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Die Berufsberaterin Carolin Ernsting kennt wertvolle Tipps für den Einstieg ins Berufsleben.

Die Eintrittskarte ins Berufsleben

Das Gespräch mit der Jugendberufsagentur

12.05.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Alle Jahre wieder stellt sich für junge Menschen die Frage nach der Zukunft. In welche Richtung möchte ich meinen beruflichen Werdegang gestalten? Was sind meine Schwächen und Stärken? Möchte ich eine Ausbildung oder ein Studium beginnen? Bei all diesen Fragen hilft die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit. Hier berät Carolin Ernsting gemeinsam mit ihren Kollegen bei der Qual der Wahl. Denn nicht nur der Beruf, sondern auch der Weg dorthin erfordert viel Auseinandersetzung mit sich selbst. Wir sprachen mit der Berufsberaterin daher über die Möglichkeiten einer Ausbildung im Kreativbusiness und nahmen Hannover als Ausbildungsstandort genauer unter die Lupe.

Rockszene.de: Wie beliebt ist eine Ausbildung heutzutage? Auch im Vergleich zum Studium?

Carolin Ernsting: Im Großen und Ganzen hat die Ausbildung ein relativ schlechtes Image; auch im Vergleich zum Studium. Das Studium ist hoch angesehen und immer noch eines der höchsten Ziele. Ich habe überwiegend mit jungen Menschen zu tun, die in der Phase sind, die 10. Klasse zu beenden. Viele Schüler denken, dass sie eine Ausbildung absolvieren und den Beruf dann für immer machen. Außerdem kommentieren viele Eltern und das Umfeld die Wünsche und ersten Pläne. Bei meiner Arbeit versuche ich dann herauszufinden, was das persönliche Motiv ist, was man machen möchte und was man machen kann.

Welche Berufe gibt es in der Kreativ- und Musikwirtschaft, auch mit besonderem Blick auf Hannover?

Musik an sich bietet ja bereits ein breites Spektrum, dass beispielsweise von der Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton, über Tontechnik bis hin zu kaufmännischen Berufen reicht. Mit dieser eher klassischen Ausbildung kann man unter anderem im Veranstaltungsgewerbe arbeiten. Insgesamt sind für 2018 knapp 6000 freie Ausbildungsstellen im Raum Hannover gemeldet worden, von denen rund die Hälfte noch unbesetzt ist und die ersten Stellen für 2019 gibt es auch schon. In Hannover werden mit Blick auf die Kreativ- und Musikbranche nach aktuellem Stand noch sieben Veranstaltungskaufleute, zwei Fachkräfte für Veranstaltungstechnik und ein Mediengestalter Bild und Ton gesucht. Hinzu kommen noch 12 Ausbildungsplätze in der Rundfunkbranche und 31 Plätze in der Werbung. Dann gibt es auch noch die Berufsbildende Schule Multimedia, die eng mit Arbeitgebern kooperiert, sodass viele Schüler durch das im Schuljahr vorgeschriebene Praktikum gleich als Azubis akquiriert werden. Es gibt zudem auch mehrere Gitarrenbauer in Hannover. Durch die veränderte Handwerksordnung vor etwa 10 Jahren wird aber bundesweit kaum noch ausgebildet; in Hannover gar nicht und es gibt vermehrt Autodidakten in der Szene. Ich denke auch die Konkurrenzsituation hält Arbeitgeber von der Ausbildung ab, da man beispielsweise jahrelang in einen Gesellen investiert, damit der sich dann im Nebenhaus selbständig macht. Dies war früher nur mit Meistertitel möglich.

Wie kann man selbst herausfinden, ob die Ausbildung das Richtige ist?

Ich empfehle den Jugendlichen immer, so viel wie möglich über den Beruf, für den sie sich interessieren zu erfahren und sich auch über mögliche Ausbildungsbetriebe und Firmen zu informieren. Ein Praktikum kann da für beide Seiten eine tolle Möglichkeit sein. Man kann herausfinden, wie man sich bei der Arbeit fühlt und ob man sich das vorstellen kann; die Firma kann den Praktikanten besser kennen lernen.

Welche Fähigkeiten sollte man in einer Ausbildung grundsätzlich mitbringen? Was sollte man bei seiner Bewerbung beachten?

Grundsätzlich habe ich ja mit hunderten von Schülern im gesamten Schuljahr zu tun. Dabei merke ich besonders, dass es wichtig ist, Selbstbewusstsein und Konfliktfähigkeit mitzubringen. Außerdem sind die meisten Berufe im Team, somit sollte man auch gemeinsam mit anderen arbeiten können. Ich merke schon, dass manche Interessenten die Bewerbung nicht so ernst nehmen, aber man muss sich klar machen, dass die Bewerbung die Eintrittskarte zum Bewerbungsgespräch ist. Es erfordert also Fleißarbeit und man muss sich über den Betrieb informieren. In gewissem Maße möchte der Arbeitsgeber natürlich auch umschmeichelt werden (lacht). Ein typischer Fehler in der Bewerbung ist beispielsweise, dass nur die Adresse im Briefkopf geändert wird und der Text den Empfänger nicht individuell anspricht. Man sollte sich bewusst machen, was auf einen zukommt und sich im Text gekonnt verkaufen. Dass man pünktlich und zuverlässig ist sind selbstverständliche Dinge, die man nicht in die Bewerbung schreiben sollte. Soft Skills sollte man am besten belegen. Wenn man über sich also sagt, dass man teamfähig sei, dann könnte man das mit einer jahrelangen Tätigkeit im Verein unterstützen. Viele Firmen schreiben ihre Stellen aber auch gar nicht mehr aus, da sie sowieso sehr viele Initiativbewerbungen erhalten. Eine Bewerbung von sich aus zu schreiben ist auch immer ein Rat von mir.

Kann man dabei also auch übertreiben?

Es ist auch immer eine Gefahr, dass eine Bewerbung zu gut ist. Sie muss angenehm zu lesen und nicht zu übertrieben sein. Bei einer Bewerbung zum Veranstaltungskaufmann reichen beispielsweise gute Zeugnisse und gute Kenntnisse im den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik. Grundsätzlich sind Fremdsprachen in der Kreativ- und Musikwirtschaft immer von Vorteil und auch wenn man erwähnt, dass man zu Schulzeiten bereits Partys geplant oder andere Veranstaltungen organisiert hat macht sich das immer gut. Inhaltich würde ich eher traditionell bleiben und auch bei den Bewerbungsfotos nicht übertreiben. Ein Fotograf möchte also zum Beispiel eine Arbeitsprobe des Bewerbers bekommen, aber man muss auch da aufpassen, nichts zu überladen. Schließlich möchte man ja in dem Betrieb ausgebildet werden.

Sind Quereinstiege heutzutage noch möglich?

Besonders in der IT- und Kreativbranche ist das auch heute noch möglich. Das ist eine kleine Enklave. Viele ehemalige Roadies sind heute in anderen Jobs dieses Businesses tätig. Wer gut und engagiert arbeitet, der kann auch heute noch als Quereinsteiger arbeiten und ich denke, wer zehn Jahre Erfahrung hat, der ist auch weiterhin viel wert. Viele Berufe dieser Branche sind ja aus Nischen heraus entstanden. Anders sieht das sicherlich im klassischen Handwerk aus.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft junger Menschen?

Ich wünsche mir, dass sich junge Menschen mehr öffnen; besonders für außergewöhnliche Berufe. Natürlich gibt es immer Berufe, die gerade in Mode sind oder als Dauerbrenner bei jungen Männern und Frauen beliebt sind. So ist der Beruf der KfZ-Mechatronikers bei jungen Männern und Büro- oder Einzelhandelsberufe bei jungen Frauen nach wie vor sehr beliebt. Aber das Handwerk hat beispielsweise ein sehr großes Berufeangebot und durch die Digitalisierung werden sich noch neue Berufe ergeben.

INFO-BOX

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