht, dass es andere auch sind. Man zittert immer mit. Ein Album zu haben ist das eine, es auf der Bühne zu präsentieren das andere.

Hinweis: Am 22. März 2019 treten The BossHoss im Zuge ihrer Tour in Hannover in der TUI-Arena auf.


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externer Link www.thebosshoss.com

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