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Erst ein Geografie-Studium, dann die Arbeit im MusikZentrum. Wir sprachen mit Sabine Busmann über ihren beruflichen Werdegang.

Über den Tellerrand hinausschauen

Im Interview mit Sabine Busmann

23.06.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Der Name Sabine Busmann ist vielen Musikliebhabern in Hannover ein Begriff. Als Projektleiterin kümmert sie sich seit mehreren Jahren um die von der Landeshauptstadt initiierte Fête de la Musique und organisiert von ihrem Arbeitsplatz im MusikZentrum aus die verschiedensten kulturellen Projekte und Events. Zuvor studierte Busmann allerdings Diplom-Geografie in Hessen und landete durch eine alles verändernde Zeitungsannonce im MusikZentrum. Wir trafen uns mit ihr zum Interview, um mehr über Sabine Busmann und ihren spannenden Alltag zu erfahren.

Rockszene: Wie bist du zu deiner heutigen Tätigkeit gekommen?

Sabine Busmann: Da muss ich etwas weiter ausholen, denn ich bin der klassische Quereinsteiger (lacht). Ich habe eigentlich eine Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin gemacht und anschließend in Hessen Geografie studiert. Das eigentliche Ziel war Meeresbiologie, aber durch die NC-Beschränkung habe ich mich für Geografie entschieden und das Studium hat mir sehr viel Spaß gemacht. Nachdem ich das Diplom-Studium fertig hatte wollte ich beruflich nach Niedersachsen gehen und habe sicherlich etwa 100 Bewerbungen rausgeschickt, aber keinen Job bekommen. Zudem habe ich in dieser Zeit den klassischen Faux pas gemacht, nämlich ohne Lohnsteuerkarte gejobbt. Damit aber nicht mehr das Sozialamt, sondern das Arbeitsamt für mich zuständig war, empfahl man mir eine BSHG-Stelle zu suchen, also für ein Jahr in einer gemeinnützigen Organisation oder einem gemeinnützigem Verein zu arbeiten, um dann vom Arbeitsamt betreut werden zu können.

Ich weiß noch ganz genau, wie ich dieses Gespräch an einem Donnerstag hatte und am Samstag die Zeitung aufgeschlagen habe und das MusikZentrum dort eine BSHG-Kraft gesucht hat. Ich habe also sofort dort angerufen, denn ich wollte ja vom Sozialamt weg (lacht). Am Ende habe ich mich gegen etwa 35 Mitbewerber durchgesetzt und das, weil ich als Einzige nicht aus der hannoverschen Musikklüngelei kam; also nicht aus der hiesigen Szene stammte. Im MusikZentrum hat meine Laufbahn also angefangen und so habe ich erst mal Abrechnungen und Telefondienste gemacht.

Nach einem Jahr hatte ich mich gut eingelebt und zusammen mit dem Team des MusikZentrums haben wir angefangen nach Wegen zu suchen, um mich weiter beschäftigen zu können. Es war klar, dass ich bleiben sollte, aber das MusikZentrum als gemeinnützige GmbH hatte nicht die Möglichkeiten, mich einfach weiterhin einzustellen. Dann kam uns aber die Idee, dass ich ja eine Umschulung machen könnte, nachdem ich ohnehin schon ein Jahr auf Lohnsteuerkarte gearbeitet hatte und so habe ich im Jahr 2000 zur Kauffrau für Büromanagement umgeschult. Darauf folgten drei Jahre Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und 2006 wurde ich für Projektleitungen verantwortlich. Ich habe also in den etwas mehr als 20 Jahren meiner beruflichen Laufbahn vier Arbeitsverträge unterschrieben (lacht).

Wann hast du gemerkt, dass dir die Arbeit rund um die Themen Musik und Veranstaltungen sehr liegt?

Ich habe Geografie studiert, da es mir als ein guter Nebenweg zur Meeresbiologie erschien und ich reise nach wie vor sehr gerne abseits des Normaltouristen. Ich habe die Geografie nie vermisst und im MusikZentrum gemerkt, dass meine Stärken besonders in der Bildungs- und Kulturarbeit liegen. So führte der Weg dann bis in den Projektbereich und hier habe ich die Freiheit, meinen Arbeitsplatz selbst auszugestalten.

Ein bunter Strauß Blumen

Wie sieht dein Alltag aus?

Hier im MusikZentrum bilden wir seit dem Jahr 2000 für die Landeshauptstadt Hannover junge Leute aus und ich bin diejenige, die das Personal führt und sich um diese einzelnen Arbeitsbereiche kümmert. Ansonsten führe ich für die Projekte, die wir machen Telefonate mit Partnern und gehe zu sehr vielen Netzwerktreffen. Wir arbeiten hier aber immer dezentral; haben also mit vielen anderen Gewerken wie beispielsweise Tanz, Kunst und Theater zu tun. Außerdem habe ich ein App Music Studio gegründet, da ich der Überzeugung bin, dass sich analoges und digitales Musizieren nicht ausschließen oder ersetzen sollten, sondern gut miteinander einhergehen können. Meine tägliche Arbeit ist also ein bunter Strauß Blumen (lacht).

Magst du also diese sehr abwechslungsreiche Arbeit oder wünscht du dir manchmal auch einen klassischen 9 to 5-Job, bei dem man immer weiß, was kommt und passiert?

Ich denke, dass wir inzwischen auch gut wissen, was auf uns zukommt (lacht). Manchmal brauche ich schon Phasen der Ruhe, in denen ich ein bisschen telefoniere und ein bisschen Mails schreibe, aber es schwirren so viele Ideen in meinem Kopf und es gibt einen hohen Turnus.

Was bietet Hannover für Menschen in der Musikbranche und was fehlt?

Was ganz eindeutig fehlt sind Proberäume! Menschen, die sich für das Musikmachen interessieren brauchen Räume, in denen sie üben können, ohne ihre Nachbarn zu stören. Die zweite Sache, an der man arbeiten sollte ist der Übergang zwischen Semi-Professionalität und Professionalität. Da sollte es mehr Möglichkeiten geben, denn jeder Musiker kommt mal an den Scheideweg, an dem er sich entscheiden muss, ob er seinen Lebensunterhalt mit der Musik verdienen möchte. Sicherlich gibt es auch Musiker, denen es reicht, meist geradeso über die Runden zu kommen, aber das ist meiner Meinung nach nicht Sinn der Sache.

Man muss sich als Musiker auch mal zufrieden zurücklehnen können. Was wir in Hannover aber sicher haben, das ist eine super Infrastruktur. Wir haben hier die Hochschule, aber auch viele Labels und Studios. Zudem hat Hannover ein Händchen für Outdoor-Veranstaltungen. Ich bin zugezogene Hannoveranerin und kann mir ein Hannover ohne diese vielen Veranstaltungen nicht vorstellen. Von Freunden im Ruhrgebiet höre ich oftmals andere Situationen. Zudem denke ich, dass die Clubs hier sehr gut vernetzt sind. Ich persönlich empfinde es nicht so, als ob es Konkurrenz zwischen den Clubs gibt. Allerdings gibt es wenig ganz kleine Clubkultur. Es ist aber auch nicht einfach, kleine Räume zu finden, in denen Musiker ihre ersten musikalischen Steps machen können.

Du bist als Projektleiterin für die Fête de la Musique zuständig – Wie beschreibst du Fremden diese Veranstaltung?

Zuerst mal ist es wichtig zu sagen, dass die Fête de la Musique immer am 21. Juni stattfindet (lacht)! Denn an diesem Tag feiern wir den längsten Tag des Jahres, also die Sommersonnenwende. Das macht diese Veranstaltung sehr bunt und steht als Fest für Vielfalt und Toleranz. Zudem lebt die Fête de la Musique vom Bürgerengagement und den Musikern. Wir begrüßen also den Sommer.

„Auch Scheitern ist mal erlaubt“

Würdest du auch eine Veranstaltung machen, wenn klar ist, dass beispielsweise ein Club für 100 Menschen nicht annähernd voll wird und du wirtschaftlichen Verlust machst?

Grundsätzlich ist das MusikZentrum ja eine gemeinnützige GmbH, von daher ist es klar, dass wir keine großen Gewinne erzielen dürfen. Aber um die Frage zu beantworten: Ja, ich würde es trotzdem machen (lacht). Ich muss bei Projekten und Veranstaltungen von deren Hintergrund überzeugt sein und wissen, dass es den Menschen, die daran beteiligt sind, etwas gibt. Wir arbeiten so gut wie nie an kommerziellen Projekten, sondern wenn eher als Dienstleister. Sicherlich hat man immer den Anspruch einen Raum für 100 Menschen auch mit 100 interessierten Menschen zu füllen, aber in der Realität funktioniert das nun mal nicht immer oder es braucht etwas Zeit. Meines Erachtens nach lebt Musik auch immer in Wellen. Das Publikum ist dafür unglaublich wichtig. So denke ich auch, dass die Hoch- und die Subkultur noch näher zusammenrücken könnte und daraus sicherlich viele Synergien entstehen können. Ich hatte immer das Gefühl, dass das zwei Parallelwelten sind, was ja auch stimmt, aber es noch viel Platz gibt, um gemeinsam etwas zu initiieren. So arbeiten wir auch unter anderem mit der hannoverschen Oper zusammen.

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Das Wohl der Musiker ist für mich sehr wichtig und ich würde mir wünschen, dass sich viele Menschen in der Musik- und Kulturszene noch mehr öffnen und über den Tellerrand hinausschauen, denn ich denke, dass Scheitern heutzutage auch mal erlaubt ist.

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