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Line Pengel arbeitet als Live Musik Produzentin und Künstlerbetreuerin.

Mit Musik bedeutsam umgehen

Im Interview mit Line Pengel

19.05.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Sie ist ausgebildete Tänzerin und studierte Kultur- und Musikmanagerin, heute arbeitet sie mit Bands und Einzelkünstlern zusammen, wirkt auf Festivals und Projekten mit und ist Live Musik Produzentin und Künstlerbetreuerin. Line Pengel kann ihre beiden Leidenschaften gekonnt verbinden und sich doch nicht für den Tanz oder die Musik allein entscheiden. Wie ihr Alltag aussieht und ob sie am liebsten vor, auf oder hinter der Bühne ist, darüber unterhielten wir uns mit der Hannoveranerin.

Rockszene.de: Wie sieht dein beruflicher Werdegang aus und wie bist du ins Musikbusiness gekommen?

Line Pengel: Da muss ich schon etwas weiter ausholen (lacht). Ich habe mit einer Ausbildung zur Bühnentänzerin angefangen und dann auch Choreographie studiert. Außerdem habe ich immer selbst Musik gemacht. Ich fand Musik immer schon großartig und habe viele Kontakte geknüpft. So kam eines zum anderen und ich habe auch Choreographien für Musikacts entwickelt, Live-Shows inszeniert und als Performance-Dozentin gearbeitet. Da habe ich gemerkt, dass mir das total liegt. Ich hatte total Bock, in die Szene zu kommen und deshalb dann noch Kultur- und Musikmanagement studiert.

Wie sieht dein Alltag aus?

Wenn keine Produktionen anstehen, habe ich am Vormittag selbst Training, denn ich bin ja auch als Tänzerin aktiv. Zudem habe ich ein Büro im Institut für Wohlklangforschung. Dort habe ich meist viele Telefontermine und kriege Besuch von Kunden und Partnern. Dazu kommt dann noch die typische Arbeit am Computer.

Was liebst du an deinem Beruf ganz besonders?

Ich liebe tatsächlich alles an meinem Job (lacht)! Es ist mein absoluter Traumberuf, den ich mir selbst kreiert habe. Natürlich gibt es auch mal Rückschläge, aber ich finde es toll, mit Musik in allen Facetten zu tun zu haben.

Könntest du dich zwischen dem Tanzen und der Musik entscheiden?

Es ist schön, dass der Tanz und die Musik gar nicht immer verbunden werden müssen (lacht). Der Tanz ist mein ganz eigener Ausdruck und bei meiner Arbeit mit Musikern kann ich andere auf ihrem Weg begleiten, sich auszudrücken. Es kommt auch mal vor, dass die Bands mich anfangs googlen und das Wort „Tanzen“ auf meiner Website lesen. Dann bekommen sie etwas Angst und fragen: „Müssen wir etwa auch tanzen?“ (lacht), aber der Tanz ist meine Ausdrucksform. Ich möchte den Bands mit meiner Arbeit dabei helfen, ihr Publikum zu erreichen und letztendlich ist eine Performance alles; nicht nur eine gelernte Choreographie. Der Einsatz der Stimme oder der Umgang mit dem Instrument ist eine Performance, die man selbst gewählt hat. Zwar fragen Musiker auch manchmal danach, ob ich ihnen das Tanzen etwas beibringen kann, aber ich für meinen Teil empfinde den Tanz und die Musik als zwei Bereiche und das macht meine Arbeit so interessant. Ich kann mich beim Tanztraining auspowern und mich danach auf die Musik und die Personen dahinter konzentrieren. Ich empfinde mich als Glückspilz, diesen Ausgleich zu haben.

Du wirst also häufig im Vorfeld einer Zusammenarbeit gegoogelt – Wer tritt dann mit seinen Anliegen an dich heran?

Das ist ganz unterschiedlich. Angefangen hat es mit Labels und Plattenfirmen, die an mich herangetreten sind und zum Beispiel meinten: „Wir haben eine Band, die im Studio super funktioniert, aber das live nicht darstellen kann.“ Heute kommen auch Musiker und Bands selbst auf mich zu. Bei der Arbeit lerne ich die Band zunächst erst mal kennen und schaue, was sie und ihre Musik live aussagen. Ich will dabei nichts standardisieren; meine Arbeit besteht hauptsächlich darin, zuzuhören und einzutauchen, so sentimental das auch klingt (lacht). Aber ich kann nur Tipps geben, wenn ich die Persönlichkeiten und ihre individuellen Superkräfte kennen lerne.

Schaust du dir lieber kleine Clubkonzerte oder große Shows an?

Ich liebe große Produktionen (lacht)! Es ist so cool, Teil einer Mega-Show zu sein und ich liebe das ohne Ende. Aber es muss auch passen und der Kern zum Ausdruck kommen. Ich genieße es aber genauso, mir die kleine schrammelige Live-Band aus Takkatukkaland anzusehen, wenn sie Bock hat, auf der Bühne zu stehen. Singer-Songwriter haben es in dieser Hinsicht immer super schwer, denn jeder Showeffekt unterstellt ihnen gleich, dass es aufgesetzt ist und sie haben schnell das Problem, dass sie denken, sie werden zu langweilig, aber eine gute Performance ist es für mich, wenn sich der Künstler sichtlich wohlfühlt und das präsentieren kann, was er liebt. Das ist nicht jedem in die Wiege gelegt.

Gibt es für dich also auch schlechte Performances?

Eigentlich müsste ich „Ja“ sagen, aber ich würde sie lieber als unglückliche Performances beschreiben. Manche sind vielleicht nicht unbedingt zielführend, aber das ist auch legitim. Entweder arbeitet man daran oder man sagt: „Okay, ich hab es versucht. Entweder bleibt es so oder ich höre damit auf“.

Wie empfindest du die hannoversche Musikszene und was wünscht du dir?

Ich habe das Gefühl, dass sich in den letzten zwei Jahren doch einiges entwickelt hat. Ich muss mich oft rechtfertigen, dass ich in Hannover lebe (lacht). Viele meiner Künstler sind immer noch sehr zaghaft, wenn es darum geht, hier Konzerte zu spielen, weil sie von der Mama ihrer besten Freundins Onkel gehört haben, dass das Hannoveraner-Publikum fies ist. Was ich absolut bestreite. Ich habe hier immer sehr viel Spaß. Die Clubszene in Hannover ist richtig cool und Hannovers Bands machen den Schritt in die richtige Richtung. Ich wünsche mir nur, dass die Rockbands noch etwas mutiger werden und dass man im Radio nicht immer das Gleiche hört. Das ist mein frommer, aber täglicher Wunsch (lacht). Ich bin viel unterwegs und kenne andere Gegenden, aber ich finde es schön aus Hannover zu kommen. Hier wird mit Musik sehr fruchtbar und bedeutsam umgegangen, aber viele Bands denken immer noch nicht, dass hier das Business liegt. Dass man in der Hinsicht mehr reißen muss, ist klar. Je mehr Musik hierher kommt, desto mehr Musik geht von hier auch raus in die Welt.

Hast du Tipps für junge und auch lang bestehende Bands?

Geht nochmal in euch und überlegt, was ihr mit eurer Musik aussagen wollt. Zwar ist das eine allumfassende Arbeit, aber das ist immer der erste Schritt, um professionell zu werden. Man macht doch Musik, um sich auszudrücken und wenn man das professionell machen möchte, dann muss man sich über sich selbst und seine Position in der Band klar werden. Ich achte bei der Arbeit stets darauf, dass die Band von sich aus eine funktionierende und kommunikative Einheit ist und arbeite dann mit den einzelnen Persönlichkeiten und deren Zusammenspiel. Außerdem muss man immer; wirklich immer ehrlich zueinander sein!

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