Bild

Die Veranstaltungstechnik ist ein breites Feld - das weiß auch Helge Leinemann, der geschäftsführende Gesellschafter der exposive medien gruppe aus Hannover.

„Ein Mischpult ist kein Klärwerk“

Im Interview mit Helge Leinemann

21.04.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Eine wortwörtlich gute Basis ist der Kern jeder Show. Egal ob auf Messen, kleinen Bühnen oder in großen Stadien – damit das Gesamtbild stimmig ist, erfordert es Teamwork und Geschick, wenn es darum geht, Bühnen, Licht und Scheinwerfer zu montieren. Als Firma für Veranstaltungstechnik kümmert sich die exposive medien gruppe seit 2010 darum, dass die Montage und Demontage von Traversen, Lautsprechern und Kabeln reibungslos und sicher verläuft; seit einigen Jahren legt das Team aus über 30 Mitarbeitern zudem sein Augenmerk auf Nachhaltigkeit. Was das in dieser Branche genau bedeutet und wie ein klassischer Arbeitstag aussieht, darüber sprachen wir mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Helge Leinemann.

Rockszene.de: Was genau bedeutet der Begriff „Veranstaltungstechnik“ und welche Arbeitsbereiche umfasst er?

Helge Leinemann: Unsere Arbeit umfasst verschiedene Bereiche. Ein Standbein sind Messen, was sich am Messestandort Hannover natürlich anbietet. Verstärkt treten wir in den letzten Jahren auch als veranstaltungstechnischer Dienstleister bei größeren Industrieveranstaltungen, wie Tagungen, Konferenzen oder Firmenevents auf. Und dann übernehmen wir natürlich auch noch die technische Betreuung von klassischen Kulturveranstaltungen, also von Open Air Events, Klubkonzerten oder Sportveranstaltungen. Wir sind dabei in allen zentralen Gewerken der Veranstaltungstechnik zu Hause: Licht, Ton, Medientechnik, Bühnenbau und Rigging.

Wie sieht für Sie und Ihr Team ein typischer Arbeitstag aus?

Das kann man so pauschal nicht sagen, da der Arbeitsalltag natürlich je nach Funktion im Unternehmen schon sehr unterschiedlich ist. Projektleiter oder Lageristen haben einen anderen Arbeitsalltag als Techniker oder Verkäufer. Auch sind sie jeweils an unterschiedlichen Zeitpunkten an einem Projekt beteiligt. Die grundsätzliche technische Planung und Koordination der Gewerke fängt ja auch deutlich früher an – teilweise viele Wochen - als der tatsächliche Aufbau vor Ort oder die eigentliche Show. Nach der Vorbesichtigung einer Location findet die technische Planung mit CAD Zeichnungen und Ablaufplänen überwiegend am Computer im Büro hier bei uns im Haus statt. Dagegen arbeiten die Techniker fast ausschließlich vor Ort und sind für Aufbau, Abbau und Betreuung der Veranstaltung verantwortlich. Es liegt in der Natur der Sache, dass es dort selten einen klassischen nine to five-Arbeitstag gibt, da viele Veranstaltungen abends oder an Wochenenden stattfinden.

Bei einem Livekonzert kann ein Ablauf zum Beispiel so aussehen, dass zuerst am Boden alles vorbereitet wird, was später unter die Decke gehangen wird. Nachdem das dann angebracht ist folgen der Bühnenaufbau und die Beschallung, anschließend gibt es eine Probe für das Licht und einen Soundcheck für die Band. Gegebenenfalls gibt es dann noch Extrawünsche, bevor es in die Pause geht und die Veranstaltung beginnt. Nach der Show wird dann in umgekehrter Reihenfolge wieder alles abgerissen (lacht).

Was bereitet bei der Arbeit Stress?

Wenn alles gut geplant ist, läuft es eigentlich immer alles sehr konzentriert und organisiert ab. Aber der Gedanke daran, dass um 20 Uhr der Vorhang aufgeht und man bis dahin alles fertig haben muss ist schon da.

Welche Eigenschaften müssen Ihre Mitarbeiter haben, wenn sie direkt in der Veranstaltungstechnik tätig sind?

Man muss natürlich schon handwerklich begabt sein und ein schnelles Auffassungsvermögen haben. Außerdem ist es wichtig, flexibel zu sein und gut im Team arbeiten zu können. Und wenn man etwas schon gefühlt 1000 Mal aufgebaut hat und der Kunde trotzdem noch nicht ganz zufrieden ist, dann muss man das akzeptieren. Dafür, dass man es sich aussuchen kann, ist man ja schließlich Kunde (lacht). Und die schwierigsten Kunden sind eigentlich immer diejenigen, die nicht genau wissen was sie wollen oder nicht genügend Budget haben, um ihre Wünsche umsetzten zu können.

Wie haben sich die Branche und Ihre Arbeit verändert?

Ich bin seit 1992 in diesem Bereich selbstständig, aber bestimmt seit mittlerweile 15 Jahren nicht mehr direkt im Auf- und Abbau und der Betreuung von Veranstaltungen vor Ort tätig. Die Branche ist teilweise eine völlig andere Welt geworden. Früher gab es zum Beispiel viel weniger professionelles Material. Heute ist Veranstaltungsequipment in großer Menge für jeden verfügbar. Wo es früher nur ein bisschen blinky blinky gab, hat man heute zudem die Qual der Wahl aus einer Vielzahl von Produkten.

Was für Tipps können Sie kleinen Bands geben, um ihre Show bestmöglich zu gestalten?

Man kann mit Technik nichts wettmachen, wenn die Band keinen – wie man heute sagt – Swag hat (lacht). Eine Band muss überzeugen können, selbst wenn sie auf einer umgedrehten Bierkiste auf einem brachen Acker spielt. Mit Licht und heutiger Technik hat man natürlich andere Möglichkeiten, aber die Band muss das, was sie sagen will selbst rüberbringen. Natürlich kann man da noch etwas pimpen und unterstreichen, aber auch ein Mischpult ist kein Klärwerk.

Wie steht es um den Nachwuchs in der Branche? Man hört ja verstärkt vom Fachkräftemangel.

Das Thema „Ausbildung“ hat sich ziemlich gewandelt. Sicherlich ist der Beruf für viele junge Leute sehr interessant, aber ich muss ehrlich sagen, dass das Niveau der Bewerber sehr hoch ist. Die Leute haben gute und sehr konkrete Vorstellungen von dem, was sie in diesem Beruf erwartet. Früher dachte man eher, man würde schön mit der Band abhängen. Vielleicht schreckt auch die Größe unseres Betriebs einige Bewerber mit unrealistischen Vorstellungen ab, aber in diesem Jahr haben uns die Bewerbungsgespräche für die Ausbildungsplätze positiv überrascht. Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass es viel Arbeit ist. Einigen geht es in erster Linie nur darum, ihre Ausbildung zu absolvieren und dann einen eigenen Laden aufzumachen. Bei uns geht es aber eher darum, sich durch gute Leistungen und Fortbildungen weiter zu qualifizieren und langfristig im Unternehmen zu bleiben.

Sie sprechen auf Ihrer Website auch von einem nachhaltigen Arbeiten – Wie sieht das in Ihrem Tätigkeitsfeld genau aus?

Wir sind uns schon bewusst, dass unsere Branche grundsätzlich nicht besonders ressourcenschonend unterwegs ist und sich die Welt auch ohne uns weiterdrehen würde (lacht). Allerdings möchten die Leute am Wochenende auch gerne etwas erleben. Für uns als Betrieb heißt ein nachhaltiges Arbeiten zum einen, dass wir immer auf langfristige Beziehungen zu Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten setzen. Aber zum anderen auch, dass wir unsere tägliche Arbeit darauf prüfen, wie umweltverträglich sie ist. Daher sind wir seit 2010 im lokalen hannoverschen Ökoprofit Netzwerk aktiv, ein gemeinsames Programm von Unternehmen und kommunaler Politik zum betrieblichen Umweltschutz. Also benutzten wir beispielsweise ausschließlich Recyclingpapier im Unternehmen oder haben Berufskleidung, die zumindest unter Beachtung der grundlegenden arbeitsrechtlichen Standards hergestellt wird. Letztendlich ist es die Summe der kleinen Dinge. Aber auch bei der Zusammenarbeit mit unseren Kunden versuchen wir diesen Gedanken zu berücksichtigen. Wir streben dabei immer langfristige und partnerschaftliche Kooperationen an. Und wenn es ums Ressourcen schonen und Energieverbrauch bei Events geht, dann raten wir auch schon mal zu weniger Equipment, wenn es in das Gesamtbild passt.

INFO-BOX

Links
externer Link www.exposive.de

Tools
Drucken Artikel drucken (PDF) An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

, Foto(s): Sabrina KleinertzTraversen, Lautsprecher und Kabel
Im Interview mit Helge Leinemann

21.04.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

 


, Foto(s): Promo/PeterWeiheDiskokugeln und Netzwerke
Im Gespräch mit Peter Weihe

16.01.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Promo/PeterWeihe

 


, Foto(s): Swillus„Künstlerisch kompetenter als damals“
Fair Warning präsentieren Neuaufnahmen

23.11.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Swillus

 


, Foto(s): Sabrina KleinertzEin spontanes Treffen in Hannover
Wir sprachen an der hmtmh mit John Stowell

31.10.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Sabrina Kleinertz

 


Zum Kennenlernen und zum Weiterbilden
Im Januar neue Kurse bei der PPC Music Academy

21.12.2015, Von: Redaktion

 




Zur Übersicht Zur Startseite