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Vor als Keyboarder von Lord Of The Lost bekannt, aber auch darüber hinaus vielseitig aktiv ist Gerrit Heinemann. Wir hatten die Gelengeheit, mit dem gebürtigen Hannoveraner ein Interview zu führen.

„Nie von der Bildfläche verschwinden“

Im Interview mit Gerrit Heinemann

08.02.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Matteo Fabiani

Vor allem mit der Hamburger Band Lord Of The Lost erlebt Gerrit Heinemann große Erfolge. Unter seinem Künstlernamen Gared Dirge spielt der gebürtige Hannoveraner zusammen mit seinen Bandkollegen metallischen Gothic-Rock, aber auch orchestrale Unplugged-Konzerte. Zudem ist er als freier Musiker mit internationalen Größen auf Tour oder im Studio, um sich ganz seiner Leidenschaft zu widmen. Was der Schritt von Hannover nach Hamburg für ihn bedeutete und welche Chancen und Schwierigkeiten das Musikbusiness bereithält, darüber sprachen wir mit dem Multiinstrumentalisten im Interview.

Rockszene.de: Wie hast du deine ersten musikalischen Erfahrungen gemacht? Wann und warum entstand der Wunsch, sich beruflich auf die Musik zu konzentrieren?

Gerrit Heinemann: Meine ersten musikalischen Erfahrungen habe ich auf ganz natürliche und intuitive Art und Weise gemacht, nämlich als drei-/vierjähriger Stöpsel auf dem Klavier, was sich schon immer in meinem Elternhaus befand. Später kam dann das Schlagzeug dazu und mein (Lebens-)Weg war klar. Warum? Weil ich es liebe und, ganz brutal ernst, nichts anderes kann, woraus man einen Beruf ergreifen könnte. Die beiden Tatsachen bedingen sich gegenseitig (lacht).

Wie sah deine musikalische Ausbildung aus und wie sieht dein aktueller Alltag aus?

Ich habe von Kindesbeinen an bis ich 20 Jahre alt war, Instrumentalunterricht in Klavier (Klassisch und Jazz/Rock/Pop), Schlagzeug und Vibrafon gehabt und in der Zeit auch Bühnenerfahrung gesammelt, sowie mehrmals am Wettbewerb „Jugend Musiziert“ erfolgreich teilgenommen. Es zielte also durchaus alles auf eine Laufbahn als professioneller Musiker ab. Ich habe mich trotzdem gegen ein Musikstudium entschieden, da mir die meisten fertig studierten Musiker sehr bieder und zu „schulisch“ vorkamen in ihrem Ansatz, Musik zu machen. Vielleicht schwang dort ein kleines bisschen Rock’n’Roll-Attitüde in mir mit. Stattdessen habe ich Tontechnik studiert. Beide Bereiche bilden heute meinen Berufsalltag: Als Musiker auf unseren Alben beziehungsweise auf der Bühne mit Lord Of The Lost, als frei zu buchender Studio- und Livemusiker für andere Künstler, aber eben auch technische Tätigkeiten im Rahmen von Albumproduktionen.

Wie empfindest du die hannoversche Musikszene? Was sind Vor- und Nachteile?

Da ich mit 21 Jahren nach Hamburg gezogen bin und sich erst dort mein Berufsweg so richtig aufbaute, habe ich die hannoversche Musikszene nur aus meiner semi-professionellen Sicht als heranwachsender Musiker miterlebt, möchte mir also kein profundes Urteil erlauben. Was ich noch weiß, ist, dass Hannover ganz groß im Thema Jazz ist und auch eine recht ausgeprägte alternative Musikszene hat. Dafür habe ich nie eine wirklich große Rock- und Metalszene wahrgenommen, aber vielleicht hat sich das in den letzten zehn Jahren auch geändert. Die Vor- und Nachteile darf jeder gerne für sich selbst daraus lesen. Ich habe Hannover trotz alledem immer als kulturell und musikalisch durchaus offen und vielseitig empfunden.

Wie war der Schritt von Hannover nach Hamburg? – Was hat sich im Hinblick auf die Musik und deine Tätigkeit verändert?

Wie schon gesagt, hat sich mein Berufsweg als solcher erst in Hamburg wirklich gefestigt. Und auf die Gefahr hin, mir in meiner Heimat Feinde zu machen, aber der Schritt war verhältnismäßig einfach. Hamburg, so scheint mir, bietet eine wirklich ausgeprägte Musikerszene in jeglichen Genres. Vielleicht hätte ich diesen Weg, wie er sich für mich in Hamburg gestaltete, in Hannover gar nicht ausbauen und gehen können. Aber das ist reine Spekulation. Fakt ist, dass ich froh bin, meine Anfänge und Ausbildung in Hannover genießen konnte und den Schritt nach Hamburg getan habe, um meinen Traum weiter zu verfolgen und mittlerweile zu leben. Und das trotz anfänglicher Startschwierigkeiten. Ich bin 21 Jahre in einem kleinen Dorf aufgewachsen und auch Hannover ist nicht wirklich riesengroß, also hat mich Hamburg als Stadt anfänglich sehr überfordert. Aber beruflich war es die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können.

Welche Chancen und Schwierigkeiten bietet das Musikbusiness heute für Solokünstler und Bands?

Folgende Dinge sind sowohl Chance und Schwierigkeit zugleich, quasi Segen und Fluch: moderne Aufnahmetechniken und das Internet. Jeder kann heute verhältnismäßig einfach in seiner Wohnung Songs recorden, die hochwertiger klingen als das, was noch vor 20 Jahren in riesengroßen, mit teuerstem Equipment ausgestatteten Studios produziert wurde. Und dank Internet lässt sich dies auch unmittelbar unter die Leute bringen, egal ob unentgeltlich oder kommerziell. Zum einen kriegen so jene Künstler die Möglichkeit, bekannt zu werden, die es mehr als verdienen und ein Segen für die Musikwelt sind, aber vor 20 Jahren vielleicht unentdeckt geblieben wären. Zum anderen steigt so aber auch die Quote an musikalischem Müll. Die Quantität mindert also die Qualität. Dennoch, wer ein gutes Produkt hat und ein Label im Rücken hat, das ihn unterstützt, hat eine weitere Schwierigkeit vor sich: CD-Verkäufe werfen bei weitem nicht mehr das ab, was sie früher mal taten. Heutzutage leben Bands vor allem von zwei Dingen: Live-Gagen und Merchverkäufen. Und selbst erstere sind in der Anfangszeit einer Band gerne mal gering. Chancen bieten da Festivals und Touren als Vorband für andere Acts. Da lässt sich durch den „Laufkundschaft“-Effekt recht schnell eine gute Fanbase aufbauen.

Welche Tipps kannst du jungen Musikern geben?

Tapfer bleiben! Musiker zu sein ist der absolute Traumberuf, das lässt sich nicht von der Hand weisen. Aber man muss mit Rückschlägen umgehen können. Aufstehen, Krone richten und mit zielgerichtetem Blick sich seinen Weg durch dieses teils ziemlich unberechenbare Business mäandern. Und vor allem: Nie von der Bildfläche verschwinden. Rauf auf die Bühnen dieser Welt! Spielen, spielen, spielen! Macht auf Euch aufmerksam. Nutzt Facebook und dergleichen. Das Internet ist nicht nur für vermaledeite Trump-Tweets und süße Katzenvideos da! Die halbe Welt glotzt den ganzen Tag stumpf auf soziale Medien, also unterschätzt nicht deren Möglichkeiten. Wenn Justin Bieber das kann, könnt Ihr das auch! Achja, und: Übt Eure Tonleitern! (lacht).

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