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Wir sprachen mit Andy Bolleshon von Time Tools in Hannover über das Thema Mastering.

Immer wieder frischer Wind

Wir trafen Andy Bolleshon zum Interview

11.08.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Das Time Tools ist ein Ort für Kreativschaffende. Das Gebäude in Hannovers Nordstadt verfügt über mehrere Räume, in denen sich Produzenten, Musiker und Technikbegeisterte einen gemeinsamen workspace geschaffen haben. „Es ist immer ein befruchtendes Miteinander“, fasst Andy Bolleshon zusammen. Er gründetet vor rund 20 Jahren das Musiker Kollektiv und richtete dort auch die Time Tools Mastering & Publishing GmbH ein. Wir besuchten ihn, um mehr über die tägliche Arbeit und die Veränderungen in der Branche zu erfahren.

Rockszene: Wie ist Time Tools entstanden?

Andy Bolleshon: Zuerst mal sollte man unterscheiden, dass es Time Tools Mastering gibt und noch etwa zehn weitere Studios. Die Idee kam mir während eines längeren England Aufenthalts. Ich habe ursprünglich als Live-Keyborder angefangen und habe unter anderem bei der kanadischen Band Psyche und der englischen Künstlerin Anne Clark gespielt . So kam ich nach London und habe in der Zeit während meiner Ausbildung zum Studio Assitenten einige Praktika gemacht und als zweiter Assistant Engineer gearbeitet. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Studiomieten in London sehr teuer sind und sich daher viele Studios Aufenthaltsräume, Küchen und WCs teilen. Zum einem ist es im Unterhalt günstiger, zum anderen fördert die befruchtende Nähe die Kreativität von Künstlern, Musikern und Produzenten.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland wollte ich genau in so einer Atmosphäre arbeiten. Ich fand in verschiedenen Kollegen hier in Hannover die entsprechenden Mitstreiter. Somit haben wir 1998 in einem ehemaligen Konservenlager vier Studios eingerichtet und kurz nach der Eröffnung waren die übrigen Räumlichkeiten schnell ausgebucht (lacht). Im Jahr 2001 folgte dann die zweite Etage und nun haben wir zwölf Studios, in denen vom Musiker über Produzenten bis hin zum Softwareentwickler alles vertreten ist.

Durch den ständigen Wandel bleibt auch immer ein Frischer Wind im Haus, was ich persönlich ganz wichtig finde. Das schafft schönen Austausch und Veränderungen, wodurch alles beweglich bleibt.

Was ist Mastering? Viele fragen sich, warum das nicht auch der Produzent übernehmen kann.

Zum einen ist Mastering, konservativ betrachtet eine Dienstleistung. Das heißt, wir bekommen ein Premaster vom Produzenten und wir richten den Sound so ein, das ein homogenes Produkt entsteht, welches den professionellen Maßgaben standhält. Wenn wir den Titel bearbeitet haben, ist er klanglich kompatibel auf verschiedenen Medien, wie Kopfhörer, Autoradio, Stereoanlagen oder dem Handy. Zum anderen ist Mastering auch ein kreativer Prozess, indem wir bestehende Schwächen beim Pre-Master ausgleichen und/oder den angestrebten Sound in die gewollte Richtung vollenden.

Ebenfalls sehr wichtig ist es zu erkennen, welche Vorgaben verschiedene Genres geben. So braucht eine Underground Punkband einen raueren Sound als eine hitverdächtige Popband. Für mich ist das Schöne am Mastering, dass es ein Handwerk mit kreativen Komponenten und viel Kundenkontakt ist.

Seid ihr ein reiner Dienstleister oder könnt ihr auch Kritik und Verbesserungsvorschläge einbringen?

Das entscheidet der Kunde. Unsere Arbeit beginnt ganz klassisch erst dann, wenn der Song fertig produziert und gemischt ist. Es gibt aber auch Projekte, bei denen wir in einem früheren Stadium mit dem Produzenten oder der Band in Kontakt treten. Wir bieten dann ein Test-Mastering an, bei dem wir einen Song anmastern. Durch dieses Testmaster weiß man dann wohin die Reise geht. Dadurch können wir Empfehlungen für weitere Produktionsschritte geben. Gerade Semi-Professionelle profitieren von unseren Einschätzungen, wie sie ihre Produktion noch verbessern können, bevor das Ganze dann gemastert wird. Teilweise bekommen wir auch Stems (das sind Zusammenfassungen von Instrumentengruppen, Gesängen und Chorspuren -d.Verf.), um noch tiefer ins Material eingreifen zu können. Das geht dann schon in die Mischarbeit über. Die Grenzen sind da fließend. Das Ganze wird aber auch aufwändiger und natürlich etwas teurer.

An welche Projekte erinnerst du dich besonders gerne?

Depeche Mode sind eine meiner Jugendhelden und wir haben für diese Band mal zwei Maxis gemastert. Das war natürlich ein persönliches Highlight. Eine deutsche Platte, an die wir uns musikalisch und auch inhaltlich gerne erinnern, ist „Stadtaffe“ von Peter Fox, an der wir mitgearbeitet haben. Insgesamt haben wir hier im Laufe der letzten 20 Jahre mit vier Mastering Engineers etwa 7000 bis 8000 Platten gemastert. Etwa 50 davon haben den Goldstatus erreicht. Bekannte Bands aus Hannover, mit denen wir gearbeitet haben waren Fury In The Slaughterhouse und Mousse T.

Wie lang braucht ihr etwa, um ein Album zu mastern?

Das kann man so pauschal gar nicht beantworten. Dazu spielen zu viele Komponenten eine Rolle. Aber im Durchschnitt dauert es zirka zwei Tage. Am ersten Tag mastern wir das gesamte Album durch und am zweiten Tag gehen wir in die Feinjustierung. Zum Schluss schicken wir das fertige Produkt ans Presswerk oder an den digitalen Vertrieb.

Könnt ihr Musik noch genießen oder kribbelt es immer in den Fingern beziehungsweise im Ohr?

Als ich mit dem Mastern angefangen habe, habe ich schon alle Musik analysiert und mich daran ausprobiert. Aber mit der Zeit lernt man wieder das genußvolle Musikhören.

Wie hat sich eure Arbeit seit der Möglichkeit des Home Recordings verändert?

Unsere Arbeit hat sich schon im Wandel des Musikmarktes verändert. Früher hatten wir mehr für große Plattenfirmen gearbeitet, heute haben wir viel mit DIY Künstlern zu tun. Die Kreativität wird immer gefordert und in der heutigen Zeit sind wir oft die einzige professionelle Instanz in der Herstellungskette. Das liegt im Wesen des DIY Künstlers, der im Home Studio seine Songs selber scheiben, einspielen und mischen kann. Wir verfügen dann neben guten Engineers mit reichlich Erfahrung und Genrekenntnissen eben auch über ein 20 Jahre gewachsenes Studio mit entsprechendem Equiment.

INFO-BOX

Links
externer Link www.timetools-mastering.de/

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