Bild

Kahn Morbee (Zweiter von links) sieht das Leben als ewige Reise.

Das Leben als ewige Reise

Im Interview mit Kahn Morbee von The Parlotones

01.09.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Andre Badenhorst

Bereits seit 20 Jahren gibt es die Band The Parlotones, die weit über die Grenzen ihrer Heimat Südafrika hinaus bekannt sind. Mit mehr als einem Dutzend Alben feierte die Band weltweit Erfolge und krönte ihren Werdegang 2010, als sie mit „Come Back As Heros“ den offiziellen WM-Titel beisteuerten. Im Herbst steht dann wieder eine ausgedehnte Tour mit einige Deutschland-Terminen an und aus diesem Anlass heraus trafen wir Kahn Morbee zu einem Interview über Höhen, Tiefen und Chaos.

Rockszene: Herzlichen Glückwunsch zu eurem 20. Bandjubiläum- Was sind Meilensteine und Ereignisse, die euch immer in Erinnerung bleiben werden?

Kahn Morbee: Was uns sicherlich immer in Erinnerung bleiben wird ist die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, bei der wir den offiziellen WM-Song beisteuerten. Das war ein sehr spezieller Moment für uns, da wir uns das niemals erträumt hätten. Ein Teil des Ganzen zu sein werden wir für immer zu schätzen wissen. Natürlich gab es auch einige Lows als wir Probleme mit unserem Management oder dem Record Label hatten und daran wäre die Band fast zerbrochen. Aber im Leben gibt es immer Hoch und Tiefs. Ein witziger Moment, wenn man das so nennen möchte, war sicherlich, als ich Nelson Mandela treffen konnte, auf dem gemeinsamen Gruppenbild aber jemand seinen Arm ausstreckte, dass er mein Gesicht damit verdeckte. Ich habe also Nelson Mandela getroffen, doch kann es nicht beweisen (lacht).

Schreibt ihr lieber über schöne oder schlechte Themen des Lebens (Tod, Liebe, Freundschaft, Betrug, …)?

Das Leben ist eine ewige Reise und es wäre naiv zu denken, dass immer alles gut ist. Es gibt Momente der Melancholie, aber genauso auch Momente der Freude und wir versuchen in unseren Songs diese Facetten des Lebens einzufangen. Meistens lieben wir diese Reise (lacht).

Wie kreativ kann man unter Zeitdruck sein? Wäre so etwas für euch Ansporn oder Hindernis?

Ich arbeite eigentlich immer irgendwie an Songs, indem ich mir Melodien auf das Handy singe oder Textzeilen aufschreibe. Im Prozess des Songwritings fließen dann all diese Ideen ein. Im Moment ist es vielleicht etwas schwieriger, da ich neben der Band noch ein Soloprojekt habe und Vater von drei kleinen Kindern bin und in der TV-Show The Voice tätig bin. Alles zusammen ist eine monumentale Aufgabe, aber ich versuche alles bestmöglich zu handhaben (lacht).

Seht ihr euch selbst als Stars? Seht ihr euch selbst als Künstler oder Musiker?

Wir sind einfach nur passionierte Musiker, die aus ihrem Hobby glücklicherweise noch mehr machen konnten. Dass wir damit erfolgreich sind ist ein schöner Nebeneffekt, aber war nie unser Ziel. Ich finde es ziemlich bizarr, wenn jemand auf Biegen und Brechen versucht, einen höheren Status oder Bekanntheitsgrad zu erreichen. Ich würde aber nicht sagen, dass wir uns als Stars sehen. Im globalen Vergleich sind wir doch recht klein (lacht). Wir wollen mit unserer Musik das Chaos der Welt ein bisschen vergessen machen.

Ihr füllt in Südafrika große Hallen und in Europa kleine Clubs – Würdet ihr mit verbundenen Augen einen Unterschied bemerken

Der größte Unterschied ist immer die Größe des Publikums (lacht). Aber eigentlich ist es überall auf der Welt das Gleiche – wir wissen, dass die Fans extra da sind, nur um uns zu sehen und das spornt uns an, unser Bestes zu geben, unabhängig der Publikumsgröße. Manchmal kommen wir auf die Bühne und das Publikum ist schon total elektrisiert und manchmal muss man ein bisschen Starthilfe geben. Das liegt aber auch meistens an den Wochentagen. Je näher das Konzert am Wochenende liegt, desto ausgelassener ist das Publikum – da spielt Alkohol vielleicht auch eine Rolle (lacht). Deshalb sagen wir den Zuschauern auch immer, dass wir besser klingen, je mehr sie trinken (lacht).

Wie sieht die südafrikanische Musikszene aus und habt ihr bereits Unterschiede zu Europa oder anderen Kontinenten festgestellt?

Wenn man die Musik global betrachtet, dann sieht man, dass es einen starken Einfluss auf alle Musikszenen der Welt durch Amerika gibt. Sowohl bei Filmen als auch bei Musik oder Kunst, denke man nur beispielsweise an Pop Art. Außerdem kommen viele große, berühmte Künstler aus Amerika. Südafrika zeichnet sich besonders durch die vielen Kulturen und Sprachen aus, die hier aufeinander treffen und so zu einem ganz bestimmten Style zusammenwachsen. Außerdem gibt es viele Nischen. Die Musik an sich bleibt meiner Meinung nach aber eine universelle Sprache.

Ist für euch die Instrumentation oder der Text eines Songs wichtiger?

Für mich wirken alle Einzelteile, also Instrumente, Text und Melodie zusammen und gleichwertig. Es gibt sicherlich Aspekte, die einen Song stärker oder schwächer machen. Für mich ist die Melodie aber das Wichtigste, denn sie ist eine universelle Sprache. Selbst wenn ich die Landessprache nicht verstehe, so verstehe ich doch die Melodie und ihre Aussage. An zweitwichtigster Stelle sind für mich Worte und Texte. Wenn man einmal in die Melodie gefunden hat, dann will man auch etwas fühlen und vielleicht aus einem Alltag fliehen. Musik unterstützt diesen Wunsch. Alle Komponenten eines Songs sind also für mich wichtig und sie geben der Melodie den nötigen Raum, um zu strahlen. So machen wir zumindest Songs. Aber es gibt ja genauso auch Songs, die Rhythmusbasierter sind und somit auch tanzbarer. Für mich muss ein guter Song auch immer in ein anderes Genre übertragbar sein.


INFO-BOX

Links
externer Link www.theparlotones.co.za

Tools
Drucken Artikel drucken (PDF) An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

, Foto(s): Joanne OliverJede Menge neue Töne
The Parlotones bringen „China“ mit nach Hannover

06.10.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Joanne Oliver

 


, Foto(s): Andre BadenhorstDie Facetten des Lebens
Im Interview mit Kahn Morbee von The Parlotones

01.09.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Andre Badenhorst

 


, Foto(s): Pressefreigabe/SpiderPromotionPopulärer Indie-Folk aus Örebro
Meadows mit The Parlotones in Hannover

23.07.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Pressefreigabe/SpiderPromotion

 


, Foto(s): Torsten GadegastNoch mehr Konzerte zum Jubiläum
Wir präsentieren Hannover-Show von The Parlotones

04.07.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Torsten Gadegast

 


, Foto(s): Andre Badenhorst20 Jahre The Parlotones
Jubiläums-Tourshows in Göttingen und Hannover

04.06.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Andre Badenhorst

 




Zur Übersicht Zur Startseite