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Alexandra Weber studierete Modedesign und schneidert in ihrem Atelier in den Huso Huso Studios auch für Bands wie Van Canto.

Bling Bling auf der Bühne

Im Gespräch mit Modedesignerin Alexandra Weber

02.06.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Nicht nur im Alltag, sondern auch im Musikbusiness findet das Sprichwort „Kleider machen Leute“ seine Berechtigung und unzählige Beispiele. Lady Gaga trägt ein Fleischkleid und Rammstein wartet mit Leder und Nieten auf, während Kiss mit extravaganter Schminke die Bühne betritt. Doch wie entstehen solche Outfits und wie kann man auch mit einem kleinen Geldbeutel Bestmögliches aus seinem Kleiderschrank zugute der Band herausholen? Wir trafen Alexandra Weber, die Anfang 2017 ihr Label „alextravagant“ gründete und Bands wie die Grailknights oder Van Canto einkleidet, um uns über Tipps und Trends zu informieren.

Rockszene:Wie Bist du mit Mode in Berührung gekommen und wie hast du mit dem Modedesign begonnen?

Alexandra Weber: Meine Mutter ist gelernte Damenschneiderin; ich selbst habe mich recht spät mit dem Nähen auseinandergesetzt. Als das Interesse dann aber da war, habe ich ein Praktikum im Bereich Damenschneiderei absolviert und den Entschluss gefasst, dafür auch eine Ausbildung zu machen. Zwar hatte ich auch damals schon ein Modestudium im Kopf, aber mir nicht zugetraut, auf Knopfdruck abliefern zu können. Schon bei der Bewerbung für ein Modestudium muss man Arbeitsproben und eine Mappe einreichen und diese erste Hemmschwelle ist sicherlich auch gut, damit sich nur Leute bewerben, die das Studium auch wirklich wollen. Letztendlich kam für mich dann aber doch der Punkt, an dem ich mich ganz für die Mode entschieden habe. Zuvor habe ich noch eine Ausbildung im Einzelhandel gemacht und versucht, im geregelten Arbeitsleben zurechtzukommen. 2006 haben ich mich dann aber doch noch für das Studium hier in Hannover entschieden und sowohl meinen Bachelor-, als auch mein Master-Studium absolviert. Die erste Zusammenarbeit mit einer Band entstand dann daraus, dass ein damaliges Mitglied der Grailknights mit mir in einer Wohngemeinschaft gelebt hat und als sich die Band 2009 neu aufgestellt hat kam ich ins Spiel (lacht).

Worauf kommt es bei deiner Arbeit mit Bands besonders an? Was musst du beim Erstellen der Outfits beachten?

Ich denke, man muss die Bühnenpräsenz im Auge haben und darauf achten, dass die Akteure dort catchy rüberkommen. Als ich Inga von der Band Van Canto eingekleidet habe, hatte das viel mit Strass zu tun, aber nicht, als ob man ein Abendkleid mit viel Bling Bling macht, sonder eher rockig. Ich denke schon, dass es nicht schlecht ist, wenn die Bühnenoutfits einer Band von denen aus ihrem Alltag abweichen. Das ist dann separat von Tagesgeschehen und für mich persönlich auch ein Prozess des Vorbereitens. Aber grundsätzlich ist sowas auch immer abhängig von Genre. Thrash Metal lebt ja beispielsweise davon, sich gerade keine Mühe zu geben.

Wie sieht dein Alltag aus?

Einen Alltag habe ich eigentlich nicht und es kommt auch immer auf die Auftragslage an. Kein Tag ist wie der andere und manchmal gibt es Phasen, in denen die Tage schon sehr lang werden. Wenn ich mit Bands zusammenarbeite, dann recherchiere ich viel; zu der Band, zu ihrer Musik und wie sie sich bisher präsentiert haben. All diese Informationen sammle ich und das wandert dann alles in mein Skizzenbuch (lacht). Dann komme ich in mein Atelier und fange an, mit Schnitten zu experimentieren.

Welche Band oder welchen Künstler würdest du gerne mal einkleiden?

Mit Van Canto ist schon ein grosser Traum in Erfüllung gegangen. Ich wurde letztes Jahr für Lacuna Coil für den Merchandise-Verkauf auf deren Tour engagiert. Es wäre toll, wenn ich diese Band einmal einkleiden könnte, aber die Band selbst ist was ihre Outfits betrifft ja selbst schon sehr kreativ (lacht). Auch würde ich mich sehr darüber freuen, wenn ich mit mehr in Deutschland ansässigen Bands zusammenarbeiten könnte; allein schon wegen der Fahrtwege (lacht).

Was inspiriert dich bei deiner Arbeit und was denkst du über Trends?

Ich lasse mich generell von vielem inspirieren und finde es immer gut, wenn ich von der entsprechenden Band Unterstützung bekommen, also mich beispielsweise mit dem neuen Album oder dem Artwork auseinandersetzen kann. Dabei bekomme ich viele Assoziationen. Es reichen schon kleine Dinge, damit bei mir viel weiter geht und ich Ideen bekomme (lacht). Aktuelle Trends spielen bei diesem Teil meiner Arbeit weniger eine Rolle.

Welche Tipps kannst du Bands und Künstlern geben, die ein eher kleines Budget haben?

Sicherlich ist es gut, wenn man sich untereinander abspricht, sich abstimmt und gegenseitig die Sachen zeigt, die man auf der Bühne anziehen möchte. Viele ziehen ja auch Shirts von anderen Bands an, aber ich finde, dass man sich das gut überlegen sollte. Nicht, dass man das nicht machen kann, aber manche greifen sich einfach das nächstbeste Bandshirt und denken: „Was kann daran schon falsch sein?“. Man kann auch viel aus seinen eigenen Klamotten machen, indem man mit Farbe arbeitet, Nieten anbringt oder etwas schneidet.

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