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Vera Lüdeck betreut und leitet die verschiedensten Projekte rund um das Thema "Musik".

Hannover als Innovationsspielwiese

Wir trafen uns mit Vera Lüdeck

29.09.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Sie reist quer durch Niedersachsen, Telefon und E-Mail gehören zu ihren täglichen Arbeitsmitteln. Vera Lüdeck hat viel zu tun, wenn sie in ihrem Büro der Landesarbeitsgemeinschaft (kurz: LAG) Rock im hannoverschen MusikZentrum sitzt und Projekte vorbereitet. Dabei arbeitet sie mit allen Generationen und legt besonderen Wert auf das Thema „Gender“, wenn sie beispielsweise bei den Frauenmusiktagen in Osterode Mädchen und Frauen zusammenbringt. Doch wie sieht ihr Arbeitsalltag aus und was macht die LAG Rock seit nunmehr fast 30 Jahren aus? Wir warfen einen Blick ins Büro zu der Frau, bei der die Fäden zusammenlaufen.

Rockszene.de:Wie bist in die Musikbranche gekommen?

Vera Lüdeck: Als junge Erwachsene habe ich in Bands gespielt und einen Booking-Workshop beim Rockbüro besucht. Der hat mir dann so gut gefallen, dass ich gefragt habe, ob ich nicht auch mal ein Praktikum dort mache könnte und so habe ich für ein Jahr dort gearbeitet. Dann habe ich die Projektleitung für das Frauenmusikmobil übernommen und neben meinem Studium weiterhin auf Honorarbasis gearbeitet. Als ich 1997 mein Studium beendete fragte ich Edu Wahlmann, wie es jetzt weitergehen soll und er gab mir Teile seiner Arbeitsstunden ab, weil er sich sowieso mehr auf das Musik machen konzentrieren wollte. So habe ich also 20 Stunden die Woche bekommen und viele Projekte entwickelt, konzipiert und Anträge verfasst. Bis 2014 war ich immer noch Freiberuflerin und das war eine sehr anstrengende Zeit, weil ich nie wusste, ob und was ich im nächsten Jahr verdienen würde. Nun bin ich Geschäftsführerin der LAG Rock.

Worauf freust du dich am meisten, wenn du morgens zur Arbeit kommst?

Ich liebe die Flexibilität und dass es ständig etwas Neues gibt. Edu und ich sind ja hier ein ganz kleiner Betrieb mit einer Auszubildenden und so habe ich viele verschiedene Aufgaben. Ich mache hier quasi alles (lacht) – von der Pressearbeit über die Vernetzung mit Partner und Partnerinnen bis hin zum Fotografieren von unseren Veranstaltungen oder das Stellen von Anträgen. Zudem reise ich viel, um zu schauen, wie es unseren Mitgliedern geht oder mache Lobbyarbeit. Jeder Tag ist anders und wer kann schon behaupten, dass er seinen Job schon seit 27 Jahren macht?! Außerdem bin ich in der Gestaltung neuer Projekte sehr frei und wir arbeiten mit allen Menschen zusammen – sowohl mit Männern und Frauen, als auch mit Jugendlichen und Älteren, Hobbymusikern oder Semi-Professionellen.

Wie ist die Musikszene in Niedersachsen aufgestellt?

Im ganzen Bundesland entdecke ich immer wieder tolle Bands und auch in Hannover gibt es viele Bands, die ich schon nicht mehr dem Hobbysektor, sondern dem semi-professionellen Bereich zuordne. Es ist spannend festzustellen, dass ich mich auch für eine Metal-Band begeistern kann, obwohl ich das Genre vielleicht nicht mag, nur weil ich merke, wie geil diese Band ist. Insgesamt stelle ich aber auch fest, dass es weniger Bands gibt. Das liegt zum einen am Geburtenrückgang, aber auch daran, dass junge Menschen heutzutage mehr Möglichkeiten haben, um sich darzustellen. Wenn man früher cool sein wollte, dann hat man nun mal als Rockgitarrist in einer Band gespielt (lacht). Hannover selbst nutze ich gerne als Innovationsspielswiese, um Pilotprojekte zu testen.

Ihr schreibt auf eurer Homepage, dass Popularmusik Kunst ist – Was genau heißt das?

Wir wurden über die Jahre hinweg immer wieder damit konfrontiert, dass Popularmusik ja etwas sei, das jeder hört, die viel Geld erwirtschaftet und somit keine wirkliche Kunst ist. Für viele zählt zur Kunst die sogenannte E-Musik, vielleicht noch Jazz, aber Popularmusik wird oft nicht als künstlerischer Ausdruck bewertet. Wir arbeiten daran es in die Köpfe der Leute zu bekommen, dass man auch als Popmusiker künstlerisch tätig ist, wenn man beispielsweise etwas interpretiert. Außerdem können wir mit Popularmusik jeden erreichen. Es ist ein Medium, dass sich in jeder Lebenswelt abspielt und somit immer einen Bezug schafft. Dieses Potenzial gilt es zu erkennen und zu nutzen.

Ist Musik also eher Kunst oder Handwerk?

Musik kann beides sein, aber wir hier bei der LAG Rock verstehen Musik eher als Kunst. Ein Handwerk ist es für mich dann, wenn ein Profi-Musiker für die Aufnahme von Songs gebucht wird und dann vorgegebene Noten spielt. Sobald ein Song interpretiert wird ist es für mich Kunst. Bei der LAG Rock unterstützen wir ja auch nur Künstler, die eigene Songs schreiben. Wir betreiben Nachwuchsförderung und fördern keine Profimusiker oder Coverbands.

Welchen Stellenwert hat Musik für dich?

Musik zieht sich durch das ganze Leben. Schon allein der Herzschlag ist ein Rhythmus und damit auch Musik. Sie ist in meinem Alltag ständig dabei, auch wenn ich in den letzten Jahren eher zu einer begeisterten Tangotänzerin geworden bin. Dort höre ich die Musik nicht nur, sondern fühle sie auch und integriere sie in meine Handlung. Als ich vor kurzem bei den Frauenmusiktagen war, habe ich beispielsweise festgestellt, dass es für einige Menschen schwierig ist, Körper und Musik miteinander zu verbinden. Da ging es unter anderem um Body-Percussion, Line Dance oder Stageacting und viele haben gemerkt, dass es gar nicht so leicht ist, wie es aussieht.

Musik kennt keine Grenzen – egal ob bei der Herkunft, dem Stil, dem Alter oder dem Geschlecht. Die Menschen können ohne Worte miteinander harmonieren und das fasziniert mich. Außerdem lernen wir in einer Band auch vieles, was im Arbeitsalltag wichtig ist. Sowohl Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein, als auch Sensibilität oder Durchhaltevermögen sind in einer Band bedeutend. Hier entwickle ich Lösungen für Konflikte oder erweitere beim Üben meine Frusttoleranzgrenze.

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Ich engagiere mich dafür, dass mehr Mädchen und Frauen Musik machen. Wenn es gut läuft, dann habe ich bei Projekten ein Teilnehmerverhältnis von 9 zu 1 – und dabei ist das eine Mädchen oder die eine Frau dann meist noch die Sängerin. Die jetzige Situation ist in dieser Hinsicht desaströs und ich setzte mich dafür ein, dass jedes Kind unabhängig seiner Herkunft die Chance hat, ein Instrument zu lernen. Außerdem interessiert mich auch die ältere Zielgruppe sehr. Wenn es um Jugendförderung geht, dann freuen sich Politik, Ministerien, Kommunen und alle Beteiligten sehr, aber wir werden alle älter und bleiben länger fit. Bisher wurde für diese Altersgruppe wenig gemacht, wir haben jetzt damit angefangen und das ist eine spannende Sache. Wenn ich bei demenziell veränderten Menschen sehe, was für eine Freude sie haben, auch wenn sie diese in ein paar Stunden vielleicht wieder vergessen haben, dann ist das viel wert.

Für die LAG Rock wünsche ich mir, dass sie weiterhin institutionell gefördert wird und wir noch eine Stelle dazubekommen. Ich habe noch viele Ideen und will weitere Projekte machen, aber bin mit dem jetzigen Pensum schon sehr ausgelastet und schaffe nicht immer alles. Das ist auf Dauer unbefriedigend. Wir wollen weiterhin offen und modern bleiben und neue Impulse wahrnehmen. Außerdem ist es wichtig, immer wieder neu aktuelle Programme zu entwickeln, die Musiker brauchen. So bemühen wir uns sehr darum, Förderungen und Unterstützung für Musiker zu bekommen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen. Da ist noch viel Bedarf.

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